Jour ordinaire (1969)

Die 19. Minute: Varga bekommt im Strafraum den Ball, dreht sich um, läuft noch einige Schritte zurück und kanoniert den Ball in die Maschen. Großer Jubel im Lindenstadion, ebenso nach 90 Minuten!

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Was war geschehen?
Zunächst mal der Reihe nach: Die zweite Nationalliga-Saison des SC Eisenstadt bog in die Zielgerade ein und für Burgenlands Flaggschiff im nationalen Fußball schaute es ganz und gar nicht gut aus.

Der SCE steckte tief im Abstiegssumpf der Nationalliga fest. Da der WSV Donawitz schon als Absteiger feststand und die 15er-Liga in der kommenden Saison zu einer 16er-Liga werden sollte, wollte natürlich niemand auf dem vorletzten Rang der Tabelle landen. Um den Klassenerhalt kämpften, kratzten und bissen damals noch vier Mannschaften. Die besten Karten hatte der SC Wacker mit 22 Punkten, dahinter lag SW Bregenz mit 21 Punkten (aber mit einem Spiel mehr auf dem Buckel), gefolgt von der WSG Wattens mit 19 Zählern und am schlechtesten sah es für den SC Eisenstadt aus, der mit 17 Punkten auf dem ungeliebten 14. Platz lag.

Bitter dabei war, dass der SCE gerade erst bei Admira-Energie in der Südstadt ein 1:1 holte ABER der SK Rapid daheim (!) gegen den Nachzügler aus Wattens mit 0:2 verlor – weshalb natürlich so manche Frage zu diesem Spiel gestellt wurde…

Am 11. Juni 1969 war dann der SK Rapid zu Gast im Lindenstadion. Das Spiel wurde damals sogar live im TV übertragen.
Vor knapp 8.000 begeisterten Zuschauern bot der SCE eine seiner besten Saisonleistungen. Und das obwohl der scheidende Meister dank der Treffer von Bjerregaard und Kaltenbrunner schon mit 2:0 führte! Leskovich und das Geburtstagskind Komanovits konnten für den SCE noch ausgleichen.
Endstand 2:2 und nun musste der SCE zum auf Platz Zwei liegenden Wiener Sport-Club nach Dornbach. Die Mannschaft kämpfte, musste aber dem kräftezehrenden Spiel gegen Rapid Tribut zollen. Dreimal traf der WSC nur das Holz des von Schorn gehüteten SCE-Tores. In der 56. Minute stockte allen der Atem, denn Solleder stand plötzlich frei vor WSC-Keeper Willi Kaipel, konnte sich die Ecke aussuchen, schoß aber am Tor vorbei.
Das Spiel endete 0:0 und nachdem Wattens in Linz beim LASK 0:2 verlor und der GAK daheim gegen Bregenz 2:0 gewann, kam es in der allerletzten Runde zum Überlebenskampf:

12. SW Bregenz – 21 Punkte
13. WSG Wattens – 20 Punkte
14. SC Eisenstadt – 19 Punkte

Es war der 21. Juni 1969, als die letzte Nationalliga-Runde ausgetragen wurde. Für den SCE gab es zugleich eine Hiobsbotschaft, denn nun gesellte sich auch Tormann Schorn zur langen Verletztenliste, auf der noch Schreitl, Schmiedbauer, Granabetter, Pogats und Tometits II standen. Zudem war Alfred Eisele gesperrt.

