Pfingsten 1948

EIN STERN FIEL VOM HIMMEL!
1948 wurde in der Landeshauptstadt das 300jährige Jubiläum der Erhebung zur königlichen Freistadt gefeiert. Wie schon in den Jahrhunderten davor und den Jahrzehnten danach auf dieser Welt, zeigte sich die Politik gerade bei feierlichen Anlässen sehr volksnah und so geschah es auch , dass die Stadtgemeinde zu Pfingsten 1948 den Pokal stiftete, den der Sieger des Turniers des SC Eisenstadt, das natürlich zu Ehren der 300jährigen Bestandsfeier der Freistadt Eisenstadt abgehalten wurde, überreicht bekam.

Neben dem Veranstalter, dem Klub der Landeshauptstadt, nahmen noch der SV Stöttera, der ASV Stinkenbrunn (heute Steinbrunn) sowie das Team von Postsport Wien an diesem Turnier teil.

Die Semifinal-Spiele wurden am Pfingstsonntag vor gut und gerne 2.000 Zuschauern am Eisenstädter Sportplatz (ungefähr dort, wo heut‘ die Firma Isosport steht [wenn ich mich nicht irre]) ausgetragen. Den Anfang machte das Spiel zwischen Postsport Wien und dem SV Stöttera. Die Teams liefen unter strahlendem Wetter ein, nahmen Aufstellung und lauschten der Ansprache von Stadtrat Schneider.
„Seitens des Sportclub Eisenstadt gab Herr Wimmer erläuternd Ausdruck über Sinn und Zweck dieser Veranstaltung“, so die BF damals.
Die Gäste aus der Bundeshauptstadt begannen das Spiel auf lässige Art und glaubten, dieses wohl im Stehen gewinnen zu können. Das Team aus Stöttera passte sich dem aber nicht an und spielte munter auf. Nach 20 Minuten stand es noch 0:0. Die Postler erkannten nun, dass sie weit mehr für das Spiel tun müssen, damit es ihnen nicht gänzlich aus der Hand gleitet.
Nun gab es auf beiden Seiten Stangenschüße zu sehen und die Tormänner hatten auch reichlich Glück, denn hie und da zeigten sich bei den zwei Schlußleuten Unsicherheiten. Die Stötteraner setzten nach, ihr Eifer wuchs und wurde schließlich auch mit dem Führungstreffer belohnt! Pausenstand: 1:0 für Stöttera.
Die Burgenländer dürften damit aber schon ihr ganzes Pulver verschossen haben, denn nun drückten die Postler und stopften die Bälle wie Briefe ins Tor der Stötteraner. Post spielte in der Folge mit seinen Gegnern Katz und Maus und siegte klar mit 6:1. Ein aus gut 35 Metern getretener Freistoß, der im rechten Kreuzeck landete, war eines der Highlights.

Dann kam der SCE aufs Feld, der es – wie oben schon erwähnt – mit dem ASV Steinbrunn ähh, ich meine mit dem damals noch als ASV Stinkenbrunn genannten Klub zu tun, der ja auch ein alter Meisterschaftsrivale des SCE war. Dabei konnten die Hauptstädter für die in der Meisterschaft erlittenen Niederlagen tüchtig Revanche nehmen.

Die BF berichtete: Das Los wird gezogen, Stinkenbrunn gewinnt und spielt mit der Sonne im Rücken. Mit viel Schwung und Elan beginnt das Spiel. und beide Mannschaften kämpfen mit weit größerem Einsatz und Spielfreude als ihre Vorgänger. Stinkenbrunn drückt mächtig aufs Tempo und bedroht sichtlich das Gehäuse der Hauptstädter. Die Hintermannschaft ist aber wunderbar in Fahrt und versteht jede Situation zu meistern. In dieser Zeit ist es besonders der alte Fraß, der mit Ruhe und alter Kampferfahrung seinen Gegner begegnet. Die Uhr zeigt bereits die 25. Minute und noch immer rollt Angriff auf Angriff gegen das Tor der Hauptstädter, deren Glück ihnen jetzt Torhüter steht. Ein Bombenschuß des Rechtsverbinders knallt an die untere Kante der Querlatte und schon sieht alles Tor. Doch nein, der Tormann kommt während dem Sprung zur Fallbewegung und gibt seinem Körper eine Drehung, der Ball kommt, von der Latte abspringend, auf den Rücken des Tormannes und von dort ins Spielfeld, wo ihn der Verteidiger aus der Gefahrenzone befördert.
Der Schiedsrichter läßt weiterspielen, obwohl viele mit dieser Entscheidung nicht einverstanden sind. Dies hätte vielleicht dem Spiel eine entscheidende Wendung gegeben. Stinkenbrunn, dadurch etwas deprimiert, wird zerfahren und läßt sichtlich in der Leistung nach. Eisenstadt hingegen erfaßt dies und beginnt sich zu entwickeln. Der Internationale Fleck, zu seiner alten Form aber noch immer nicht zurückgefunden, bemüht sich, durch brauchbare Vorlagen System in den Angriff zu bringen. Hier jedoch landet der Ball an einer Klagemauer. Pfann als Angriffsführer leidet sichtlich an einer Verletzung, die es ihm nicht ermöglichte, seine beiden Nebenmänner auch nur ein einziges Mal richtig einzusetzen. Außerdem wußten sie mit den ihnen zugespielten Bällen nichts anderes anzufangen, als zu den Wolken zu senden.
Csini, der alte Internationale, stand mehr am Abstauber als im Spielgeschehen. So war nur mehr Rippel am linken Flügel, den man als vollwertigen Stürmer bezeichnen konnte. Er war es auch, der den ersten Tortreffer einleitet, so daß Cini aus seiner üblichen Abseitsstellung zum ersten Tor einsenden konnte. Dazu sei betont, daß dies eine Leistung war, die so schnell kein Zweiter nachmacht. Jetzt haben die Hauptstädter Lunte gerochen und schon klingelt es zum zweitenmal im Gehäuse der Stinkenbrunner. 2:0 steht es und kurz darauf geht es in die Halbzeit. Eisenstadt beginnt nun ihrerseits das Tempo zu diktieren und läßt ihren Gegner nicht mehr zu Wort. Hier ist es die Halfreihe, die den Sturm mit brauchbaren Bällen überfüttert. Der Sturm kann sich aber noch immer nicht finden und verzettelt seine Kräfte in nutzlosen Dribbeleien. Anstatt sechs gibt es eben nur noch zwei Treffer. Eisenstadt scheint sich damit zu begnügen und geht in die Defensive. Eine grobe Unsportlichkeit, die sich der ansonsten so ruhige und vorbildliche Sportler Georg Fuhrmann zuschulden kommen ließ, veranlaßte seinen Ausschluß, und schon konnte kurz darauf Stinkenbrunn ein Tor aufholen.
Zum Glück ging es aber dem Ende zu, und Eisenstadt ging als vielumjubelder, doch nicht als überzeugender Sieger hervor.

