Prof. Alfred Eisele – DER Spieler des SCE!

Beim SC Eisenstadt haben viele, sehr viele Fußballer bzw. solche, die glauben, dass sie Fußballer sind, gespielt. Doch Loblieder werden und wurden nur über ganz wenige angestimmt. Eine dieser Ausnahmen, auf die der SCE stolz sein kann, dass er in seinen Reihen gekämpft und den Verein repräsentiert hat, ist Alfred Eisele. DER Fußballer des Burgenlandes…

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Der Siegendorfer begann seine Fußballkarriere natürlich in seiner Heimatgemeinde. Der ASV Siegendorf zählte über viele Jahre hinweg zu den besten Mannschaften des östlichen Bundeslandes Österreichs und konnte sich als einziger über Jahre in der zweithöchsten Liga – der Staatsliga B – halten. Die in Siegendorf ansässige Zuckerfabrik stellte dafür die Mittel und auch Arbeitsplätze zur Verfügung. Nach der Auflösung der Staatsliga B und der damit verbundenen Einführung der Regionalligen, spielte der ASV Siegendorf in der Ostliga weiter. Stets im Spitzenfeld zu finden, machte bei den Zuckerleuten ganz besonders ein Spieler auf sich aufmerksam: Alfred Eisele.

Sogar so aufmerksam, dass Ernst Ocwirk ihn zur Wiener Austria holen wollte, doch Eisele blieb im Burgenland. Als der SC Eisenstadt 1966/67 als erster Burgenländischer Fußball-Verein in die Nationalliga aufstieg, holten sie Alfred Eisele in die Landeshauptstadt.

Trotz des schon legendären „Premieren-Sieges“ gegen Wacker Innsbruck (dies war das zweite Saisonspiel, dafür aber das erste Heimspiel), hatte der SCE einen mehr als schief gegangenen Start in die höchste Liga des Landes. Denn sechs der ersten sieben Partien gingen verloren.

Dann, man schrieb den 22. Oktober 1967, gastierte der SCE im weit entfernten Bodensee-Stadion in Bregenz, wo Alfred Eisele sein erstes Tor für den SCE erzielte, das sogleich das einzige des Spieles sein sollte.
Sein zweites Tor für den SCE schoß er in der vierten Minute der Partie gegen die WSG Radenthein, doch nach einem Eigentor von Kusolits (zum 1:1) ging das Spiel im Lindenstadion vor knapp 4.000 Zuschauern noch 1:2 verloren.
Im neuen Jahr (1968) gelang ihm sein ersten Treffer auf der Hohen Warte, wo der SCE die Vienna mit 4:1 niederrang – Alfred Eisele schoß das Tor zum 2:1.
Am Ende der Saison 67/68 konnte der SCE den Klassenerhalt feiern, doch im zweiten Jahr ging es schon ganz schön eng im Tabellenkeller zu. Es sei vorweg erwähnt, dass der SCE erneut die Zugehörigkeit zur Nationalliga sichern konnte. Neben guten Leistungen und Torvorlagen steuerte Alfred Eisele natürlich auch selbst Tore zum Klassenerhalt bei: Ein Tor beim Auftakt-Sieg im Lindenstadion gegen Austria Klagenfurt (2:0); das 1:0 beim 3:3 gegen den SC Wacker aus Wien sowie den Ehrentreffer bei der 1:2-Niederlage in Bregenz.
Trotz des Abstiegskampfes im Frühjahr 69 konnte sich Alfred Eisele über seine Einberufung ins österreichsiche Nationalteam freuen, das im April auf eine Länderspielreise ging. Zuerst gastierte das Rot-Weiß-Rote Team im Rahmen der WM-Qualifikation auf Zypern. Vor 7.000 Zuschauern in Nikosia stand Alfred Eisele in der Startformation und wurde nach der Pause von Johann Ettmayer ersetzt. Danach ging es zu Testspielen, um sich auf die WM-Qualifikations-Partie gegen die BRD vorzubereiten. In Tel Aviv, wo es vor 32.000 Zuschauern ein 1:1 gab, wurde Alfred Eisele in der 79. Minute für Helmut Wallner eingewechselt. Das Spiel endete dank eines Treffers von Willi Kreuz 1:1 unentschieden.
Danach ging es weiter auf die Mittelmeerinsel Malta, wo knapp 10.000 Besucher im Gzira-Stadion einen 3:1-Sieg der Österreicher zu sehen bekamen. Alfred Eisele sah diesen aber nur von der Bank bzw. vom Aufwärmen aus.

