Stiller Zeuge bricht sein Schweigen!

Hallo! Ich bin ein Pokal, der jahrelang irgendwo im Clubhaus des SC Eisenstadt stand. So wie ich kaum angeschaut wurde, entschwindet schön langsam jener Verein, der mich einst gewann, aus den Köpfen der Menschen in der Landeshauptstadt… Doch nun will ich meine Geschichte erzählen!

Ich bin einer jener Pokale, die beim Wiener Stadthallenturnier der Saison 1980/81 vergeben wurden. Zugegeben, ich bin nicht gerade eine Pracht. Eine Vase aus Pressglas, die auf einem hölzernen Sockel ruht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich bin ein Teil der Geschichte des SCE, denn er nahm mich mit nach Hause ins Lindenstadion.

Als das Turnier kurz nach Weihnachten begann, wusste ich aber noch nicht, welcher der acht Vereine mich bekommen würde. Der vorwiegend „erwünschte“ Pokal war ich jedenfalls nicht, denn mir wurde die Ehre zu teil, dem Vorletzten überreicht zu werden.

Wie nun aber schon bekannt ist, bekam mich der SC Eisenstadt und der begann das Turnier mit dem Spiel in der Gruppe A gegen die Wiener Austria. Nach 20 Minuten stand es vor gut 7.000 Hallenbesuchern 3:3, doch am Ende jubelten die Veilchen über einen 8:3-Erfolg. Nur an SCE-Keeper Brenninger lag es, dass es kein zweistelliges Debakel setzte.

Das erste Spiel am zweiten Turniertag trug der SCE gegen den I. Simmeringer SC aus. Die Frage nach dem schwächsten Turnierteilnehmer wurde in dieser Partie aber nicht ganz geklärt, denn die Partie endete 4:4 unentschieden. Einem sehr dürftigen Hallenkick drückte hierbei der Simmeringer Dötzl seinen Stempel auf, denn ihm gelangen innerhalb von sechs Sekunden zwei Tore. Eines für seine Simmeringer und eines – per Eigentor – für den SCE. Die übrigen SCE-Torschützen waren Füzi, Schneider sowie der lange Ungar mit dem kurzen Namen – Kü.

Das nächste Spiel begann der SCE wie aus der Pistole geschoßen, gelang doch Erwin Schneider schon in Minute Eins der Treffer zum 1:0 für die Burgenländer. In der 15. Minute trug sich auch wieder Lajos Kü in die SCE-Schützenliste ein, doch da dazwischen und auch danach das ein oder andere Tor für Admira Wacker fiel, verließ der SCE als 2:10-Verlierer das Parkett der Stadthalle.

Die Gruppe A wurde somit von der Austria mit sechs Punkten gewonnen. Ihr folgten ins Halbfinale die Südstädter mit vier Punkten. Dritter wurde der I. Simmeringer SC mit einem Punkt und einem Torverhältnis von -4 und an vierter und letzter Stelle reihte sich der SCE ein, ebenfalls mit einem Pünktchen aber mit einem Torverhältnis von -13!

Die Gruppe B wurde von den Rapidlern mit vier Punkten gewonnen, dahinter die punktegleichen Teams vom Wiener Sport-Club sowie der „Old Stars“ (das Torverhältnis sprach für den Sportklub – äh meine natürlich Sport-Club, der in den Printmedien als „Sportklub“ geführt wurde). Letzter der Gruppe B wurde der First Vienna Football Club mit zwei Punkten.

Dann wurde die Halle erst einmal dicht gemacht. Der Jahreswechsel stand an und ich stand zusammen mit den anderen Pokalen in einem Kammerl herum, bis das Turnier am 3. Jänner 1981 wieder fortgeführt wurde.

Mein späterer „Besitzer“ musste im „Unteren Play-Off“ um die Ehre sowie die Plätze Fünf bis Acht spielen.

In der ersten Runde kam es zum Duell mit den Old Stars, das die alten Herren glatt mit 3:0 gewannen. Im zweiten Spiel siegte die Vienna gegen Simmering 7:1.
Ausgerechnet gegen diese Vienna gelang dann dem SCE der erste Turniersieg. Erwin Schneider schoß drei Tore, Franz Zach zwei und eines Lajos Kü. Da die Blau-Gelben nur zweimal trafen, siegte der SCE mit 6:2.
Simmering unterlag den Old Stars mit 2:5.

Doch anstatt den Schwung vom Sieg gegen die Vienna auch ins Duell mit dem punktelosen Letzten mitzunehmen, zeigte der SCE gegen die Simmeringer wieder eine matte Leistung. Zwar fanden die Landeshauptstädter gute Torchancen vor, vergeigten diese aber. Einzig zwei Tore wollten ihnen gelingen (Schneider, Zach), Simmering aber netzte fünfmal ein.

Doch der SCE hatte Glück, Simmering blieb in Sachen Torverhältnis hinter den Eisenstädter, die somit Siebter wurden, mich dadurch „gewannen“ und mit ins Burgenland nahmen.

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