Cup-Geschichten Teil 4

Der Cup genießt in Österreich keinen sehr großen Stellenwert. Statt eines großen Bewerbes mit hohem Ansehen bei Clubs und Fans ist er nicht viel mehr als ein Klotz am Bein. Leere Stadien und müde Partien sind keine Seltenheit…


Für den SCE war der ÖFB-Cup nur selten etwas, an das man sich gerne erinnerte. So richtig weit ist er nie vorgestoßen, die „erfolgreichsten“ Cup-Saisonen endeten mit dem Ausscheiden im Viertelfinale, also in der Runde der „besten“ acht Mannschaften.

Und von genau diesen Cup-Teilnahmen möchte ich hier berichten:

Teil 4 – 1984/85:
Zuletzt – und für alle Ewigkeit – erreichte der SCE in dieser Saison ein Viertelfinale des ÖFB-Cups. Dies tat er übrigens als aktueller Mitropa-Cup-Sieger!

Im Sommer 1984 mussten sich die unterklassigen Cup-Vertreter des Burgenlandes aber erst einmal durch die Qualifikationsmühle bewegen.
Die rot-goldenen Clubs mussten sich dabei hauptsächlich mit steirischen Mannschaften in Hin- und Rückspiel (!) messen. Die 1. Runde sah folgende Paarungen vor:
Oberwart vs. Weiz
Jennersdorf vs. Hartberg
Deutschlandsberg vs. Neuberg
Mürzzuschlag/Hönigsberg vs. Pinkafeld
LUV Graz vs. Güssing
Einzig der UFC Purbach hatte keinen steirischen Gegner, sondern durfte gegen ÖMV Auersthal aus Niederösterreich antreten.

Nach den Hinspielen sah es für das Burgenland ganz gut aus, denn Oberwart gewann 1:0 und auch Purbach konnte sein Spiel 3:2 gewinnen. Jennersdorf (1:1), Pinkafeld (2:2) und Güssing (0:0) spielten unentschieden und für Neuberg gab es eine knappe Niederlage.

Bei den Rückspielen trennte sich dann aber die Spreu vom Weizen: Güssing ging daheim gegen LUV Graz mit 0:4 unter, Jennersdorf musste sich beim TSV Hartberg 1:4 geschlagen geben. Pinkafeld spielte daheim 1:1 und kam durch die Auswärtstorregel in die 2. Cuprunde, Neuberg egalisierte die Auswärtsniederlage dank eines 2:0-Sieges über Deutschlandsberg und Oberwart fegte über die Weizer mit 6:0 hinweg, während Purbach zu einem ungefährdeten 5:2-Heimsieg über Auersthal kam.

Der SCE testete derweilen fleißig gegen NK Maribor (3:0) und eine Kroatien-Auswahl (2:0), ehe es im Lindenstadion zum Duell mit dem NK Osijek kam, bei dem zuvor ASVÖ-Präsident Eugen Schneider die – verspätete – Ehrung zum Sieg im Mitropa-Cup vornahm und Ehrenurkunden verteilte. Das matte Spiel endete übrigens vor knapp 200 Zuschauern 1:1 unentschieden.

Dies ist der Wimpel, den der SCE damals von den Kroaten erhielt:

In der 2. Runde gesellten sich nun zu den drei Aufsteigern der SC Eisenstadt sowie der SC Neusiedl/See (der NSC war zwar erst freiwillig aus der1. Division in die 2. Liga Nord abgestiegen, durfte aber dennoch seinen Fixplatz in der 2. Cuprunde behalten).

