Neunzehnhunderteinunddreißig

Wir schreiben das Jahr 1931…

…seit zehn Jahren gehört das neu erschaffene Burgenland zu Österreich. Eisenstadt war seit sechs Jahren die Hauptstadt des jungen Bundeslandes, doch Ruhe kehrte nicht ein.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Die vielen politischen Gruppierungen des Landes stritten sich um den Platz an der Spitze, dazu gesellten sich lautstark die Anhänger eines geistig limitierten ehemaligen (erfolglosen) Postkartenmalers.

Und eines gab’s auch schon damals, nämlich eine ordentliche Bankenkrise. Die Creditanstalt hing stark in den Seilen und da ein Zusammenbruch eine Kettenreaktion von weiteren Konkursen von an der Bank beteiligten Industrieunternehmen mit sich gebracht hätte, durfte der Steuerzahler ins Börserl greifen.
Ihm Jahr 1932 hatte man in Wörgl eine gute Idee und führte eine eigene Währung samt neuem System ein. Die Stadt und ihre Bürger erholten sich von der Wirtschaftskrise, die den Rest des Landes lahm legte.
Da man sich aber dem System der Banken unterzuordnen hat, war so ein Alleingang den hohen Bankiers, die das Land nach Lust und Laune beherrschten, ein Dorn im Auge. Die NB ließ ihre Muskeln spielen und es wurde sogar eine Entsendung der Armee angedroht, woraufhin die Tiroler dem Druck nachgaben… doch das ist eine andere, höchst interessante Geschichte.

Zurück zum Fußball: 1931 war für die Nationalmannschaft Österreichs ein ausgezeichnetes Jahr, denn nachdem das Eröffnungsspiel des über zwei Jahre ausgetragenen Europapokals für Nationalmannschaften in Mailand 1:2 verloren ging, gab es in den nächsten 14 Spielen keine Niederlage mehr und nach dem 5:0 gegen Schottland war das „Wunderteam“ geboren. Österreich gewann den Europapokal im Oktober 1932 nach vier Siegen, drei Remis und einer Niederlage mit elf Punkten, vor Italien (neun Punkte), Ungarn (acht), der Tschechoslowakei (sieben) und der Schweiz, die nur fünf Punkte erspielen konnte.

Auch in Eisenstadt wurde fleißig dem Ball nachgetreten, doch bis es soweit war, musste der Winter das Land verlasse. Im Februar 1931 schrieb die „BF“: Eisenstadt im Winterschlaf
Die Schneestürme in den letzten Tagen der vergangenen Woche sind in Eisenstadt zu schauerlicher Wirkung gekommen. Haushoch türmten sich die Schneemassen an vielen Stellen auf und verdeckten ganze Häuserzeilen. In den Morgenstunden des Sonntags waren Straßen und Gassen so schnee-erfüllt, daß jedes Fort- und Durchkommen unmöglich war. Wer am Montag in die Hauptstadt kam, war einfach entsetzt über das Bild, das sich ihm bot. Den Häusern entlang zogen sich Schneekanäle, in denen die Menschen dahinschlichen. Querkanäle verbanden die beiden Straßenseiten. Wer im Kriege war, wurde lebhaft an die Schützenschneegräben im Adamellogebiet erinnert; auch dort gab es ein buntes Durcheinander von Haupt-und Verbindungskanälen.
Heroisches wurde in diesen Tagen von den Verkehrsunternehmungen geleistet. Speziell die Chauffeure der Post und Vanderkamps taten Übermenschliches. So gelang es denn auch (…) den Verkehr nach Wien und nach Ebenfurth herzustellen. (…) Auch in den kleineren Gemeinden auf den Verkehrstrecken ging die Freimachung der Passage meist glatt vor sich, nur in  e i n e r  Gemeinde spießt sich die Sache heute noch –  i n  d e r  L a n d e s h a u p t s t a d t  E i s e n s t a d t. (…)