An die 5.500 Zuschauer waren im Lindenstadion anwesend von denen einige ihr Transistorradio mitgenommen hatten, um der Berichterstattung von den anderen Liga-Schauplätzen zu lauschen. Die Stimmung im Schloßpark selbst war eher gedrückt.
Schon nach sieben Minuten wurde es noch stiller, denn das Radio vermeldete die 1:0-Führung der Wattener gegen die Klagenfurter Austria.
Der SCE hatte gegen den LASK anfangs leichte Vorteile, doch die Nervosität war den Spielern anzusehen, doch dann kam die eingangs erwähnte 19. Minute und ohrenbetäubender Jubel brach im Lindenstadion aus. Weitere Hoffnung keimte auf, als der 1:0-Führungstreffer von Wacker Innsbruck in Bregenz verlautbart wurde. In der 43. Minute hielten aber alle im Stadion den Atem an, denn Chico paßte zu Leitner II, der den Ball ins Tor von Ersatzgoalie Grasz schoß, doch der Schiedsrichter entschied auf Abseits (was laut BF eine korrekte Entscheidung gewesen sein soll).

Nach 90 Minuten hatte der SCE 1:0 gegen den LASK gewonnen, Wattens reichte das eine Tor zu einem Sieg über Austria Klagenfurt und Wacker Innsbruck gewann bei Schwarz-Weiß Bregenz mit 2:1. Somit war der Klassenerhalt geschafft – der SCE aus dem Wasser! Danke Wacker Innsbruck!!

Faksimile – BF-Onlinearchiv:

Doch der Alltag ging sogleich weiter: Der SCE gastierte bei der feierlichen Eröffnung der neuen Sportanlage in Wallern, wo die 2.000 Zuschauer aber eine recht magere Vorstellung des – auch künftigen – Nationalligisten zu sehen bekamen – der SCE gewann mit 4:1.

Anschließend ging es über die Staatsgrenze ins Trainingslager nach Siofok am Plattensee und danach wurde in Bad Tatzmannsdorf weiter trainiert.
Natürlich gab es auch gleich die ersten Transfergerüchte und da machte eines gleich große Schlagzeile:
(BF) Isländischer Stürmerstar zu SC Eisenstadt?
Gibt es in den kommenden Tagen eine Sensation beim SC Eisenstadt? Wie wir erfahren konnten, will Trainer Walter Pfeiffer einen isländischen Nationalspieler zu den Hauptstädtern lotsen. Der Stürmer soll beim Klub Valur Reykjavik tätig sein und großes Interesse an einem Übertritt nach Österreich haben. Trainer Pfeiffer kennt den Spieler von seiner Tätigkeit in Island.

Hier ein älterer Bericht, als Pfeiffer Trainer des SCE wurde:
Walter Pfeiffer neuer SCE-Trainer! (BF)
Nach der enttäuschenden Darbietung des SC Eisenstadt gegen Wacker-Innsbruck, welche die Mannschaft in eine sehr gefährliche Situation brachte, schalteten die Verantwortlichen des Klubs sehr schnell. Walter Pfeiffer, der dem Spiel als Beobachter beiwohnte, wird ab sofort das Training bei den Eisenstädtern übernehmen!
Damit holten sich die Hauptstädter jenen Mann als Trainer, der Bjerregaard, Söndergaard und Laudrup nach Österreich brachte, einen Betreuer, der international hoch im Kurs steht und hinter dem verschiedene andere NL-Klubs her waren.
Dem SC Eisenstadt ist – ungeachtet, ob die Mannschaft jetzt den Weiterverbleib schafft – ein ausgezeichneter Griff gelungen. Pfeiffers Erfolgsliste ist recht eindrücklich. Seit 1955 war er im Ausland tätig. Zuerst zwei Jahre in Griechenland, dann übersiedelte er nach Dänemark, wo er AGF Aarhus 1959 ins Cupfinale brachte und 1960 diesen gewann. Dann übernahm er Boldklubben Odense und führte dieses Team ebenfalls zum Cupgewinn. Mit dieser Mannschaft war er auch im Europacup tätig. Odense eliminierte damals den GAK und scheiterte später an Real Madrid.
Nyköping, seine nächste Station, brachte er in die erste Division. Dort blieb er bis 1965. Er wurde dänischer Verbandstrainer der Färöer-Insel und hatte dort großen Erfolg. Zuletzt war er als Trainer in Island tätig. Das Heimweh zog ihn aber wieder nach Österreich zurück.
Walter Pfeiffer, 43 Jahre, wird Eisenstadt als hauptamtlicher Trainer betreuen. „Es wird eine schöne Aufgabe werden und ich hoffe, mit Eisenstadt den Weiterverbleib doch noch zu schaffen!“ erklärte Pfeiffer dem BF SPORT MAGAZIN

