50 Faß Bier und 3.000 Knackwürste (1968)

Ein Bericht über das Saisonende 1968 sowie einem anschließenden Freundschaftsspiel gegen einen europäischen Top-Klub.

Im Rahmen der 25. Meisterschaftsrunde gastierte der Wiener Sport-Club als letzter Gast im Eisenstädter Lindenstadion, das mit knapp 6.000 Zuschauern gut gefüllt war. Gegen den Vierten der Nationalliga, die sich nicht mehr besonders anstrengten, gab es aber dennoch nichts zu holen.
Vor dem Spiel wurden noch beide Mannschaften mit Blumen und Geschenkskörben geehrt, ehe in dieser niveauarmen Partie die Tore in den ersten 45 Minuten fielen: 0:1 durch Hörmayer (18.), 0:2 durch Hof (36. Minute) und der Ehrentreffer für die in Blau-Schwarz (!) spielenden Eisenstädter gelang Solleder in der 38. Minute. Danach scheiterte der SCE an WSC-Goalie Willi Kaipel.

Faksimile – BF-Onlinearchiv: SCE vs. WSC

Vor der letzten Runde lag der SCE an zehnter Stelle der Vierzehnerliga. Abstiegssorgen wären noch berechtigt gewesen, hätte es drei Absteiger gegeben, doch, da die Liga in der kommenden Saison aus fünfzehn (!) Vereinen bestehen sollte und mit dem First Vienna FC 1894 sowie der WSG aus Radenthein die beiden Absteiger schon feststanden, war der SCE schon längst gerettet.

Also machte sich der SCE auf nach Kärnten, um das letzte Saisonspiel zu bestreiten. Beachtiliche 3.000 Zuschauer kamen ins Stadtstadion des Teams der österreichisch-amerikanischen Magnesitwerke und sahen, nachdem ein regulärer Treffer von Komanovits aberkannt wurde, ein torloses Remis.
Der SCE blieb dank des einen Punktes und der Niederlage Salzburgs in Bregenz auf Platz Zehn.

Faksimile – BF-Onlinearchiv: Der SCE in Radenthein

Zu dieser Zeit wurde auch die Austragung des Freundschaftsspieles gegen einen ganz berühmten Verein bekannt gegeben: Der SCE würde am 26. Juni 1968 im Lindenstadion auf den AC Sparta Prag treffen!

In der Saison 1967/68 musste sich der AC Sparta Prag in der Meisterschaft zwar dem FC Spartak Trnava geschlagen geben, der die achtjährige Vorherrschaft der Prager Klubs Dukla und Sparta brach, doch dafür zeigten die Spartaner im Europapokal der Landesmeister gehörig auf (den nächsten Meistertitel – nach 1966/67 – sollten sie aber erst wieder unglaubliche 17 Jahre später (1983/84) erringen).

In der ersten Runde des Landesmeister-Cups gewann die Sparta in Norwegen gegen Skeid Fotball aus Oslo mit 1:0, das Rückspiel endete 1:1.
In Runde Zwei traf Sparta Prag auf den RSC Anderlecht und gewann in der Goldenen Stadt mit 3:2. In Brüssel ging das muntere Toreschießen weiter – Endstand 3:3 – Sparta Prag stand im Viertelfinale. Man wartete gespannt auf die Auslosung. Die möglichen Gegner hießen Eintracht Braunschweig, Juventus Turin, Manchester United, Górnik Zabrze, Vasas Budapest, Real Madrid und Benfica Lissabon.

Das Los entschied auf die Königlichen aus Madrid. Zum Hinspiel reiste der AC Sparta Prag also nach Kastilien, wo es aber ein ernüchterndes 0:3 zu verdauen gab. Daheim in Böhmen konnte zwar 2:1 gewonnen werden, doch das war natürlich für den Einzug ins Halbfinale zu wenig. Ach ja, das Finale gewann Manchester United gegen Benfica Lissabon mit 4:1 nach Verlängerung.

