Die „Roten Husaren“ (08/1969 – 07/1975) – Teil III – Wieder oben

Teil Drei der Saga…

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

„SCE mit Bombenteam!“, so die Schlagzeile in der BF vom 8. Juli 1971, die über die Neuverpflichtungen des SCE berichtete. Der Stürmerstar aus Deutschland, Gerd Gretzler, wurde von Tasmania Berlin erworben und – so wurde geschrieben – soll bei einem Autohändler arbeiten. Weiters kehrten Walter Seitl und Erwin Solleder zum SCE zurück. Dazu gesellten sich Edi Thomas sowie Otto Liesbauer.

Die neue Stürmerhoffnung der Roten Husaren wurde auch sogleich vorgestellt und befragt:
Gerd Gretzler, der neue Stürmer des SC Eisenstadt, spielte bereits vor zwei Jahren in Österreich bei Austria Salzburg. In der letzten Saison stürmte Gretzler bei Tasmania Berlin, wurde mit der Mannschaft Torschützenkönig und kam in die Aufstiegsrunde für die Bundesliga.
BF: Herr Gretzler, gefällt es Ihnen in Eisenstadt?
Gretzler: Es gefällt mir sehr hier, ganz anders als in Berlin bei meinem letzten Klub.
BF: Wieso kamen Sie überhaupt nach Eisenstadt?
Gretzler: Eigentlich habe ich mich selber für einen Übertritt nach Österreich interessiert, da es mir seinerzeit in Salzburg sehr gut gefallen hat.
BF: Was sagen Sie zu Ihrer neuen Mannschaft?
Gretzler: Ja, ich kenne einige Spieler von früher her. Seitl hat außerdem mit mir bei Salzburg gespielt, so daß es kontaktmäßig kaum Schwierigkeiten gibt. Eisenstadt hat sehr gute Spieler in seinen Reihen, das habe ich beim ersten Training gesehen!
BF: Sind die deutschen Klubs stärker?
Gretzler: Ich denke schon. In Deutschland sind bei den Bundesligaklubs und auch in den Regionalligen nur Vollprofis am Werk. Es geht bei meinen Landsleuten nur ums Geld.
BF: Welcher Posten würde Ihnen am meisten zusagen?
Gretzler: Am liebsten spiele ich Mittelstürmer, und ich glaube, daß ich diesen Posten auch beim SC Eisenstadt spielen werde. In Salzburg wurde ich einige Zeit als Rechtsaußen eingesetzt.
BF: Glauben Sie, daß der SCE den NL-Verbleib schaffen wird können?
Gretzler: Ja! Die Mannschaft ist meiner Ansicht stärker, als ich sie vor zwei Jahren sah und selbst gegen sie spielte. Sicherlich wird es sehr schwer werden, doch wir sollten den Verbleib erreichen.
BF: Sie werden nun in Eisenstadt von vielen als der Bombenstürmer bezeichnet, der die Tore schießen kann. Ist dies eine Belastung?
Gretzler: Ein wenig, doch werde ich alles daransetzen, das in mich gestellte Vertrauen zu erfüllen!
BF: Wie lange bleiben Sie in Eisenstadt?
Gretzler: Ich habe einen Zweijahresvertrag unterschrieben.

SCE-Trainer Günthner begab sich dann mit seinem Kader ins einwöchige Trainigslager nach Oberwart. Nicht mehr mit dabei waren unter anderem Komanovits, der nach Wiener Neustadt wechselte und der junge Brodhagen ging nach Siegendorf.
Der Auftakt in die Testspielserie begann sehr trefferreich: 8:0 gegen Ebenfurth, 5:1 gegen Rechnitz und 8:1 gegen Kohfidisch.
Gegen Rudersdorf gab es dann einen 3:0-Sieg vor gut 1.000 Zuschauern, anschließend ging es nach Jugoslawien, wo gegen den NK Maribor gespielt wurde. Als Spiel konnte man diese Begegnung nicht bezeichnen und am Ende war man beim SCE froh, keine schwer verletzten Spieler zu haben (Über dieses Spiel berichtete ich schon an anderer Stelle).

Damit ging die Saisonvorbereitung zu Ende und das erste Pflichtspiel im ÖFB-Cup stand auf dem Programm der Eisenstädter. Die erste Hürde wurde in Tirol gegen den SC Kundl ohne große Mühe mit 3:0 genommen. Gerd Gretzler schoß dabei auch gleich sein erstes Pflichtspiel-Tor für die Roten Husaren.