In der nächsten Ausgabe wurde unter anderem berichtet: (BF) Als unsere Zeitung am Freitag erschien, schnellten die Herren Gemeindevertreter wie von Taranteln gestochen aus den Filzpantoffeln. So hat sie unser Artikel getroffen. Und am Sonntag sah man einige Partien Schneeschaufler in der Stadt herumziehen. Nun fiel neuer Schnee und am letzten Sonntag hob sich ein gewaltiger Sturm, der ganze Wolken von Schnee nach Eisenstadt trieb. So sah die Sache wieder trostloser als am Freitag aus. Von den Ameisen sagt man, daß sie nach Unglücksfällen zu ganz besonderer Tätigkeit angetrieben werden. Von unseren bürgerlichen Stadthäuptern kann das nicht angesagt werden. Sie versanken wieder in einen Winterschlag und beschlossen endgültig, die Säuberung der Straßen denn doch der kommenden Frühlingssonne zu überlassen.

Die Frühlingssonne kam, der Schnee verschwand. Es dauerte aber noch, bis die Fußballer in Aktion treten konnten. In der Zwischenzeit konnte man sich im Städtischen Kino Rosensaal (später als Schwechaterhof bekannt) am 29. März um 6 und 8 Uhr abends, „Die Husaren-Baroneß“ mit der schönen Agnes Esterhazy in der Hauptrolle ansehen.

Die wärmer werdenden Frühlingstage lockte auch vermehrt die braunen Agitatoren aus ihren Löchern hervor: Die natürlich von den „Roten“ gesteuerte BF berichtete: Eine Nazi-Versammlung mit falscher Tonart.
Jetzt verirren sich die Herren Nazi – das sind die sogenannten Nationalsozialisten – gar in unsere Ortschaft [Jois]. Es muß gleich festgestellt werden: sie haben sehr enttäuscht. Was ihr Redner zu sagen wußte, ist abgedroschenes Zeug, das sich gar nicht von dem Gebimmel der sonstigen Antimarxisten unterscheidet. Daher ist es auch nicht tragisch zu nehmen, daß die Nazi die Sozialdemokraten verleumden. Einer Aufklärung bedarf es gar nicht mehr. Schließlich feiern wir heuer 10 Jahre Burgenland und da wachen Erinnerungen an die Banditenzeit auf. Die burgenländischen Bauern wissen ganz genau, auf welcher Seite damals die Banditen und Mörder, die Diebe und Frauenschänder zu suchen waren.
Wenn die Nazi-Führer so tun, als ob es ihnen um das Interesse des werktätigen Volkes ginge, dann müssen wir ihnen in Erinnerung bringen, daß ihr deutscher Oberführer (…) in einer Gesellschaft von Großkapitalisten erklärte, sein soziales Programm darf die Kapitalisten nicht erschrecken, das habe er nur aufgestellt, um die Arbeiter und kleinen Leute fangen zu können. Wird da jemand die Nazis noch ernst nehmen können?

Diese Annahme des BF-Schreibers erwies sich leider als falsch.

Dann endlich die ersten Nachrichten über Fußballspiele:
Am Sonntag, den 29. März 1931, fand am Eisenstädter Sportplatz das Meisterschaftsspiel der beiden zweitklassigen Rivalen Eisenstadt und Hirm statt. In der Früh schaute noch einmal kurz der Winter in Eisenstadt vorbei und hinterließ nach einem heftigen Schneetreiben ein schier unbespielbares Fußballfeld. Die Situation verbesserte sich, nachdem ein kalter Wind den Platz wieder trocknete.
Eisenstadt stellte folgende Mannschaft: Ficker I; Braunschier, Bognar II; Hofer, Machon II, Szabo; Hauk, Bognar I, Machon I, Lang, Janko.
Die Gäste aus Hirm waren aber taktisch besser eingestellt und ihre Stürmer waren bedeutend flinker, als jene der Eisenstädter, die vor dem Tor zu Künsteln begannen und somit die besten Möglichkeiten vergaben. Ficker im Tor der Landeshauptstädter hatte ebenfalls einen schlechten Tag erwischt.
Über den Spielverlauf schrieb die BF: Hirm hat die Wahl und spielt mit dem Wind. Gleich in der elften Minute erzielt Brandl durch schönes Zuspiel das erste Tor für Hirm. Eine Minute später erhöht Wachtfeitl den Stand auf 2:0. Er ist es auch, der nun in rascher Reihenfolge abermals zwei Treffer für Hirm buchen kann. Den fünften und sechsten Treffer schießt Sibler. Ein ganz anderes Bild bietet nun die zweite Hälfte der Spielzeit. Schon in der vierten Minute vermag Lang den einzigen Treffer für Eisenstadt zu erzielen. Von jetzt an ist das Spiel offen. Eisenstadt vergibt herrliche Torchancen, so hat die Hirmer Verteidigung leichtes Feld. Ungefähr eine Viertelstunde vor Schluß setzt abermals Schneefall ein, der dann so heftig wird, daß Schiedsrichter Kraft-Neufeld das Spiel siebzehn Minuten vor Schluß abbricht. Eisenstadt kann in diesem kurzen Nachspiel unmöglich den Vorsprung der Hirmer aufholen und gibt somit zwei wichtige Punkte an Hirm ab.
Vorher spielten die Reserven 2:1 für Eisenstadt. Die Tore schossen für Eisenstadt Skarits (Elfer) und Mohl, letzterer aus klarer Abseitsstellung. Für Hirm Eigentor, das Koch verschuldete.

