Cup-Geschichten Teil 1

Der Cup genießt in Österreich keinen sehr großen Stellenwert. Statt eines großen Bewerbes mit hohem Ansehen bei Clubs und Fans ist er nicht viel mehr als ein Klotz am Bein. Leere Stadien und müde Partien sind keine Seltenheit…
Für den SCE war der ÖFB-Cup nur selten etwas, an das man sich gerne erinnerte. So richtig weit ist er nie vorgestoßen, die „erfolgreichsten“ Cup-Saisonen endeten mit dem Ausscheiden im Viertelfinale, also in der Runde der „besten“ acht Mannschaften.

Und von genau diesen Cup-Teilnahmen möchte ich hier berichten:

Teil 1 – 1971/72:
In dieser Saison spielte der SCE – nach dem errungenen Meistertitel in der Regionalliga Ost – wieder in der Nationalliga.
Es war Mitte August 1971; südlich von Eisenstadt wurde in Trausdorf der neue Sportplatz eröffnet und von den beiden burgenländischen Vereinen überstand der ASV Siegendorf die 1. Cuprunde (die Zuckerleute gewannen daheim gegen den SC Tulln mit 2:0, während der SC Oberwart daheim gegen den FC Wien mit 2:4 nach Verlängerung verlor).
Der SCE testete derweilen im jugoslawischen Maribor. Doch schon nach zehn Minuten wollte die Mannschaft nicht mehr weiterspielen, denn das Team des NK Maribor ging von Anfang an überhart in die Zweikämpfe und beschimpfte die SCE-Spieler…
Man entschied sich am Feld zu bleiben, achtete aber nur noch darauf, heil die 90 Minuten zu überstehen. Nach dem Schlußpfiff stand es 4:0 für Maribor und SCE-Trainer Günther meinte „Für mich hatte diese Begegnung überhaupt keinen Wert.“
Wieder in Österreich angekommen, erfuhr der SCE den Namen seines Cup-Gegners in der 2. Runde: SC Kundl aus Tirol.

Man begab sich also auf die Reise nach Tirol, und vor gut 600 Zuschauern siegten die Roten Husaren – bei drückender Hitze – glatt mit 3:0 (Tore: Hafner, Gretzler, Thometich II). Übrigens: Sturm Graz siegte in Siegendorf vor knapp 1.200 Zuschauern mit 3:0.

Dies ist der Wimpel des SC „Steinadler“ Kundl, den der SCE 1971 bei dieser Cup-Partie am Mittelpunkt des Kundler Sportplatzes bei der Inntal-Autobahn überreicht bekam:

In der Woche darauf lud der SCE zu seinem ersten Nationalliga-Spiel ins renovierte Lindenstadion. Gast war der Vorjahrs-Vierte First Vienna Football Club. 8.000 Zuschauer mussten allerdings eine 0:1-Niederlage unter den Flutlichtstrahlern mit ansehen.

Die 3. Cuprunde führte den SCE am 4. Dezember 1971 zum Ligakonkurrenten Simmering, wo die Burgenländer schon in der 2. Meisterschaftsrunde sang- und klanglos 0:2 unter gingen.
In einem allgemein schwachen Spiel war der SCE aber die – wenn man das sagen kann – bessere Mannschaft und siegte am Ende verdient mit 1:0. Das Tor schoß damals Thometich II.

Bildquelle: BF Onlinearchiv

Unter den letzten acht Mannschaften im Cup standen somit fünf Wiener, ein Oberösterreichischer, ein Salzburger sowie der SCE aus dem Burgenland.

Die vier Begegnungen wurden an drei verschiedenen März-Tagen des Jahres 1972 ausgetragen. Am 4. März gewann die Austria gegen die Vienna mit 2:1 und Rapid schlug den SK VÖEST aus Linz mit 3:1.
Am 13. März wurde das Spiel vom Ostligisten SV Wienerberg gegen den SV Austria Salzburg nach 27 Minuten abgebrochen und mit 0:3 strafverifiziert (Nachzulesen im Buch „ostwärts“).
Dazwischen – am 5. März 1972 – trat der SC „Roter Husar“ Eisenstadt zu seinem ersten Cup-Viertelfinale an. Die Reise ging wieder nach Wien, diesmal nach Hernals, wo sie es mit dem Wiener Sport-Club sowie mit dem berüchtigten Schiedsrichter Mathias zu tun bekamen.
Allerdings war das Spiel des SCE größtenteils ideenlos und an vorderster Front fehlten die Sturmspitzen Gretzler und Seitl verletzungsbedingt. Der WSC war kaum besser, schoß aber die Tore: das 1:0 aus Abseitsposition und das 2:0 durch einen geschenkten Penalty.

Somit blieb das Halbfinale unerreicht. Der Wiener Sport-Club zog nach einem 3:1 nach Verlängerung gegen die Salzburger Austria ins Finale ein, wo der SK Rapid wartete, der die Austria mit 6:2 besiegte (vier Tore erzielte der spätere SCE-Spieler Bjerregaard, dessen Sohn zwei Jahrzehnte später auch für den SCE spielte).

Das Finale wurde in zwei Spielen ausgetragen. Das Hinspiel entschied der WSC mit 2:1 für sich, doch das Rückspiel ging 1:2 verloren und in der Verlängerung gelang den Rapidlern der entscheidende dritte Treffer.

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