Am darauffolgenden Wochenende begann dann endlich die lang ersehnte Meisterschaft der Nationalliga. Zu Gast im Lindenstadion war der First Vienna Football Club und für 40,- Schilling konnte man eine Sitzplatz- und um 10,- Schilling weniger einen Stehplatz-Ticket erwerben. Studenten und Präsenzdiener durften um 20,- Schilling und Schüler bis zum 15. Lebensjahr um fünf österreichische Schillinge ins Stadion.
Beim SCE rechnete man mit 5.000 Besuchern, gekommen sind dann knapp 8.000! Den Roten Husaren flatterten aber gehörig nie Nerven und die großen Erwartungen wurden schwer enttäuscht. Nach einer recht kläglichen Vorstellung unterlag der SCE der Vienna mit 0:1.

Spätestens nach dem Schlußpfiff des ersten Auswärtsspieles war wohl jedem klar, dass das wieder eine Saison mit viel Bauchweh werden würde. Der matten Darbietung gegen die Döblinger folgte nun auch in Simmering eine triste Leistung, die eine 0:2-Niederlage beim I. Simmeringer SC nach sich zog.

Da Österreich dann in der EM-Qualifikation gegen Schweden spielte (1:0-Sieg) testete der SCE gegen Lichtenwörth. Das Spiel gewann der SCE nach einer keineswegs überragenden Leistung und mit viel Mühe mit 3:2. Eisele und Thometich I wurden sogar noch ausgeschlossen.

Am folgenden Mittwoch strahlten die Flutlichtmasten im Lindenstadion, denn das dritte Meisterschaftsspiel gegen den neu zusammenfusionierten „Superklub“ Admira-Wacker fand unter der Woche statt. über dieses Spiel meinte die BF: „Durch eine wohl fünftklassige Schiedsrichterleistung von Herrn Wlachojanis wurde der SC Eisenstadt regelrecht um einen Punkt betrogen. Ein aus klarer Absteitsposition erzieltes Tor gegen Eisenstadt gegeben, ein gegen Admira-Wacker nicht gegebener Elfmeter, als Gretzler im Strafraum gefoult wurde, und die völlige Mißachtung der Vorteilsregel sind nur einige Punkte, wo Eisenstadt von dem „Unparteiischen“ bedient wurde.“
Das „Abseitststor“ erzielte Ernst Dokubil, doch wenigstens gelang Gretzler in der 34. Minute das 1:1. Dabei blieb es auch noch nach 90 Minuten, womit zumindest der erste Punkt errungen werden konnte. Es konnte auch ein Formanstieg registriert werden.

Da der SCE einen holprigen Start in die neue Saison zu verzeichnen hatte, hörte man vor dem nächsten Auswärtsspiel aus Graz, dass man den SCE „abschießen“ wolle. Dadurch vielleicht zusätzlich motiviert, bot der SC Eisenstadt im Grazer Hexenkessel „Gruabn“ vor 7.000 begeisterten Zuschauern eine ansehnliche Leistung und Bajlicz, der an diesem Tag seinen 19. Geburtstag feierte, traf in der 40. Minute zum 1:0 für die Gäste. Am Ende musste man sich aber mit einem 1:1 zufrieden geben. Aber immerhin, abgeschossen wurde der SCE nicht!

Was in den Roten Husaren wirklich steckte zeigten sie dann im Lindenstadion gegen den LASK, der mit einer 0:3-Niederlage im Gepäck die Heimreise nach Linz antreten durfte. Glückstrahlend und erleichtert kam SCE-Trainer Günthner nach dem ersten Sieg aus der Kabine. Es hatte zwar etwas gedauert, bis der SCE die Spur zum Sieg fand, aber nach dem 1:0 durch Bajlicz in der 36. Minute übernahm der SCE das Spielkommando und ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Ein Eigentor Sturmbergers bedeutete das 2:0 (59.) und in der 72. Minute versenkte Alfred Eisele einen Freistoß im Tor der Oberösterreicher.

Das nächste Wochenende war spielfrei und der SCE spielte im Rahmen des Oktoberfestes in St. Martin. 8:2 lautete das Endergebnis. Leskovich erzielte drei Tore, Gretzler zwei, Bajlicz, Liesbauer und Seitl je eines.