Der SCE Trainer flog sogar nach Island, um das Engagement von Hermann Gunnarsson beim SC Eisenstadt perfekt zu machen.
Valur, der Verein bei dem dieser Spieler spielte, wurde in der Ganzjahresmeisterschaft 1968 Dritter (die Liga bestand aus sechs Klubs!) hinter KR Reykjavik, Fram Reykjavik. Dahinter landeten die Provinz-Vereine IB Akureyri, IB Vestmannaeyjar sowie IB Keflavik.
Im Sommer 1969, als sein Transfer zum SCE eingefädelt wurde, war die Meisterschaft in Island noch im Gange. Am Ende wurde Valur in der auf sieben Klubs aufgestockten Liga Fünfter.
1968 schoß Gunnarsson sieben Tore für Valur. Die Torschützenkrone teilten sich damals gleich vier Spieler, die alle je acht Tore erzielen konnten (in zehn Saisonspielen).
Ein Jahr davor – 1967 – wurde Hermann Gunnarsson sogar Torschützenkönig (zwölf Tore) und Meister der isländischen Liga. Valur und Fram lagen nach zehn Meisterschaftsrunden punktegleich an der Tabellenspitze, wodurch es zu einem Finalspiel zwischen den beiden Klubs aus Reykjavik kam. Valur gewann gegen Fram 2:0 und wurde zum zweitenmal in Folge Meister der Vulkaninsel.

Hermann Gunnarsson kam nach Eisenstadt, um bei den ersten Trainingseinheiten den Klub, seine Mitspieler und seine neue Heimat kennenzulernen. Dabei hinterließ der neunfache Nationalspieler (fünf Tore) einen guten Eindruck, flog nach ein paar Tagen aber wieder zurück nach Island, da sein Nationalteam gegen jene von Norwegen (1:2) und Finnland (1:3) antrat.

Zudem wurden noch Szabo von SW Bregenz, Hermann Neuwirth aus Großhöflein, Klemens Hombauer aus Wulkaprodersdorf sowie der Siegendorfer Gerhard Horvath, der zuletzt zwei Jahre in Schweden spielte, als Neuverpflichtungen präsentiert.
Gerhard Horvath spielte in Schweden bei Rasunda IS. Der Klub pendelte in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts stets zwischen Dritter und Zweiter Liga.

Doch in diesen Tagen des Juli 1969 herrschte große Entrüstung beim SC Eisenstadt. In der „bvz“ erschien ein Bericht, der den SCE in ein äußerst schlechtes Licht warf!