Zu Ostern 1931 nahm Eisenstadt am Turnier des Zillingdorfer Arbeiter-Sportklubs teil, das in Neufeld ausgetragen wurde.
Im „Halbfinale“ bekamen es die Hauptstädter mit der B-Mannschaft des ASV Neufeld zu tun und siegte 2:0. Im zweiten Spiel siegte Pottendorf gegen Zillingdorf mit 7:6 Toren!

Das Finale gegen Pottendorf ging dann 0:1 verloren und im Spiel um Platz Drei trennten sich Neufeld 1b und Zillingdorf 4:4 unentschieden.

Zu Pfingsten reisten die Eisenstädter nach Siegendorf, wo es ein 2:2-Remis gab. Hau brachte die Gäste schon kurz nach dem Anpfiff mit 1:0 in Führung und bestimmte das Spiel, doch weitere Torschüsse gingen überall hin, nur nicht ins Tor. Erst in der zweiten Halbzeit folgte ein weiterer Treffer, den Janko erzielte. Zwei Abwehrfehler ließen die Siegendorfer aber noch ausgleiche.

Am 31. Mai 1931 war dann Deutschkreutz zu Gast in Eisenstadt. Das Freundschaftsspiel endete mit einem 3:2-Sieg der Gastgeber. Weber brachte Deutschkreutz schon in der 15. Minute in Front. Janko glich fünf Minuten später aus.
In der ersten Minute der zweiten Halbzeit traf lang zum 2:1 für Eisenstadt. Csar konnte dann in der 66. Minute auf 2:2 stellen, aber vier Minuten vor dem Schlußpfiff trat Machon I zum Freistoß an. Den scharf getretenen Ball kann der Kreutzer-Tormann nur mit Mühe abwehren, verliert aber den Ball, der zurückspringt und Janko drückte den Ball über die – wenn überhaupt vorhandene – Torlinie.

Dann kam der 5. Juli 1931. An diesem Sonntag kam die Mannschaft von Hof übers Leithagebirge nach Eisenstadt und ging 0:10 unter. Lang erzielte ganze sieben Tore für die Eisenstädter.
Doch das historische Ereignis dieses Tages fand bei einem anderen Spiel statt. Es trat nämlich ein neu gegründeter Fußballklub Eisenstadts zu seinem ersten Spiel gegen die zweite Mannschaft des Eisenstädter Arbeitersportklubs an. Der neue Klub auf der Fußballbühne der Landeshauptstadt war die „Hakoah“. Die jüdische Gemeinde vom Eisenstädter Unterberg nahm sich die Wiener Hakoah zum Vorbild und stieg in den Fußballbetrieb ein. Der neue Klub begann sein erstes Spiel mit viel Elan und ging dank eines Eigentores sogar in Führung. Zur Pause führte die „Kraft“ sogar mit 2:1, verlor das Spiel dann aber mit 2:3. Für die Hakoah trafen Brock und König, für die Sieger Puhr sowie Vlaschitz.