Als nächster Gegner kam der SK Rapid nach Eisenstadt zu einem Freitag-Abend-Spiel. Vor dem Spiel traf sich eine Delegation des SCE zusammen mit Max Merkel (damals in Spanien tätig) und Rapid-Funktionären im Weingut Höld und verkostete so manches Glaserl Wein. Danach unterlagen die Roten Husaren dem SK Rapid vor gut 12.000 Zuschauern mit 0:3.

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Als lästige Verpflichtung sah SCE-Trainer Günthner dann das Spiel gegen die ungarische Olympiaauswahl in Sopron an. Lieber hätte er seinen Spielern vor dem schweren Auswärtsspiel gegen die Wiener Austria eine Ruhepause gegönnt. Die Ungarn gewannen mit 4:1.

Am Dienstag-Abend ging es dann ins Wiener Stadion, wo sich kaum 1.000 Menschen im großen Oval verirrten. Dies war eine Doppelveranstaltung mit dem SK Rapid, der gegen Dynamo Kiew spielte (1:1). Die Ukrainer waren unlängst wieder Meister der UdSSR geworden und befanden sich auf Gastspieltournee in Österreich – spielten zuvor gegen Sturm Graz (2:0, wobei Dynamo großteils nur Reservespieler aufgestellt haben soll).
In der ersten Halbzeit konnten die Eisenstädter gut mithalten und Rohrer gelang der zwischenzeitliche Ausgleichstreffer. Im zweiten Durchgang legten die Veilchen aber einen Gang zu und siegten glatt mit 4:1.

Nach zwei Niederlagen gegen die Wiener Top-Vereine kam nun Meister Wacker Innsbruck ins Lindenstadion. Dabei wurden Erinnerungen an das erste Nationalliga-Heimspiel im Jahr 1967 wach, als der SCE die Tiroler, die nun als Swarovsky Innsbruck ins Burgenland kamen, mit 1:0 besiegen konnte. Das Vorspiel bestritt die SCE-Rerserve im Rahmen der Reserve-Nationalliga B gegen die zweite Garnitur des BSV Enzesfeld-Hirtenberg.
3.000 Zuschauer bekamen eine interessante Partie zu sehen, bei der der SCE-Angriff aber total vom Glück verlassen war. Chance um Chance wurde herausgearbeitet, doch der Ball wollte einfach nichts ins Tor. Der Meister kam mit einem blauen Auge und mit einem 0:0 aus Eisenstadt davon. Dank dieses einen Punktes überholte der SCE den Wiener Sport-Club in der Tabelle und lag nun auf dem Dreizehnten und somit drittletzten Rang.

Die englische Woche mit Spielen in Graz gegen den GAK und bei der Salzburger Austria brachten nichts als lange Gesichter und den Absturz auf den vorletzten Platz – punktegleich mit Schlußlicht Bischofshofen. Beim GAK wäre durchaus ein Punktegewinn im Bereich des Möglichen gewesen. Nach einem Doppelschlag der Grazer in der 55. sowie 58. Spielminute reichte es dann nur mehr zum Anschlußtreffer durch Rohrer.

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In Salzburg hielt sich der SCE auch recht gut, war aber wie in der Steiermark vom Glück verlassen. Am Ende musste man sich mit 0:2 geschlagen geben.

Etwas nicht alltägliches gab es dann nach dem Schlußpfiff des Heimspieles im Lindenstadion zu sehen. Kaum bließ Schiedsrichter Schramm das finale Signal durch sein Pfeifferl, rannten mehrere begeisterte Zuschauer über das Spielfeld und in Richtung SCE-Trainer Günthner. Dieser wurde von den Fans auf ihre Schultern gehoben und im Triumphzug in die Kabine getragen. Es waren Freunde aus Linz – auch Fans des SK VÖEST, den der SCE an diesem Tag mit 1:0 besiegt hatte -, die damit ihren Landsmann ehrten.
Somit wurden beide bisherigen Saisonsiege gegen die Linzer Klubs eingefahren.
Es tauchte dann auch gleich das Gerücht auf, dass der LASK Herrn Günthner als Trainer haben wolle. „Das kommt überhaupt nicht in Frage“, tönte es diesbezüglich aus dem SCE-Lager.