Der Sportclub Eisenstadt nahm in der „BF“ Stellung zu jenem Bericht in der „bvz“:
Giftpfeile gegen den SCE!
Helle Empörung herrscht derzeit im Vorstand des SCE und in weiten Kreisen der sportinteressierten Bevölkerung Eisenstadts. In der Ausgabe der BVZ vom 10. Juli 1969 verschüttete der bisherige Masseur und Hilfstrainer des SCE, Harald Lattner, im Stile von Starjournalisten kurz HL genannt, unter dem Titel „Es ist noch einmal gut gegangen. Wirren um Verein hätten fast den Weiterverbleib gekostet“ Kübeln nassen Staubes über den Vorstand des SCE.
Auch für den unbefangenen Leser dieser Zeilen ergibt sich rasch der Eindruck, daß der Schreiber nicht einem journalistischen Bedürfnis nachkommt, sondern sich seinen Ingrimm von der Seele schreibt. Was alles sich im vergangenen Meisterschaftsjahr an Negativem ereignet hat, für HL gibt es nur einen Schuldigen: den Vorstand.
Für die in der vergangenen Saison eingetretenen Spielerverletzungen macht HL, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, den Vorstand verantwortlich. Der Schreiber produziert sich als Betrachter der psychologischen Seite und stellt fest, daß die Spieler auf den Vorstand „böse“ waren, weil dieser ihnen – man vernehme mit Fassung das Ungeheuerliche – die Bezahlung eines Handgeldes verweigerte.
Als geradezu komödiantisch muß man die Enthüllungen über die Ursache des Ausscheidens von Dr. Schleger aus dem SCE betrachten. HL verabreicht der staunenden Mitwelt: „Heckenschützen“ und „Adabeis“ wollten Dr. Schleger in sportlichen Belangen dreinreden, was Dr. Schleger natürlich ablehnte. Daraufhin sei eine Aktion gegen ihn gestartet worden, die mit seiner Entlassung endete.
Und schließlich kann HL auch für die Zukunft nichts Gutes prophezeien, denn „wie man hört, gibt es bereits jetzt schon wieder Uneinigkeiten zwischen den Spielern und der Vereinsleitung“.
Damit aber nicht genug, kann man von einer weiteren schrecklichen Fehlleistung des Vorstandes des SCE berichten. Wahrscheinlich aufgrund einer visionären Erscheinung und um den SCE aus einer scheußlichen Situation herauszuführen, hat sich ein gewisser Harald Lattner vor etwa 14 Tagen diesem so schlecht geführten SCE als Jugendtrainer angeboten. Als Jugendleiter um den Betrag von monatlich 4500 Schilling netto, das sind 6000 Schilling brutto. Und was glauben Sie, wie der Vorstand entschieden hat? Er hat das Angebot abgelehnt!
Eine Frage für Denker muß nun unbedingt gestellt werden: Glauben Sie, daß HL den gleichen Artikel in der BVZ geschrieben hätte, wenn der SCE sein Angebot angenommen hätte?

Die BF dazu: Soweit die offizielle Stellungnahme des SC Eisenstadt. Wir können diesem Artikel nichts hinzufügen, denn er entspricht eindeutig den Tatsachen. Mein Kollege Lattner hat hier wahrlich weit übers Ziel hinausgeschossen. Der SCE hatte in der vergangenen Meisterschaft viel Pech. Vielleicht wurden auch einige Dinge nicht richtig gemacht, doch solche Anschuldigungen hat sich der Verein nicht verdient.
Kollege Lattner hat sich hier meiner Meinung nach nur von persönlichen Gefühlen leiten lassen. Er wurde aufgrund überhöhter Honorarforderungen vom Klub gekündigt. Deshalb kam in den Zeilen von „HL“ nicht mehr die Objektivität, sondern klar und deutlich eben jener Moment zutage, dem ehemaligen Klub damit ein auszuwischen.
Das kann sich ein Journalist nicht leisten. Ich glaube, Kollege Lattner wird hier die Konsequenzen ziehen müssen.

Sehr empört zeigten sich einige Vorstandsmitglieder des SC Eisenstadt über diesen Artikel. Hier die Meinungen:
Obmann Dr. Tschank: „Er betet uns mit Ausdauer und Inbrunst tot! Ein großer Schaden für den Klub.“
Sektionsleiter Kuzolits: „In diesem Artikel spiegelt sich die Rachsucht des entlassenen Hilfstrainers wider!“
Jugendleiter Pusztai: „Diese Schreibweise ist destruktiv.“

Nach dieser Aufregung konnte sich die Mannschaft wieder auf sportliche Belange konzentrieren. Die Neuverpflichtungen trugen beim Testspiel im niederösterreichischen Pöggstall erstmals das Dress des SCE. Gunnarsson, Horvath und auch der junge Hombauer gefielen dabei sehr gut.

