Wenn einer eine Reise tut,…

…dann kann er was erzählen. So sagte schon der deutsche Dichter Matthias Claudius – mit dem Zusatz: Drum nehme ich den Stock und Hut und tät das Reisen wählen.

Eine Reise, von der man ordentlich zu erzählen hatte, unternahm auch der SCE im Rahmen der Vorbereitung auf die Frühjahrssaison 1983.
Trotz einiger verletzungsbedingter Ausfälle belegte der SCE in der Herbstmeisterschaft 1982 den ausgezeichneten sechsten Rang (5 Siege, 7 Remis, 3 Niederlagen) der Sechzehnerliga.

Um die Rückrunde mit dem richtigen Elan bestreiten zu können, sollte die Mannschaft verstärkt und gut auf das Frühjahr vorbereitet werden.

Ein Manager bot den Landeshauptstädtern einen Südamerikaner an, und ließ über den Argentinier ausrichten, dass er ein Künstler sei. Der gute Herr Camtedo soll sogar 1978 in Argentiniens Weltmeisterschaftsaufgebot gestanden haben.
Also entweder hatte er damals einen anderen Namen, denn heutzutage ist es ja nicht so schwer, den WM-Kader Argentiniens von 1978 auszuforschen (wo der gute Herr nicht zu finden ist), oder er war der Zeugwart des Teams.

Jedenfalls machten sich zwei SCE Funktionäre auf den Weg nach Spanien, um den Spieler zu beobachten. Dieser konnte die Vorstellungen aber in keiner Weise erfüllen, so dass es zu keiner Verpflichtung kam.

In erster Linie, so hieß es, sei man aber wegen eines Trainingscamps in Spanien gewesen, das auch über diesen Manager fixiert wurde. Der SCE werde Quartier im „Deutschen Haus“ in Alicante beziehen und die Kosten von ÖS 250.000,- durch vier Spiele in Alicante, Ibiza und Mallorca decken.

Am 14. Februar fand aber erst einmal der SCE-Ball in der auch schon zur Geschichte gewordenen Georgihalle statt, ehe es dann bald auf nach Spanien ging.

Die „BF“ berichtete später: „Spanienaufenthalt des SCE unter keinem guten Stern – Eine Woche ohne Spiele“
Das Trainingscamp des burgenländischen Erstdivisionärs SC Eduscho-Eisenstadt steht unter keinem guten Stern. Was vorerst nicht nur als eine ideale Vorbereitung auf die Meisterschaft, sondern auch als ein gutes Geschäft schien, droht zu einer finanziellen Pleite zu werden. Bisher konnten nämlich noch keine Spiele, mit denen die Kosten eingespielt werden sollten, ausgetragen werden.
Als man SCE-Trainer Sepp Schneider den Abschluß eines 14tägigen Trainingslagers im spanischen Alicante seitens der Vereinsleitung zur Kenntnis brachte, war er hell begeistert. „Wir werden das Trainingscamp dazu benutzen, nicht nur unsere Kondition noch zu verbessern, sondern auch die spielerischen Aspekte zu verfeinern“, meinte damals der Coach.
„Da wir im Rahmen des Trainingslagers auch noch vier Spiele gegen renommierte Klubs, die uns Manager Gartner vermittelte, austragen werden, besteht die Möglichkeit, die Form an Ort und Stelle zu überprüfen“, so damals noch der Trainer.
In der Zwischenzeit dürfte Schneider seine Meinung doch um einiges revidiert haben. Zwar sind die Trainingsbedingungen der Eisenstädter im Gegensatz zum Herbstmeister der 2. Division, Bregenz/Dornbirn, der sich ebenfalls in Spanien aufhält und auf einem richtigen Krautacker sein Pensum absolvieren muß, gut, doch konnte in der ersten Woche noch kein einziges Spiel bestritten werden.
„Manager Gartner hat uns hier mächtig hinters Licht geführt“, meint SCE-Klubsekretär Heinz Bommersbach. Um den Spielern doch noch etwas mehr Bewegungstherapie zu verordnen, wurde für Sonntag ein Match gegen Bregenz/Dornbirn vereinbart, das nach zweimal 30 Minuten 0:0 endete.
hatte man die Reise in den sonnigen Süden mit der Aussicht angetreten, daß die Kosten des Trainingslagers mit vier Spielen hereingespielt werden und zusätzlich noch ein kleiner Reingewinn herausschauen könnte, kann man jetzt schon sagen, daß es damit nichts wird. Für morgen Donnerstag steht zwar ein Spiel gegen den spanischen Zweitdivisionär Herkules Alicante auf dem Programm, doch ist kaum anzunehmen, daß mit diesem Spiel die vollen Kosten des 14-Tage-Aufenthalts gedeckt werden können.
Übrigens: Auch Wacker Innsbruck, das vor den Eisenstädtern in Alicante logierte, soll es nicht besser ergangen sein.
Das Training selbst verläuft programmgemäß, doch waren Ausfälle zu verzeichnen. Hans Füzi, Peter Müller, Wolfgang Bauer und Ossi Steiger litten an einer Darminfektion und konnten zeitweise das Übungsprogramm nicht mitmachen. Die Rückreise ist für Sonntag, den 6. März, fixiert.

In der zweiten Woche des Trainingslager konnten dann doch noch weitere Spiele ausgetragen werden: Zuerst gab es ein 2:2 gegen den First Vienna Football Club (Letzter der 1. Division), dann ein 2:1-Sieg über Alicante CF (in der dritten Leistungsstufe spielender Stadtrivale von Herkules Alicante). Dann folgte ein 5:0-Sieg über San Juan (eine kleine Ortschaft nahe Alicante) und im letzten Spiel setzte es eine 1:3-Niederlage gegen den Tabellenführer der 3. Division, Elta (wahrscheinlich Castillo de Elda CF. Elda – mit d – ist eine kleine Stadt neben Alicante, die Ligazugehörigkeit sowie die Tabellenposition kann ich nicht bestätigen).

Ja, außer Spesen nichts gewesen…

Faksimile – BF-Onlinearchiv:

Im Dezember 1984 wurde dem SCE eine Südamerikatournee angeboten, welche vom 29. Jänner bis 15. Februar 1985 dauern sollte und Spiele in Caracas (Venezuela), Bogota (Kolumbien), Santiago de Chile (Chile, no na!), Lima (Bolivien) und in Ekuador beinhalten sollte.
Seit dem „Spanien-Abenteuer“ sind die SCE-Funktionäre allerdings vorsichtig geworden… und schlußendlich wurde der Vertrag nicht unterzeichnet.

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