Nun ging es zum vorletzten Auswärtsspiel der Herbstmeisterschaft wieder nach Salzburg – genauer gesagt zum Schlußlicht Bischofshofen. Das Reisebüro Südburg veranstaltete dazu sogar eine Schlachtenbummlerfahrt. Fall wer mitgefahren ist, wird er sich über das Spiel sehr geärgert haben, denn selbst beim Tabellenletzten – wo aber immerhin 4.500 Zuschauer anwesend waren – konnte man am Ende froh sein, ein 1:1 erreicht zu haben. Die Pongauer gingen in der 20. Minute in Führung, die Scheidl in der 72. Minute egalisieren konnte.

Die Herbstmeisterschaft ging schön langsam zu Ende und beim letzten Heimspiel bekamen es die Roten Husaren mit dem als „Millionentruppe“ bezeichneten Werkssportverein Alpine Donawitz zu tun, der immerhin Tabellenführer der Nationalliga und somit ein echter Anwärter auf den Titel „Österreichischer Meister“ war.
Seitens des SCE rechnete man aber immerhin mit einem Punkt sowie einer „steirischen Invasion“, denn im Vorfeld dieser Partie wurden schon 200 Karten aus der Obersteiermark vorbestellt.

Die Fans kamen in Scharen, an die 5.000 waren es, und es gab auch hie und da Raufereien zwischen SCE- und Alpine-Fans. Die Steirer kamen auch mit Transparenten, Kuhglocken und eine Song: „Ja, mir san mit’n Hansi da.“ Damit war ihr Idol Hansi Pirkner gemeint.
Die Donawitzer mussten Eisenstadt dann aber enttäuscht, niedergeschlagen  und einige mit blutenden Nasen wieder verlassen. Die Roten Husaren lieferten gegen die Alpine-Kicker eine große Sensation, denn sie gewannen 2:0, wodurch die Hüttenbuben vom Thron gestoßen wurden, wo nun Innsbruck platz nahm.

Es war eine der besten Leistungen der Eisenstädter – no na! bei all den restlichen Ergebnissen -, die auch die Fans zu wahren Freudenausbrüchen animierte. Nachdem es zur Pause noch 0:0 stand, brach Scheidl mit einem herrlichen Freistoßtor in der 63. Minute den Bann. Vier Minuten vor dem Ende traf dann Thometich I zum 2:0-Endstand.
Das Reisebüro Südburg zeigte sich nach dem dritten Saisonsieg auch sehr spendabel und jeder Spieler erhielt eine Siegesprämie in Höhe von 500 Schilling.

Mit diesem Erfolg schob sich der SCE sogar auf Platz Elf empor und musste nun im letzten Herbstspiel das zuvor Geleistete beim Wiener Sport-Club bestätigen. Die Dornbacher lagen auf dem vorletzten Platz, einen Punkt hinter den Roten Husaren.
Der SCE konnte sich jedenfalls gut auf dieses wichtige Spiel vorbereiten, denn wegen des Länderspieles gegen Italien (2:2)war am nächsten Wochenende spielfrei.

Das Auswärts-Pech blieb dem SCE aber auch in Hernals gegen die um keinen Deut bessere WSC-Elf hold. 0:1 lautete der Endstand vor knapp 3.400 Zuschauern, unter denen auch viele Burgenländer waren.

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Zum Ausklang des Jahre 1971 gastierte der SCE dann im Rahmen des ÖFB-Cups bei Mit-Abstiegskandidat Simmering. Diesmal gelang es aber immerhin auch einmal auswärts zu gewinnen. Auch wenn das Spiel nicht sehr berauschend war, ging der SCE als verdienter 1:0-Sieger (Thometich II) vom Platz der Simmeringer-Had.

Die Planung für die Frühjahrssaison begann und mit Freude wurde vernommen, dass am 1. Dezember 1971 SCE-Spieler Ferenc Scheidl die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen wurde.  Dadurch konnte man zukünftig auch Breznik, der bisher meist nur in der Reserve spielen konnte als einen der drei Ausländer aufstellen (neben Keeper Sostaric und dem zuletzt verletzten Gretzler).

Man machte sich aber nicht nur Gedanken über die Mannschaft, sondern dachte an die Verbesserung der Infrastruktur des Lindenstadions. Wie schon zu Beginn der Meisterschaft wurde auch nun das Spielfeld saniert und man war bestrebt, eine Überdachung der Zuschauerränge zu installieren, um die Fans nicht im Regen stehen zu lassen.