Ende Juli 1969 nahm der SCE in Steinamanger an einem internationalen Turnier teil. Neben dem Veranstalter Haladas Szombathely waren auch noch Tatabanya BSC sowie der FC Carl-Zeiss Jena (Vizemeister der DDR und Meister in der kommenden Saison) im Teilnehmerfeld zu finden.

Das erste Spiel trug der SCE gegen die Gastgeber aus und kam dabei ordentlich unter die Räder. Schon nach 15 Sekunden zappelte der Ball im Tor von Grasz. Bis zur Pause bauten die Magyaren den Vorsprung auf 4:0 aus. In der 70. Minute traf Hermann Gunnarsson nach Vorlage von Thometich II für die Burgenländer. Endstand: 1:7!
Etwas besser präsentierte sich der SCE beim zweiten und letzten Spiel gegen Tatabanya. Die Führung der Ungarn konnte Thometich II noch kurz vor dem Pausenpfiff ausgleichen und der vom ASV Siegendorf verpflichtete Rohrer zog in der 52. Minute aus 20 Metern ab, und der noch von einem Ungarn abgefälschte Ball landete im Tor. Neun Minuten später gelang Tatabanya aber noch der Ausgleich und beinahe hätte der ungarische Mittelständler noch gewonnen, doch Horvath verschoß einen Handselfmeter, den sein burgenländischer Namenskollege verschuldet hatte. Endstand: 2:2.

Die übrigen Spiele endeten so: Tatabanya vs. Carl Zeiss Jena 2:1; Haladas vs. Carl Zeiss Jena 3:1.
Somit wurde Haladas Szombathely vor Tatabanya Turniersieger. Dritter wurde der SC Eisenstadt und der FC Carl Zeiss aus Jena belegte den letzten Rang.

Dann, als der SCE seine Trainingszelte in Bad Tatzmannsdorf aufschlug, standen gleich drei Spiele an drei Tagen an. Zunächst fand man sich in Eberau ein, zeigten aber nur eine sehr dürftige Leistung. Dennoch reichten die Tore von Varga (2), Gunnarsson (2) und Peterka zu einem 5:2-Sieg.

In Oberwart traf der SCE dann auf Spartacus Budapest (2. Division). Die 800 Zuschauer wurden aber arg enttäuscht. Zu Beginn agierte der SCE überheblich und die Ungarn waren schneller und technisch besser.
Simon brachte die Budapester schon in der neunten Minute in Führung, die Varga erst in der 58. Minute egalisieren konnte. Sieben Minuten später stellte Juhasz auf 2:1 für Spartacus und erst in der Schlußminute fiel der Ausgleichstreffer, der obendrein mehr als fragwürdig war, da der Ball die Torlinie nicht zur Gänze überschritten haben soll.

Faksimile: BF-Onlinearchiv, Spielszenen gegen Spartacus Budapest


Auch beim dritten Spiel konnte der SCE die Zuschauer nicht begeistern. Zwar konnte der UFC Rudersdorf mit 5:2 besiegt werden, doch zu Werbung in eigener Sache war das nicht. Die Tore erzielten: Hanbauer (2., Penalty), Varga (16.), Thometich II (46.), Eisele (74.) und Peterka (77.).

Indes traf in Güssing unterhalb der Burg der Güssinger SV gegen den Nottingham Forest Football Club an und remisierte 2:2.

Und als die Saisoneröffnung mit dem ÖFB-Cup-Spiel in Radenthein angekündigt wurde, bekam der SCE über den ÖFB eine Einladung zu einer Tournee nach Malta zugesandt. Diese Reise sollte vom 20. Dezember bis 6. Jänner stattfinden. Die Einladung ging aber auch an alle anderen Nationalligisten und jeder wird so seine eigenen Bedingungen dafür gestellt haben. Der SCE verlangte die vollen Aufenthaltsspesen sowie eine Entschädigung für jedes ausgetragene Spiel, von denen es an die fünf gegen maltesische Vereine hätte geben sollen. Am Ende wurde dann eh nichts daraus.

