Spiele der Zwanzigerjahre

Städteduell:
Im April 1929 wurde das Finale um die burgenländische Fußallmeisterschaft in Hirm ausgetragen. Als Vorspiel wurde das Städteduell Mattersdorf – äh meine natürlich Mattersburg – vs. Eisenstadt anberaumt. Doch bis es dazu kam hieß es warten…

Hier der Bericht aus der BF: Trotz der Ungunst der Witterung ist am vergangenen Sonntag das Entscheidungsspiel um die burgenländische Meisterschaft in Hirm zur Austragung gekommen.

Schon um 9 Uhr vormittags waren die Vorstandsmitglieder des Verbandes sowie die Delegierten der Vereine zur Landeskonferenz in Hirm versammelt, um über die Zukunft des burgenländischen Arbeitersportes ihre Beschlüsse zu fassen. Um 9.30 Uhr vormittags fasste der Vorstand nach Besichtigung des Sportplatzes (Anm.: heute befindet sich Teile der Bleistiftfabrik an jener Stelle) den Beschluß, die beiden Wettspiele abzusagen, da jedoch eine telephonische Verständigung der auswärtigen Spielmannschaften nicht mehr möglich war, kam es dennoch zum Austragen der Spiele, zu welcher sich auch der mittlerweile aus Wien eingetroffene Schiedsrichter Gen. Stöckl bekannte.

Der Wettergott schien uns mit seiner besonderen Härte zu verfolgen – es regnete und regnete unaufhörlich, die Gesichter der Verbandsfunktionäre nahmen immer traurigere Falten an.
Genosse Kuttler, der Verbandsvorsitzende, war der einzige, der scheinbar Ruhe bewahrte, im Gehirne des Kassiers Gen. Szivats entstand ein Gedankenchaos, welches sich zur Frage formierte: „Mit welchen Mitteln sollen die Ausgaben gedeckt werden?“

Da, welch ein Wunder geschah, mittags schien es so, als hätte der Wettergott ein Einsehen, der Regen hörte auf, ein leichter Wind blies über den Sportplatz und fegte auch die Sorgen der Verbandsmitglieder fort, so dass Gen. Kuttler erklärte: „Habe ich es nicht gleich gesagt, dass es heute noch schön wird?“ obwohl am Vormittage seine Miene nicht den Zug verriet, welch optimistischen Gedanken die Denkerstirne des Gen. Kuttler barg. Fieberhaft begannen nun die einzelnen Vorstandsmitglieder tatkräftig von den Hirmer Sportgenossen unterstützt, ihre Vorbereitungen zu treffen. Sägespäne wurden auf den Sportplatz gebracht, um die schlechtesten Stellen auszufüllen und der Schiedsrichter stolzierte wie ein Feldherr über den Platz, um zu dokumentieren, dass das Feld spielfähig ist.

Schon weist der Zeiger auf 13.30 Uhr nachmittags und noch keine Mannschaft ist in Hirm eingelangt, wieder neue Erregung: kommen sie oder kommen sie nicht? Endlich trifft Mattersburg per Auto ein, abermals langes Warten, knapp vor 14.00 Uhr kommen die Frauenkirchner, ebenfalls per Auto. Es fehlt noch Eisenstadt und Neufeld. Endlich, reichlich nach 14.00 Uhr kommen auch die Autos der Eisenstädter und Neufelder an – und damit auch alle Erregung bei den Funktionären geschwunden – damit aber nicht deren Herzen in jauchzenden Übermut geraten, setzte leichter Regen ein.

Um 14.25 Uhr beginnt endlich der Städtekampf Eisenstadt vs. Mattersburg, welchen Mattersburg für sich 2:3 entscheiden konnte.