Anstatt im Londoner Wembley-Stadium vor gut 100.000 Menschen das Finale des Europapokals der Landesmeister zu bestreiten, kam der AC Sparta Prag nun zu einem Spiel ins Eisenstädter Lindenstadion.

Zuvor wurde aber noch ordentlich geprobt: Der SCE bastelte schon an der Mannschaft für die kommende Nationalliga-Saison, die sicher nicht einfacher als die eben Abgelaufene sein würde – und es auch war!
Der SCE begab sich nach Neufeld, wo es zu Landesliga- und Regionalliga-Zeiten immer zu heißen Duellen kam, und von wo sie den Spieler Géza Gallos eben erst verpflichtet haben.
600 Zuschauer bekamen ein interessantes Spiel zu sehen:

Die BF berichtete: Schwer zu kämpfen hatten die Hauptsädter, um gegen den ambitioniert spielenden Landesligaklub zu einem knappen Erfolg zu kommen. In dem als Ablösespiel für Gallos vorgesehenen Treffen probierten beide Teams neue Spieler aus. Eisenstadt trat mit Philiph (Hannersdorf) als Linksaußen an. Neufeld setzte den Niederösterreicher Wutsch und zwei Tschechen, Milan und Ballo, ein. Die beiden Namen für die CSSR-Spieler sind allerdings nur Pseudonyme, in Wirklichkeit heißen sie anders.
Die Gastgeber hatten einen ausgezeichneten Start und gingen auch durch Gallos 1:0 in Führung. Schorn mußte sein ganzes Können aufbieten, um weitere Verlusttreffer zu vermeiden. So machte er in den ersten 20 Minuten drei prächtige Chancen der Gastgeber zunichte.
Eisenstadt gelang durch ein Tor von Granabetter und einen Treffer von Philiph, der recht brav spielte, eine Pausenführung, an der sich auch bis zum Schluß nichts ändern sollte.

Im selben Atemzug wurde angekündigt: (BF) Volksfest im Lindenstadion mit Freibier und Würsteln!
Mit Freibier und Würsteln für alle Fans stattet der SC Eisenstadt am kommenden Mittwoch im Freundschaftsspiel gegen den tschechischen Weltklasseklub Sparta Prag den Dank an seine treuen Anhänger ab. Ein Volksfest à la Rapid, das um 17:45 Uhr mit Eisenstadt 1b gegen Steinbrunn beginnt, und um 19:30 mit Eisenstadt gegen Sparta Prag seinen Höhepunkt findet.
Sparta Prag kommt mit allen Kanonen. Die Torleute Kramerius und Kouba, Tichy (30facher Teamspieler), Dyba (5), Pospichal (22, den die Hauptstädter kaufen wollen!), Mraz (von Rapid umworben), Kvasnak (46 Teamspiele!), Jurkanin, Masek, Vrana. Eine Bombenmannschaft, die Weltklasse darstellt. Sparta Prag ist zehnfacher CSSR-Meister und dreifacher Mitropacupsieger.
Eisenstadt wird dieses Treffen mit seiner stärksten Aufstellung bestreiten. Nach der Pause wollen die Hauptstädter auch den neuverpflichteten Gallos einsetzen.
Mit einem Satz: Ein Besuch im Lindenstadion am kommenden Mittwoch dürfte sich lohnen (nicht allein wegen dem Freibier und der Würsteln!).

Vor dem großen Spiel testete der SCE noch bei der Zistersdorfer Festwoche und konnte gegen die Gastgeber – vor gut 1.500 Zuschauern – 9:0 gewinnen. Währenddessen spielte der kommende SCE-Spieler Géza Gallos noch für seine Neufelder in der Landesliga und sorgte für einigen Wirbel, da er auch für die Admira einen Anmeldeschein unterschrieben hatte.