Die Saison 1969/70 begann dann offiziell mit den ersten Spielen im ÖFB-Cup. Der SCE reiste nach Kärnten und konnte sich nach der 2:3-Niederlage gegen die Werkssportmannschaft aus Radenthein voll auf die Meisterschaft der Nationalliga konzentrieren.

Doch bevor der Ligaalltag begann, gab es noch ein Testspiel in Horitschon, das sein 15jähriges Bestandsjubiläum feierte, gegen eine Mittelburgenlandauswahl, das mit einem mageren 3:0-Sieg des SCE endete.

Faksimile: BF-Onlinearchiv

Danach gab es noch einen 6:1-Sieg in Kohfidisch, die zum 20jährigen Jubiläum geladen hatten. Wer hätte bei all den SCE-Gastspielen zu den diversen Jubiläumsfeiern gedacht, dass einmal niemand den SCE zum Hunderter beglückwünschen würde?

Der Saisonstart rückte derweilen immer näher und da der erste Gast im Lindenstadion der neuen Saison zugleich jener war, der ein paar Wochen zuvor der letzte Gast der alten Saison war, fragte man sich, ob es denn nicht noch einmal einen 1:0-Sieg geben würde:

Faksimile: BF Onlinearchiv:

Gleich vorweg sei erwähnt, dass es nicht dazu kam! Vor knapp 3.200 Zuschauern ging das Spiel gegen den LASK mit 0:1 verloren.
ABER: Dieser 23. August 1969 ging in die Geschichte des SCE ein. Denn dies war der erste Auftritt der „Roten Husaren“! Sepp Höld, Besitzer des Weingutes aus St. Georgen, stellte sich dem SCE als Mäzen zur Verfügung. Vor Spielbeginn ritten zwei Husaren eine Ehrenrunde im Lindenstadion.

Eine Legende war geboren…

Faksimile: BF-Onlinearchiv: Erster Auftritt der Roten Husaren

Am Ende der Saison 1969/70 musste der SCE nach drei Saisonen in die Ostliga absteigen! Da war der Isländer Hermann Gunnarsson aber längst nicht mehr dabei, denn als der SCE in der zwölften Meisterschaftsrunde endlich seinen ersten Sieg feiern konnte (5:2 gegen den SC Wacker), wurde bekannt, dass Gunnarsson im Dezember 1969 wieder nach Island zurückkehren würde. Zuletzt kam er auch nur noch in der 1b-Mannschaft, die (außer Konkurrenz) in der Landesliga spielte, zu Einsätzen (schoß vier Tore).
Gunnarsson meinte: (BF) „Ich finde es sehr schade, dass ich bei Eisenstadt nicht die erwartete Leistung bringen konnte. Allerdings wurde ich von verschiedenen Leuten nicht gerade gut behandelt, und man hat nicht sehr viel Verständnis und Entgegenkommen für meine Situation gezeigt!“

Gunnarsson erzielte seinen einzigen SCE-Treffer am 30. August 1969 in der Südstadt. Er brachte den SCE in der 46. Minute in Führung, die der spätere (zweimalige) Trainer des SCE – Felix Latzke – in der 71. Minute egalisierte. Er wechselte dann zu IB Akureyri, ehe er später wieder zu Valur Reykjavik zurück kehrte.

Zu dieser Zeit war SCE-Trainer Pfeiffer auch schon längst Ex-SCE Trainer Pfeiffer. Er wurde von seinem Vorgänger Dr. Schleger ersetzt…   Fußball-Alltag, eben!

Nachtrag: Hermann Gunnarsson, der nach seiner Sport-Karriere sogar noch ein beliebter TV-Moderator auf der Vulkaninsel war, verstarb am 4. Juni 2013.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Dieser Beitrag wurde unter 60er-Jahre veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.