In der AZ steht bez. dem Spiel auf Zypern, dass „der aus dem burgenländischen Grenzort Siegendorf stammende Eisele sich nicht nur auf seine Fußballerbeine verlässt. Der angehende Professor studiert Latein und Geschichte und wird seine zukünftigen Schüler, neben seinem einträglichen Hobby Fußball, Tacitus und griechische Geschichte lehren.“ bzw. bezüglich der ersten Länderspiele div. Spieler: „Der Eisenstädter Eisele: „So ganz Neuling bin ich nicht, ich habe mit dem Team Unter 23 und den UEFA-Junioren gespielt.““

Dass Fußballer auch nur Menschen sind, zeigt der Zeitungsbericht vom nächsten Tag: (AZ) „Zur Pause war Eisele durch Ettmayer ersetzt worden. Eisele hatte derartiges Lampenfieber, dass er ausgetauscht werden musste.“

1969/70 war nicht die Saison des SCE. Zusammen mit dem FC Dornbirn und der Austria aus Klagenfurt ging es zurück in die Regionalliga. Sein erstes Tor erzielte Eisele in der 15. Runde beim 1:1 auf der Dornbirner Birkenwiese. Dann war er beim ersten Spiel im Jahr 1970 beim LASK in der 69. Minute erfolgreich. Dies war das 2:1 beim späteren 3:1-Sieg.
Eine Woche später stellte er den Pausenstadt von 2:0 her, doch am Ende gab der SCE gegen Admira-Energie einen schier sicheren 3:0-Vorsprung aus der Hand und musste sich mit einem 3:3 begnügen.
Sein zehntes Tor für den SCE gelang Alfred Eisele am 23. Mai 1970, als der SCE vor nur knapp 1.000 Zuschauern im Lindenstadion Sturm Graz mit 3:1 bezwang.

Der SCE musste absteigen und um Alfred Eisele wurde heftig geworben: Sturm Graz wollte den Siegendorfer an die Mur holen, doch dieser entschied sich in Eisenstadt zu bleiben – vor allem auch weil gerade seine Tochter zur Welt gekommen war.

Nach dem Abstieg spielte der SCE wieder in der Regionalliga Ost, die er ohne große Probleme gewinnen konnte – Alfred Eisele trug sich dabei auch in die Schützenliste ein.
Nun ging es aber wieder in der Nationalliga auf Punktejagd: Das ersten Eisele-Tor konnten gut 3.500 Zuschauer im Lindenstadion in der 5. Runde gegen den LASK sehen, sein Treffer bedeutete den 3:0-Endstand. Es war aber wieder eine Saison am Rande des Abstiegs, der aber abgewandt werden konnte.
Seinen zweiten Saisontreffer konnte Eisele in der 17. Runde – erneut im Lindenstadion – gegen den 1. Simmeringer SC erzielen. Sein Tor in der 72. Minute war das dritte von insgesamt vier SCE-Treffern an diesem Tag.
Tor Nummer Drei in der Saison 71/72 gelang dem Mittelfeldstrategen am 1. Juni 1972 bei der 6:0-Demolierung des SK Bischofshofen im Lindenstadion.

1973/74 lief es für den Klub der Landeshauptstadt kaum besser, wieder fand man sich am Ende in der unteren Hälfte der Tabelle. Zum Glück aber drei Punkte vor den Abstiegsrängen. Die im Durchschnitt drei Eisele-Tore pro Nationalliga-Saison konnten aber nicht erreicht werden. In dieser Saison gab es nur einen einzigen Treffer von Alfred Eisele, doch der war umso wichtiger: In der zehnten Runde kam der SK Rapid ins Lindenstadion, wo gut 8.000 bis 10.000 Besucher lange ein 0:0 zu sehen bekamen. In der 69. Minute brachte der Ex-SCEler Geza Gallos die Grün-Weißen in Führung, doch als alle mit dem 1:0-Sieg der Wiener gerechnet haben schlug Alfred Eisele eiskalt zu. Eine Minute vor dem Ende stellte er auf 1:1!

Die nächste Saison – 1973/74 – ging mit gleich siebzehn Mannschaften über die Bühne. Ein unzumutbarer Zustand, den die Reformer – und auch ein paar Vereine, die die große Zahl an Erstligisten nicht wollte – ändern wollten und auch taten. Nach dieser Saison wurde kräftig umgerührt und der SCE durfte an der kommenden Zehnerliga teilnehmen, obwohl sie die Saison nur auf Platz 13 beendeten.
Beinahe hätte es kein Eisele-Tor in dieser Saison gegeben. Erst in der 29. Runde gelang ihm im Lindenstadion der wichtige Treffer zum 2:1-Sieg über Alpine Donawitz – dies war Treffer Nr. 15 für den SC Eisenstadt in der obersten Liga.