Am 12. Juni trug der Eisenstädter Klub ein weiteres Freundschaftsspiel, diesmal gegen Hornstein, aus. Die war das Retourspiel des am 28. Mai erfolgten Hinspieles in Hornstein, das 0:0 endete und nach Zwistigkeiten in der Eisenstädter Mannschaft früher abgepfiffen wurde.
Auch diesmal konnten die vollen 90 Minuten nicht gespielt werden.
Lang gelang schon kurz nach dem Spielbeginn das 1:0. Lang erzielte dann auch das 2:0 durch einen Penalty. Knapp vor dem Ende der ersten Halbzeit wurde für die Gäste ein Strafstoß verhängt, da Szabo im Strafraum ein Hands beging. Pausenstand 2:1 für Eisenstadt.
15 Minuten nach Wiederbeginn traf erneut Lang ins Tor der Hornsteiner. Kurz vor Spielende gab der Schiedsrichter wieder Elfmeter für die Gäste, die diesen auch prompt zum 2:3-Anschlußtreffer nutzten. Es folgten Streitgespräche und der Referee beendete das Spiel in der 88. Minute.

Ein Meisterschaftsspiel sowie ein Freundschaftsspiel standen dann am 19. Juli auf dem Eisenstädter Fußball-Kalender.

In der Meisterschaft traf Eisenstadt auf Neudörfl und schaffte die Sensation: (BF) In diesem Meisterschaftsspiel am Eisenstädter Platze hat die heimische Mannschaft zwei wichtige Punkte errungen. Wenn zwar noch 30 Minuten wegen Regens nachgespielt werden müssen, so ist es doch unbestreitbar, daß Neudörfl gegen eine solche junge und talentierte Mannschaft, wie die derzeitige der Eisenstädter ist, unmöglich mehr diese beiden Tore aufholen kann. In der Eisenstädter Mannschaft gab es diesmal keinen einzigen schwachen Punkt. Lobenswert sind Kaudella und der Tormann Hofer. In der 5. Minute schon fällt durch Kaudella durch einen Kopfstoß der erste Treffer für Eisenstadt und in der 28. Minute durch eine Vorlage von Janko, abermals von Kaudella geschossen, das zweite Tor.

Währenddessen war die Hakoah zu Gast in Hof. Die Kraft vom Unterberg trat mit folgender Mannschaft jenseits des Leithaberges an: Schneider (Haas); König, Fürst I; Heß, Benedikt M., Benedikt I; Goldstein, Haas, Weiner, Schwarz, Benedikt II.
(BF): Schon die ersten Spielminuten zeigten, daß sich Hakoah auf einem so schlechten Platze, wie der der Hofer war, unmöglich durchsetzen konnte. Hakoah ließ in der ersten Hälfte etwas System durchblicken, spielte aber nach Seitenwechsel ganz verfahren. Der beste Mann von ihnen war noch König, der wenigstens seine Mannschaft durch Weitschüsse immer wieder nach vorne brachte. In der Läuferreihe klappte überhaupt gar nichts. Schneider, der nach der Pause als Mittelläufer fungierte, konnte auf diesem Platze nicht gefallen. Dadurch wurde der Sturm stark in Mitleidenschaft gezogen, der dann noch durch das schlechte Spiel der Flügelmänner ganz umfiel. Das Innentrio, von Weiner geführt, konnte der harten Hofer Verteidigung nicht aufkommen und wurde auch gut abgedeckt.
Hingegen ging es diesmal bei den Hausherren bedeutend besser als in Eisenstadt. (…)
Schon in der 1. Minute kommt Hof durch Trommet II in Führung, de einen Ball von zwei Schritten unhaltbar ins Netz befördert. Bis zu Halbzeit bedrängt Hof ununterbrochen. Bloß ein Sologang von Weiner und Schwarz wäre zu erwähnen, doch werden beide rechtzeitig von den feindlichen Verteidigern gestoppt. Nach Wiederbeginn der zweiten Hälfte nimmt Haas den Platz im Tor ein. Doch sieht man schon nach wenigen Minuten, daß dieser Platzwechsel keinen Wert hatte. In der 3. Minute verschuldet Benedikt I im Strafraum ein Foul. Den hierfür diktierten Elfer verwandelt Schubert. Trommet I vermag dann in der 10. Minute einen Freistoß in den dritten Treffer der Hofer umzusetzen. Das Spiel ist nun offen, bis in der 32. Minute ein rascher Angriff der Heimischen erfolgt. Die Bilanz ist ein Elfer, verschuldet durch ein Hands im Strafraum. Damit bucht Fink den vierten und letzten Treffer für Hof. Alle weiteren Angriffe der Hakoah bleiben fruchtlos.