Vor den 600 Zuschauern jubelnd begrüßt, betreten die Mannschaften Neufeld und Frauenkirchen das Spielfeld, um 16.05 Uhr pfeift der Schiedsrichter Genosse Stöckl zum Spiele an. Gen. Kuttler begrüßt die Spieler im Namen des Verbandes, Landtagsabgeordneter Bürgermeister Genosse Schön überbrachte die Grüße der burgenländischen Landespartei, worauf die Sportler mit einem dreimaligen „Sport frei“ erwiderten. Im Spiele zeigten die beiden Mannschaften Leistungen von hoher sportlicher Stufe, ebenbürtige Gegner standen sich gegenüber, die Austragen des Wettstreites bedeutete ein Ergebnis ersten Ranges für das Burgenland.
Nach dem Spiele übergab unter Glückwünschen Gen. Kuttler als Verbandsvorsitzender dem Arbeitersportverein Neufeld den nun dauernd in seinen Besitz übergegangenen Pokal, der Arbeitersportverein Frauenkirchen bekam zur Erinnerung an den schönen Kampf ein künstlerisch ausgeführtes Diplom zugesendet.

Mit einem dreimalig ausgebrachten „Sport frei!“ schieden die Spieler vom Kampfplatze, ein echt proletarisches Sportfest hat seinen Abschluß gefunden.

Zum Spiel der Eisenstädter:
(BF) Ein mattes Spiel beider Mannschaften, das durch den schweren Boden bedingt war. Mattersburg gelang es innerhalb kurzer Zeit, drei Tore zu erzielen, ohne sich besonders anzustrengen, mit 3:0 ging es in die Halbzeit.
Nach Fortsetzung des Spieles kommt Eisenstadt mächtig auf und kann durch Bognar I zwei Tore aufholen, trotzdem die Eisenstädter bis zum Schlusse Sturm laufen, konnte Mattersburg die Differenz halten und das Spiel gewinnen.

Für Eisenstadt spielten damals: Hirsch, Roth, Pointner, Wallner, Steiger, Machon, Scheinegger, Bognar I, Rumpler, Grudela, Halasz.

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Ein paar Wochen später trafen die Eisenstädter auf den burgenländischen Vizemeister Frauenkirchen:

Eisenstadt vs. Frauenkirchen 2:2
(BF) Ein gutes Spiel beider Mannschaften. Eisenstadt hat Abstoß, Frauenkirchen setzt sich sofort in der Spielhälfte der Eisenstädter fest, kann aber mit seinen Schüssen nichts erreichen. Eisenstadt kommt nun etwas auf und in der 9. Minute wird Korner gegen Frauenkirchen gegeben, welcher von Klom getreten, durch einen herrlichen Kopfstoß Rumplers zum 1. Tor für Eisenstadt verwandelt wird. Eisenstadt bleibt einige Zeit im Angriff und Rumpler gelingt in der 17. Minute ein Prachtschuß, welcher zum 2. Treffer der Eisenstädter wird.
Bis zur Halbzeit wechselnde Situation, doch bleibt das Verhältnis unverändert.
Sofort nach Aufnahme der zweiten Halbzeit setzt Frauenkirchen mit heftigen Angriffen ein, doch sind Eisenstadts Verteidiger auf dem Platze. Schon erweckt es den Anschein, als ginge Frauenkirchen geschlagen vom Plane, als Rumpler im Strafraume angeschossen wird. Den diktierten „Elfer“ konvertiert Kettner zum Treffer für Frauenkirchen. Die Eisenstädter ziehen sich in die Verteidigung zurück, um eine Verschiebung des Spielverhältnisses zu vermeiden und schon benützt Brock das vor dem Tore der Eisenstädter entstandene Gedränge, um die Situation zu klären. Das Leder landet im Heiligtume der Eisenstädter und so ist auch der Ausgleich hergestellt.
Gute Leistungen boten bei den Frauenkirchnern Rast II, Kettner und Brock, bei den Eisenstädtern Rumpler, Ficker und die Brüder Bognar.

Eisenstadt spielte mit: Ficker, Roth, Bognar II, Wallner, Klom, Türk, Machon, Bognar I, Rumpler, Flaschitz, Wolfinger

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