Über die 2. Runde schrieb die BF:
Elfertragödie im ÖFB-Cup!
Drei der sechs burgenländischen Cupfighter scheiterten in der 2. Runde nach guten Leistungen durch vergebene Elfmeter. Johann Konrad konnte in der 8. Minute eine Elferchance gegen den enttäuschenden Erstdivisionär Spittal nicht nützen. Die Neuberger verjuxten auch sonst noch vier klare Sitzer und mußten sich schließlich 0:1 geschlagen geben.
Bei Purbach war Martin Schmidt mit einem vergebenen Penalty der Unglücksrabe. Im Finish wurde den Purbachern ein regulärer Treffer aberkannt – Endstand 1:0 für Krems. Das dritte „Elferopfer“ war der SC Pinkafeld, der gegen Simmering 120 Minuten ein torloses Remis hielt und das Elferschießen 3:4 verlor.
Das erwartete Aus kam für Neusiedl beim Wiener-Liga-Klub Mautner Markhof. Die Seestädter hielten sich aber recht gut und mußten nur einen Treffer hinnehmen.
Keine Probleme hatte hingegen unser Erstdivisionär SC Eduscho-Eisenstadt in Untersiebenbrunn. Nach acht Minuten führte die Latzke-Truppe schon 2:0 und spielte dann einen ungefährdeten 5:0-Sieg nach Hause.
Von den acht im ÖsterreichischenFußballcup beschäftigten burgenländischen Mannschaften blieben also nur zwei übrig. Neben Eisenstadt kam Oberwart mit einem Freilos in die 3. Runde. Die Ergebnisse der Drittrundenspiele Kremser SC vs. Oberwart und Eisenstadt vs. FavAC standen bei Redaktionsschluß noch nicht fest. Wir werden in der nächsten BF darüber berichten.

Die ersten drei Cuprunden wurden damals alle im August durchgeboxt. Am 28. August 1984, als ich mich schon rießig auf meine baldige Geburtstagsparty freute, und vom Fußball überhaupt keine Notiz nahm, lud der SCE zum Cupfight gegen den FavAC ins Lindenstadion.

500 Menschen folgten dem Ruf und sahen eine gut spielende SCE-Mannschaft, die die Wiener mit 4:1 aus dem Bewerb schoßen. Die Tore erzielten Bruckhoff (2), Strobl sowie der Wiener Sara per Eigentor. Schiedsrichter war übrigens der Herr Mathias.
Zweitdivisionär Oberwart führte bei seinem Cupspiel in Krems zur Pause mit 2:1, musste dann aber nach einem 2:4 mit hängenden Köpfen die weite Heimreise antreten.

Nach diesem intensiven Cup-August war dann einmal für ein gutes halbes Jahr Pause, denn wie üblich wurde das Achtelfinale im März ausgetragen. Das Los entschied, dass der Angstgegner des SCE, Austria Salzburg, ins Lindenstadion kommen soll.

Die Salzburger Austria lockte dann schon etwas mehr Leute hinterm Ofen hervor, denn gut 1,500 sollen anwesend gewesen sein.

Das Duell mit den Salzburgern wurde ein wahrer Krimi. Nach 90 und auch nach 120 Minuten stand es 0:0, wodurch es zum Elfmeterschießen kam. 16 Penalties wurden getreten. Am Ende stand es 6:5 für den SC Eisenstadt, der nun im Viertelfinale stand, wo er es mit dem SK Rapid zu tun bekam, dem er erst drei Tage vor dem Spiel gegen Salzburg ein 1:1 im Weststadion abknöpfte, wo die Wiener wiederum erst kürzlich Dynamo Dresden im Cup der Cupsieger 5:0 besiegten.

Das Viertelfinale fand eine Woche später im Lindenstadion statt. Knapp 7.000 Zuschauer machten eine tolle Stimmung und sahen, dass der SCE eine tolle Leistung gegen den Favoriten bot. Rapid wankte, fiel aber nicht und konnte schlußendlich über einen glücklichen 1:0-Sieg und den Einzug ins Halbfinale jubeln. Rapid gewann dann auch das Finale gegen die Austria im Elfmeterschießen.

Für den SCE war dies das letzte Cup-Viertelfinale seiner Geschichte. Es war aber nicht das letzte „große“ Cup-Spiel, denn in den darauffolgenden Jahrzehnten gab es die ein oder andere Begegnung, die wahren SCE-Fans immer in Erinnerung bleiben werden.

Diese sind unter anderem:
1996/97: 3:1-Heimsieg über Zweitdivisionär SV Stockerau sowie die darauffolgende 1:4-Heimniederlage gegen Zweitdivisionär SV Gerasdorf.

1997/98: Diesmal wurde Zweitdivisionär SV Gerasdorf 2:0 besiegt – Tore von Dosti und Leonhardsberger.

1998/99: Wer kann den 2:1-Sieg über Erstdivisionär SK Vorwärts Steyr je vergessen? Die Tore schoßen Leonhardsberger sowie Burgemeister!
Und auch die 1:6-Niederlage in der nächsten Runde gegen den GAK bleibt trotz der vielen Gegentore unvergessen, führte der SCE doch durch ein Tor von Leonhardsberger mit 1:0.

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