Nach der Umstrukturierung der Nationalliga, die nun Bundesliga hieß, war der SCE einer der zehn Vereine, aus denen die Liga nun bestand und hatte zudem schon gehörig mit Schulden zu kämpfen. Die Saison begann mit einer 1:6-Klatsche in der Südstadt. Alfred Eisele gelang fünf Minuten vor Schluß der einzige Treffer des SCE. Zum dritten Mal in Folge gab es somit „nur“ ein Eisele-Tor, der aber mehr durch Vorlagen und seine Übersicht im Mittelfeld glänzte.
Für den SCE und Prof. Eisele hieß es aber Abschied von der obersten Spielklasse zu nehmen, denn nun ging es in der 2. Division weiter. Ohne ein Eisele-Tor beendete der SCE seine ersten Saison in der 2. Division auf dem guten vierten Platz.

1976/77 führte Alfred Eisele seinen SCE auf Platz Sieben – bei zehn Siegen, zehn Unentschieden und zehn Niederlagen. Das ersten Tor des Professors in der 2. Division gab es am 2. Oktober 1976 im Wörthersee-Stadion zu bewundern. Beim 5:2-Sieg über die Austria aus Klagenfurt steuerte er den fünften Treffer (nach einem 0:2-Rückstand) bei. Es war allerdings sein einziger Treffer.

Ein Jahr später war der SCE sogar auf den zehnten Platz abgerutscht. In der vierten Runde leitete er den 3:0-Sieg über den 1. Wr. Neustädter SC im Lindenstadion ein, dies blieb aber wieder sein einziger Saisontreffer, was aber nicht so wichtig war.

In der Saison darauf mussten die SCE-Fans auf Tore ihres Lieblings verzichten, doch umso mehr freute man sich über den dritten Platz der Tabelle.
Das nächste Jahr sollte dies aber toppen, denn Alfred Eisele führte den SCE in seiner finalen Saison zurück in die Erste Division, auch wenn er dabei selbst zu keinem Torerfolg kam.!
Mit dem FC Wacker Innsbruck gab es einen schier übermächtigen Gegner im Aufstiegskampf, der sich aber seiner Sache zu sicher war und auch deshalb praktisch an sich selbst scheiterte. Der SCE schaffte es zurück in die oberste Liga Österreichs. Für Alfred Eisele war das Final-Spiel im Wiener Praterstadion gegen den 1. Simmeringer SC (3:1) das letzte seiner langen Spielerkarriere, in der er ja auch noch im Cup so manch wichtigen Treffer für seinen SCE erzielt hat.

Danach wechselte er ins Trainerteam des SCE und war vor allem nach der umstrittenen Niederlage in Salzburg und dem damit verbundenen Abstieg enttäuscht. Der SCE schaffte es aber dennoch gleich wieder zurück in die Liga – siehe dazu die ausführliche Chronik des SC Eisenstadt.

Prof. Alfred Eisele übernahm 1988, als der SCE kurz vor dem Ruin stand, den Cheftrainer-Posten und war auch nach seiner aktiven Zeit als Trainer immer wieder im Stadion, um die Spiele seines SCE zu verfolgen.

Der SC  Eisenstadt kann sich glücklich schätzen einen solchen Spieler in seinen Reihen gehabt zu haben. Herr Eisele zählt zweifellos zu den besten Fußballern des Burgenlandes.

Auch wenn es mittlerweilen den Anschein hat, als dürfte man sich nicht mehr an den SCE erinnern, so möchte ich doch im Kleinen – wie auch in diesem Bericht – auf seine einstige Existenz aufmerksam machen.

Und man sollte sich fragen, warum der SCE, als er von hohen Landes- und Stadtpolitikern sowie Wirtschaftstreibenden aus Eisenstadt und dem Burgenland geführt wurde und auch praktisch den BFV in seiner Hand hatte, zu einem hoch verschuldeten und bei den Burgenländern gehassten Verein wurde. Alles Gründe, die, wie auch die Post-Bundesliga-Zeiten, zu seinem tragischen Ende geführt haben…

Nachtrag (März 2014): Am 1. März 2014 traf die traurige Nachricht vom Tod Alfred Eiseles ein.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

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