Glimpflich verlief später ein Unfall in Eisenstadt: (BF) Als der Kutscher Lorenz Lichtenberger aus Eisenstadt mit einem zweispännigen Fuhrwerk gegen 10 Uhr vormittags, im Steinbruch in Oberberg-Eisenstadt Schutt abgeladen hatte, fing das Material plötzlich zu rutschen an und schleuderte das Fuhrwerk ca. 25 m tief hinunter. Der Kutscher konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die beiden Pferde erlitten nur kleine Hautabschürfungen und wurden mit Hilfe mehrerer Männer aus der Grube heraus gebracht.

Anfang August – am 2. des Monats – war Zillingdorf zu Gast am Eisenstädter Sportplatz. Es war ein mittelmäßiges Meisterschaftsspiel, das nur wenige spannende Momente bot und das Publikum nur selten begeistern konnte. Die BF fügte hinzu, dass „nun Eisenstadt eine der spielstärksten Mannschaften des Burgenlandes besitzt. Wenn man bedenkt, daß Zillingdorf bereits Neufeld schlug, so ist das Ergebnis unbedingt sehr beachtenswert.“
Die Tore beim 2:1-Sieg erzielten für die Eisenstädter Kaudella und Lang.

In einer der nächsten Ausgaben dann eine Richtigstellung zu einer Aussage im oben genannten Spielbericht: (BF) Wir brachten in der Nummer 33 vom 7. August einen Bericht über das Fußballspiel Eisenstadt – Zillingdorf, das am 2. August auf dem Eisenstädter Sportplatz ausgetragen wurde. Wir lobten in dem Berichte den Sieg der Eisenstädter Mannschaft und stellten fest, daß sie nun eine der spielstärksten Mannschaften des Burgenlandes ist. Das Ergebnis, schlossen wir den Bericht ab, sei umso beachtenswerter, als Zillingdorf bereits Neufeld schlug.
Nun teilt uns die Leitung des Arbeiter-Sportvereines Neufeld mit, daß der Schlußpassus des Berichtes über das Spiel Eisenstadt-Zillingdorf unrichtig sei. Zillingdorf hat niemals die Neufelder geschlagen. Im Gegenteil: Das letzte Spiel, das Neufeld gegen Zillingdorf im Mai dieses Jahres austrug, gewannen die Neufelder überlegen mit 8:2.
Wir wollen dazu bemerken, daß in unserem Berichte natürlich keine Spitze gegen Neufeld lag. Unser Sportberichterstatter hat nur das wiedergegeben, was ihm von Sportgenossen mitgeteilt wurde. Die Sportgenossen müssen wir jedoch ersuchen, unseren Berichterstattern keine unrichtigen Angaben zu machen. Daraus können nur Unstimmigkeiten erwachsen.

Der Landesfrieden war wieder hergestellt – die Neufelder waren die Besten! Die Eisenstädter doch nicht so gut, verloren zudem auch gleich das nächste Meisterschaftsspiel gegen die Hirmer mit 0:3. Eisenstadt-Goalie Hofer hielt dabei sogar einen Elfmeter.
Während die Erste in Hirm verlor, hatte die dritte Garnitur der Eisenstädter, die durch ein paar Spieler der Hakoah aufgefrischt wurde, eine Firmenmannschaft aus Wien zu Gast. Die den klingenden Namen F.T.C. Wien-West tragende Mannschaft spielte die kombinierte Eisenstädter Elf in Grund und Boden. Siegte glatt mit 10:1.