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Während des Trainingslagers in der Landessportschule Linz wurde am Anreisetag zugleich ein Testspiel gegen Eintracht Wels abgehalten, das der SCE mit 3:1 gewann.
Pech dann bei einem Spielchen untereinander stieß Otto Leskovich mit seinem Abwehrkollegen Scheidl zusammen, fiel unglücklich und brach sich das Handgelenk.
Als man die Besprechung für den ersten ernstzunehmenden Test gegen VÖEST abhielt wurde mitgeteilt, dass die Linzer das Spiel wegen der schlechten Bodenverhältnisse abgesagt haben. Somit reiste man ohne echte Standortbestimmung wieder zurück nach Eisenstadt, wo am Faschingsmontag der SCE-Ball im legendären Schwechaterhof abgehalten wurde.

Beim anschließenden Ungarn-Trip setzte es zwei Niederlagen für die Roten Husaren. Zuerst verlor man gegen Zweitdivisionär Dunaujvaros auf einem Schlackeplatz – vor 2.000 Zuschauern! – mit 0:3 und dann gegen Videoton in Szekesfehervar gar mit 0:4. In Stuhlweißenburg waren sogar 5.000 Zuschaeur zum Spiel gegen den österreichischen Erstdivisionär gekommen!

Wieder in Österreich mißlang die Generalprobe vor dem ersten Pflichtspiel – der Partie im ÖFB-Cup-Viertelfinale beim Wiener Sport-Club. Der SCE war zu Gast in Traiskirchen, gewann auch dank zweier Tore durch Fredi Eisele, zeigte sich aber keineswegs in Form.

Der leise Cuptraum war dann auch schnell ausgeträumt. Gegen den Wiener Sport-Club gab es – auch nach einigen fragwürdigen Schiedsricherentscheidungen – eine 0:2-Niederlage zu beklagen. Nun galt die volle Konzentration der Meisterschaft, die mit dem Spiel gegen die Vienna fortgesetzt wurde. Doch für das Spiel gegen die Döblinger waren fielen mit Seitl und Leskovich zwei Stützen aus und der Einsatz von Gretzler war sehr fraglich.

Der Deutsche wurde jedenfalls nicht fit und zu allem kam noch die Erkrankung des als Stürmer vorgesehenen Hafner über Nacht zu den Aufstellungssorgen hinzu. Es war zum Verzweifeln und das letzte Aufgebot von SCE-Trainer Günthner ging auf der Hohen Warte als 0:1-Verlierer vom schneebedeckten Platz.

Dafür galoppierten die Roten Husaren beim Heimspiel gegen den I. Simmeringer SC von Anfang an über ihren Gegner hinweg und vier Tore gab es schon lange nicht mehr in Eisenstadt. Der Konkurrent um einen Nichtabstiegsplatz wurde vorallem in der ersten Halbzeit klar beherrscht. Mit verantwortlich natürlich der Umstand, dass schon in der ersten Spielminute das 1:0 durch Thometisch II. Ferenc Scheidl, der an diesem Tag seinen 29. Geburtstag feierte, hatte die SCE-Abwehr gut organisiert, so daß die Wiener nur selten Gefahr auf das Gehäuse von Sostaric ausüben konnten.
In der 17. Minute gelang Leskovich das 2:0, in der 73. Minute schloß Eisele einen Konter durch Bajlicz eiskalt zum 3:0 ab, ließ dabei durch eine Körpertäuschung noch zwei Gegenspieler ziemlich alt aussehen. Den Schlußpunkt zum 4:0 setzte Hafner in der 88. Minute. Dabei stürmte er über das halbe Feld im Lindenstadion und schoß den Ball am herausstürzenden Simmering-Goalie Schröttner vorbei ins Netz.

Den Schwung vom Simmering-Sieg nahm der SCE auch mit in die Südstadt, wohin auch gut 2.000 Burgenländer gereist sein sollen. Vor knapp 4.500 Zuschauern wollten die Admiraner die Roten Husaren aus dem Sattel heben, aber nach einem 0:1-Rückstand (23., Willi Kreuz) gelang den Eisenstädtern in der 52. Minute durch Rohrer der Ausgleich und somit ein weiterer Punktgewinn.