Am 26. Juni 1968 um 17:45 Uhr, als das Landesliga-Spiel (außer Konkurrenz) SCE 1b vs. Steinbrunn angepiffen wurde, dürfte schon vielen der Magen geknurrt haben, denn das Vorspiel zum internationalen Kampf gegen Sparta Prag verfolgten schon gut 1.800 Zuschauer. Es wurde hierbei zwar keine hochklassige Begegnung geboten, dennoch konnten die Zuschauer zufrieden sein. Eisenstadts Reservisten kamen zu einem glücklichen, aber durchaus nicht unverdienten 2:0-Erfolg. Die 1b des SC Eisenstadt führte die inoffizielle Tabelle der Landesliga mit 40 Punkten vor dem SC Oberwart (36 Punkte) überlegen an. In der offiziellen Tabelle war der SC Oberwart aber eine Runde vor dem Ende der Meisterschaft mit 35 Punkten bereits burgenländischer Landesmeister, da die Verfolger Steinbrunn sowie der ASK Oberwart „nur“ 30 Punkte auf dem Konto hatten.

Dann, um 19:30 Uhr, pfiff Referee Niesner das Spiel an. Knapp 5.000 Zuschauer verfolgten die Partie gegen Sparta Prag, die ab der 18. Minute unter dem Schein der Flutlichter ausgetragen wurde. Dabei wurden 50 Faß Bier und 3.000 Knackwürste an die Besucher ausgegeben – was die übrigen 2.000 zu Essen bekamen, konnte nicht recherchiert werden…

Über das Spiel: (BF)
Sparta präsentierte Klassefußball. Géza Gallos feierte guten Einstand.
Applaus auf offener Szene für den Gegner, das hat es in Eisenstadt schon lange nicht gegeben. Vergangegen Mittwoch blieb den rund 5.000 Zuschauern, die sich vor dem Spiel mit Freibier und Knackwürsten kräftig gestärkt hatten, aber nichts anderes übrig. Mit Sparta Prag gastierte im Lindenstadion eine Klassemannschaft, wie man sie bisher im Burgenland noch nicht gesehen hatte. Die herrlichen Spielzüge, die gekonnten Passes und die kernigen Schüsse der Prager ließen selbst die größten Fans die Enttäuschung über die 1:5-Niederlage der Hauptstädter vergessen.
„Gegen diese Mannschaft zu verlieren, ist keine Schande!“, äußerte man sich bei den Eisenstädtern nach dem Spiel. Außer eventuell Rapid und der Austria, hätte kein österreichischer Klub eine Chance gegen Sparta Prag. Perfektionierter Fußball, gewürzt mit technischen Einlagen, produzierten Kvasnak & Co.
Eienstadt bot in der ersten Hälfte eine durchaus respektable Leistung. Positivste Erscheinung war das, man kann sagen, sehr gute Debüt des neuverpflichteten Géza Gallos. Der Neufelder fügte sich gut in die Eisenstädter Mannschaft ein und bedeutet ohne Zweifel eine große Verstärkung. Vor der Pause lieferte Eisenstadt den Gästen einen erbitterten Widerstand, wobei besonders der Angriff gut gefallen konnte. Leider fehlte in dieser Zeit der Spieler, der kaltblütig die herausgearbeiteten Torchancen zu nützen verstand.
Nach Seitenwechsel diktierten die Prager das Geschehen und kamen zu einem eindeutigen Sieg, der ohne Zweifel noch höher ausgefallen wäre, hätte nicht Schorn oftmals Retter in letzter Not gespielt. Bezeichnend für die Überlegenheit der Gäste, daß Eisenstadt nach der Pause keine reele Torchance hatte.
Außer dem bereits erwähnten Schorn, verdienen Schmidbauer, Granabetter (schwaches Zuspiel!), Eisele und Gallos gute Zensuren. Ganz enttäuschend: Leskovich. Bei Sparta gefiel die gesamte Mannschaft. Herausstechend noch Kvasnak (bester Mann am Platz), der technisch brillante Jurkanin, Taborsky, Mraz und Vrana.

Übrigens: Den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich erzielte Alfred Eisele per Foulelfmeter in der 43. Minute.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 60er-Jahre veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.