Ende August 1931 fand in Eisenstadt das nächste Meisterschaftsspiel statt, bei dem diesmal das Team aus Wimpassing zu Gast war. Eisenstadt beherrschte beinahe die ganze erste Spielhälfte und ging schon in der fünften Minute durch Kaudella in Führung, die Bognar I sieben Minuten später auf 2:0 erhöhte. Kurz vor dem Pausenpfiff stellte Kaudela nach Vorlage von Machon I auf 3:0.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit drängten die Wimpassinger aufs Eisenstädter Tor, doch diese Drangperiode der Gäste konnten die Heimischen unbeschadet hinter sich bringen und in der 67. Minute wird Machon I im Strafraum regelwidrig angegangen. Den verhängten Strafstoß verwandelte Kaudella zum 4:0. Kurz vor dem Ende gab es dann noch einen Elfmeter für Eisenstadt, den Machon I ins Netz schoß.
Laut dem Spielbericht endete das Spiel also 5:0, warum beim Ergebnis allerdings ein 7:0 angeführt wird, bleibt ein Rätsel.
Vielleicht wurde das Resultat der Reserven angegeben, denn die Eisenstädter Reserve gewann das Spiel 7:0. Die Tore erzielten am 30. August 1931 Ficker I (3), Bauer (2), Mohl und Koch aus einem Elfmeter.

Das erste September-Spiel führte die Eisenstädter nach Pöttsching, wo es ein derbes 1:5 zu beklagen gab. Die Gäste aus der Landeshauptstadt begannen das Spiel überhaupt nur mit zehn Spielern, da Kaudella erst nach 40 Minuten ins Spiel kam. Sein Fehlen machte sich in der Stürmerreihe der Eisenstädter stark bemerkbar und in der 19. Minute drückte der Pöttschinger Preisegger den Ball aus einem Gedränge ins Tor.
Am Ende stand es 5:1 für Pöttsching. Den Ehrentreffer erzielte Kaudella per Elfmeter.

Im Oktober ereignete sich dann ein furchtbares Autounglück in Eisenstadt: (BF) Die Autoraserei eines verantwortungslosen Chauffeurs kostet einem jungen Manne das Leben. Am Freitag ereignete sich in Oberberg ein furchtbares Autounglück, dem ein erst 22 Jahre alter Mensch zum Opfer fiel.
In Oberberg werden von der Bauleitung die Profile der Trottoirs aufgenommen. Am Unglückstage war beim Margarethinum der Polier Eduard Gradinger mit seinem Gehilfen, dem Figuranten Michael Wohlmuth und dem Hilfsarbeiter Springschitz damit beschäftigt, die Querprofile der Trottoirs aufzunehmen. Gegen 13.30 Uhr früh ein Bierauto der Gösser Brauerei von Kleinhöflein kommend in das Stadtinnere und hinter dem Kleinlastwagen des Fleischhauers Adura aus Stinkenbrunn. In der Höhe des Margarethinums führ der Kleinlastwagen des Fleischhauers, der vom Chauffeur Viktor Wallner gelenkt wurde, dem Bierauto vor. Obwohl die Stelle infolge des ausgehobenen Erdreiches sehr eng ist, schlug Wallner ein riesiges Tempo ein. In seinem wahnsinnigen Lauf verletzte das Fleischhauerauto die auf dem Trottoire Beschäftigten. Polier Gradinger, der gerade schrieb, wurde vom Auto am Arme erfaßt und weggeschleudert; er erlitt eine tiefe Wunde am Unterarm. Figurant Wohlmuth, der ein gebückter Stellung eine Messung vornahm, wurde von dem Scharnierhaken der hinteren Bordwand an der linken Schläfe getroffen; Wohlmuth fiel bewußlos hin und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung. Dem Hilfsarbeiter Springschitz wurde eine Rippe eingedrückt; gleichzeitig wurde er am linken Schenkel verwundet, wer war bewußtlos.
Auf Anordnung der Ärzte Dr. Nindl und Doktor Papp wurden Wohlmuth und Springschitz in das Spital der Brüder gebracht. Wohlmuth wurde noch am selben Tage in das Wr. Neustädter Spital überführt, wo er am Samstag früh seinen furchtbaren Verletzungen erlag.
Das Unglücksauto fuhr, nachdem es die drei Männer verletzt hatte, zuerst in einer scharfen Kurve nach links vor das Bierauto, wendete sich aber sofort scharf nach rechts, prallte an die Mauer des Margarethinums an und wurde gegen zehn Meter zurückgeschleudert. so daß es wieder in der Richtung seines Herkommens stand. Das Auto blieb stark havariert liegen; der Chauffeur blieb unverletzt.
Der Straßenarbeiter und der Passanten, die Zeuge des Unfalles waren, bemächtigte sich eine ungeheure Erregung. Sie stürzten sich auf den schuldigen Chauffeur und machten ihm heftige Vorwürfe. Als der Chauffeur die erregten Leute noch beschimpfte, drohte er von ihnen gelyncht zu werden. Es wäre ihm wahrscheinlich schlecht ergangen, wenn ihn nicht die Polizei verhaftet und abgeführt hätte.
Wie aus den Aussagen hervorgeht, hat sich der Chauffeur Viktor Wallner eine von Reihe von Vorschriftswidrigkeiten zuschulden kommen lassen. Er ist in einem wahnsinnigen Tempo im Stadtinneren gefahren, der Tachometer soll mit 75 Kilometer nach dem Unfall fixiert gewesen sein. Obwohl die Straße dort bergauf führt und daher unübersichtlich ist und obwohl zu an der Unglücksstelle ein Bauplatz ist, der durch die aufgeworfenen Erdhaufen nicht übersehen werden kann, ist der schuldige Chauffeur einem Auto vorgefahren. Von den Augenzeugen wird auch behauptet, daß Viktor Wallner keinerlei Signal gegeben hätte.