Am Karfreitag 1972 erhellte das Flutlicht den oberen Teil des Schoßparkes. Zum Abendspiel war der SK Sturm aus Graz zu Gast und an die 7.000 Zuschauer füllten das Lindenstadion. Es dauerte zwar lange, bis der Großteil der Zuschauer erlöst wurde, aber immerhin konnten sie nach 90 Minuten zufrieden den Heimweg antreten, wobei wohl so mancher noch sehr lange gefeiert haben wird.
Die im Mittelfeld der Tabelle liegenden Grazer hatten ihre Taktik wohl auf ein 0:0 eingestellt und es sah lange danach aus, als sie auch aufgehen würde. Doch in der 76. Minute brachte Solleder seinen Klub auf die Siegerstraße. Nach schönem Zuspiel von Scheidl traf er aus spitzem Winkel wuchtig zum 1:0. Das 2:0 besorgte Leskovich in der 85. Minute.

Am Ostermontag gastierte der SCE in Kobersdorf, wo die neue Sportanlage eröffnet wurde. Vor den Augen von Landeshauptmann Theodor Kery gewann der SCE dieses Spiel mit 17:3.
Es wurde auch mitgeteilt, dass der SCE den durch einen Mittelsmann angebotenen ungarischen Stürmer Staphan Kojsza verpflichten werde. Kojsza spielte vorher bei Egri Dosza und Diosgyör, weilte vor kurzem in Österreich und entschloß sich, nicht mehr hinter den „Eisernen Vorhang“ zurückzukehren. Der 25jährige Ungar wurde getestet und „als den Mann, den Eisenstadt im Angriff brauchen könnte“ von Trainer Günthner befunden. Da er nach FIFA-Bestimmungen aber ein Jahr gesperrt ist, wird er sein Können frühestens im Frühjahr 1973 unter Beweis stellen können.

Am folgenden Wochenende spielte Österreich gegen die Tschechoslowakei, weshalb der SCE am darauffolgenden Mittwoch in Linz beim LASK um wichtige Punkte spielte.
Und siehe da! Diesmal klappte es auch auswärts – und das nach einem 0:1-Rückstand zur Pause. Leskovich glich in der 69. Minute aus und 15 Minuten vor dem Ende drehte Rohrer durch sein Tor das Spiel.

Mit breit geschwellter Brust erwartete der SCE nun die Austria aus Salzburg im Lindenstadion. 8.000 Menschen kamen, um das Spiel gegen den Tabellendritten zu sehen. Der SCE spielte gut und in der 20. Minute stockte den Zuschauern der Atem, denn nach einer Eisele-Flanke traf Hafner per Kopfball nur die Latte. In der 38. Minute fiel dann der einzige Treffer dieses Spieles – leider für die Salzburger, die einen Konter zum 1:0 abschließen konnten. Die große Chance auf den Ausgleichstreffer hatte kurz vor dem Pausenpfiff Alfred Eisele, der zum Elfmeter antrat. Seinen scharfen Schuß konnte aber Salzburg-Goalie Willi Kaipel mit einer glanzvollen Parade abwehren. 0:1 daheim gegen Salzburg – der Fluch hielt an!

Dann war wieder Spielpause für den SCE, da in der 15er-Liga jede Runde ein Team pausieren durfte und dann auch noch das WM-Quali-Spiel gegen Malta auf dem Programm des Nationalteams stand.

Nach gut drei Wochen Pause und dem 4:0-Sieg über die Malteser wartete eine schwere englische Woche auf die Roten Husaren. Zuerst mussten sie auf die Pfarrwiese und unter der Woche hatten sie dann die Wiener Austria zu Gast.
Beim SK Rapid – der zuvor die Austria im Cup mit 6:2 abschoß – leistete der SCE erbitterten Widerstand, doch das Glück war auf Seiten der keineswegs überragend spielenden Grünweißen aus Hütteldorf. Als Rapid nach der Pause das Tempo erhöhte, machte sich der Kräfteverschleiß beim SCE bemerkbar und in der 58. Minute traf Bjerregaard aus gut 20 Metern zum 1:0. Den 2:0-Endstand besorgte Geza Gallos in der 71. Spielminute.

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Strömender Regen begleitete dann das Heimspiel gegen die Austria aus Wien. Der SCE blieb dabei seiner Tradition treu – gegen die Wiener Veilchen noch keinen Punkt erobert zu haben. Die Austria gewann 2:0 – beide Tore fielen erst in der zweiten Halbzeit.