Am Pfingsmontag fanden dann die Finalspiele statt. Den Anfang machte das Spiel um Platz Drei. Die beiden Teams von Stinkenbrunn und Stöttera liefen auf den Platz, begrüßten die Zuschauer, nahmen Aufstellung und schon ertönte der Pfiff des Schiedsrichters. Beide Teams zeigten, dass keiner Letzter dieses Turnieres werden wollte, doch zur Pause stand es noch 0:0. In der zweiten Halbzeit fielen dann auch endlich Tore – drei Stück an der Zahl, von denen Stöttera zwei, Stinkenbrunn eines erzielte.

Es folgte das große Finale! Die BF berichtete darüber:
SC Eisenstadt gegen Postsport Wien 3:0 (1:0)
Mit Spannung erwartet das Publikum das Hauptspiel und, wie man vielerseits hört, räumt man den Heimischen sehr wenig Erfolgsaussichten ein. Doch man höre und staune. Ein Stern fiel vom Himmel.
Die Eisenstädter waren nicht zu erkennen. Sie legten ein Spiel hin, das Freund und Feind anerkennen mußte. Einzelne hiebei besonders zu loben wäre nicht am Platze, da alles von einem Willen, und zwar dem Willen zum Sieg getragen war.
Anders hingegen war es bei den Gästen. Sie kamen bei weitem nicht an die Leistung vom Vortag, machten einen ermüdeten Eindruck und glaubten obendrein, den Pokal schon in ihrer Tasche, so wie sie das Spiel im Stehen spielen wollten wie am Vortage. Als es ihnen aber zu Bewußtsein kam, daß dies mit Eisenstadt nicht möglich ist, war es zu spät und mit ihren Kräften am Ende. Der Spielverlauf beginnt sofort mit rassigen Angriffen der Eisenstädter, die bereits in der zweiten Minute den Führungstreffer erzielen. Martetschläger am linken Flügel erhält den Ball, überspielt elegant den half und Verteidiger, flankt zur Mitte, wo der flinke Cini das Leder erhascht und kurz entschlossen einsendet. Großer Jubel begleitet den Treffer. Von da ab feuern die Zuseher mächtig ihre Spieler an, die als Dank dafür immer mehr und mehr schöne Angriffe vor das Tor der Postler tragen. Mit 1:0 aber werden die Seiten gewechselt und die Heimischen kämpfen noch aufopfernder als bisher.
Kaum vergehen 10 Minuten, als sich der zweite Treffer einstellt. Leo Fuhrmann wurde von seinen Kameraden aufs herzlichste beglückwünscht. Der Jubel aber hat sich noch kaum gelegt, als in der 17. Minute Pfann mit einem herrlichen Schuß den Stand auf 3:0 setzte. Postsport gibt sich nun scheinbar geschlagen und kann bei einzelnen Durchbrüchen, die von der eisernen Abwehr der Heimischen aber mit Sicherheit abgewehrt werden, zu keinem Erfolg mehr kommen.
Schiedsrichter Stary leitete das Spiel einwandfrei, und die ihm vom Obmann der Postsportler gemachten Vorwürfe entbehrten sichtlich jeder Grundlage. Sie können eher als kleinlich bezeichnet werden.
Abschließend hielt Bürgermeister Fleck eine Ansprache an die Mannschaften, dankte für ihren ritterlichen Kampf und überreichte dem Kapitän der Sieger, Herrn Fraß, unter großem Jubel der Zuschauer den Pokal.

Den Schwung aus diesem Pokalturnier nahm der SCE auch gleich ins nächste Meisterschaftsspiel gegen den alten Rivalen aus Neufeld mit, den sie seit 1945 nicht mehr besiegen konnten, und gewannen glatt mit 4:0!

Faksimile – BF-Onlinearchiv: Tabellenstand per 30. Mai 1948

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