Die Fußballmeisterschaft ging indes auch zu Ende. Tabellen wurden leider keine abgedruckt und auch nur erwähnt, dass der ASV Pöttsching Herbstmeister des Burgenlandes wurde. Wo die anderen Mannschaften in der Tabelle standen, fand keinerlei Erwähnung.
Man erfuhr aber, dass der Landesmeister, ASV Neufeld, die ganze Saison über nur gegen Wiener und niederösterreichische Vereine spielte. Man entschloss sich dann aber, am burgenländischen Cup teilzunehmen. Neufeld siegte gegen Neudörfl mit 6:0.

Somit endete ein ereignisreiches Jahr und ein neues begann. Ein unaufhaltsamer Kreislauf…

ANHANG: 1931 wurde in der BF über den neu gegründeten jüdischen Fußballklub „Hakoah“ berichtet, doch dieser existierte schon seit den 20-er-Jahren. Inspiriert von der Wiener Hakoah, die 1924/25 sogar österreichischer Meister wurden, wurde die Eisenstädter Hakoah gegründet. Keine zehn Jahre (1933) nach der Gründung kam die freiwillige Selbstauflösung. Als Grund wurde Mitgliedermangel genannt.
Im Laufe der Jahre gab es mehrere Spiele, bei denen eine kombinierte Mannschaft des SC Eisenstadt und der Hakoah antrat.
Und ein kleiner Fetzen einer Tabelle aus dem Jahr 1924 ist im worldwide web zu finden. Der Tabellenstand im „Eisenstädter Kreis“ zeigte nach vier Runden:

1. Neufeld (4 Spiele, 4 Siege)
2. Neudörfl (4 Spiele, 3 Siege, 1 Niederlage)
3. Sauerbrunn (3 Spiele, 2 Siege, 1 Niederlage)
4. Mattersburg (2 Siele, 2 Siege)
5. Zillingtal (4 Spiele, 1 Sieg, 3 Niederlagen)
6. SC „Freiheit“ Eisenstadt (4 Spiele, 4 Niederlagen)
7. Hakoah Eisenstadt (4 Spiele, 4 Niederlagen)
8. Hornstein (3 Spiele, 3 Niederlagen)

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