Es wurde aber nicht leichter, denn das nächste Auswärtsspiel fand am Innsbrucker Tivoli statt. Gegen den Titelverteidiger hoffte man, nicht unter die Räder zu kommen. Dieser Wunsch wurde erfüllt, doch obwohl man vor 9.000 Zuschauern ein gutes Spiel bot, blieb am Ende doch eine 0:1-Niederlage übrig. Nach diesen drei Niederlagen verschärfte sich die Lage des SCE in der Nationalliga. Zwar war Bischofshofen der letzte Platz wohl nicht mehr zu nehmen, doch um den – wahrscheinlich (falls die Liga auf 16 Vereine aufgestockt werden sollte) – rettenden, drittletzten Tabellenrang wurde heftig gekämpft. Nach 24 beziehungsweise 23 gespielten Partien (die Liga war dank einiger Spielabsagen etwas zerzaust) lag Simmering auf dem zweiten Abstiegsplatz (16 Punkte), davor belegten die Roten Husaren den angesprochenen 13. Platz (mit 17 Punkten) und der LASK lag auf Rang Zwölf (18 Punkte). Schon etwas sicherer lebte die Supertruppe von Admira-Wacker mit 21 Punkten auf Platz Elf der Nationalliga.

Auf ein Lebenszeichen hoffte man nun beim Heimspiel gegen den GAK und hoffte auf die Unterstützung der Zuschauer im Lindenstadion. Am Freitag wurde das Spiel allerdings abgesagt, da es zu stark geregnet hatte. Die Partie wurde auf Samstag verlegt, doch nach 45 Minuten war Schluß (Stand: 0:0). Zehn Minuten vor dem Pausenpfiff öffnete der Himmel alle Schleusen. An ein Weiterspielen war nicht zu denken (wie viele Jahre später mal gegen SV Donau sowie den SC Neusiedl/See).

Dieser Abbruch brachte zog ein dichtes Programm nach sich. Innerhalb von acht Tagen mussten die Roten Husaren nun drei Spiele austragen, von deren Ausgang die Nationalligazugehörigkeit ordentlich abhing.
Die drei Gegner hießen GAK, VÖEST und Bischofshofen. Seitens des SCE rechnete man mit vier Punkten und beim dritten Anlauf konnte das Spiel gegen die Grazer endlich über die Bühne gebracht werden. Und dies erfolgreich! Vor 2.500 Zuschauern boten die Eisenstädter eine gute Leistung und Thometich schoß schon in der vierten Minute – nach einem Idealpaß Eiseles – das 1:0. Hafner sorgte dann in der 75. Minute für Ruhe. Der SCE gewann 2:0 und machte sich auf die Reise nach Linz zum Titelanwärter SK VÖEST. Im Linzer Stadion nahm das Unheil aber schon nach wenigen Minuten seinen Lauf. Es regnete stark und in der vierten Minute verletzte sich Alfred Eisele nach einem Foul von Fendler, humpelte noch kurz mit, musste aber nach wenigen Minuten das Spielfeld verlassen. Das taktische Konzept war damit dahin. Aber beinahe wären die Roten Husaren in der neunten Minute in Führung gegangen: Rohrer überspielte alles, was ich ihm in den Weg stellte. Er legte den Ball ideal für Hafner auf, doch dieser zögerte zu lange. VÖEST-Goalie Höller konnte klären. Der SCE verlor mit 0:3 und nun musste das Salzburger Tabellenschlußlicht aus Bischofshofen geschlagen werden, um die Chance auf den Klassenerhalt am Leben zu erhalten.

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28Eisele in Linz

Am 1. Juni 1972 empfing der SCE den Fixabsteiger Bischofshofen im Lindenstadion. Vor 3.000 Zuchauern feierten die Eisenstädter ihren bisher höchsten Sieg in der Nationalliga. Gegen die an diesem Tag schwachen Salzburger dauerte es aber bis zur 28. Minute, bis das Eis gebrochen werden konnte. Scheidl verwandelte einen Elfmeter zum 1:0. Danach trafen Thomas (35.), Bajlicz (41.) sowie Eisele (43.) zur komfortablen 4:0-Pausenführung. In Halbzeit Zwei legten Leskovich (52.) und Thomas (70.) noch zwei Tore nach, womit der SCE einen 6:0-Sieg errang, der die Welt schon wieder etwas besser aussehen ließ. Aber nur etwas, denn Simmering gab sich noch nicht geschlagen und rangierte nur zwei Punkte hinter den Eisenstädtern. Nach vorne hatte der SCE zwei Punkte Rückstand auf die Vienna und den LASK.

Im Rahmen des 1. Rabnitztaler Volksfestes trat der SCE zu einem Freundschaftsspiel gegen den SV Steinberg an. Beim 4:2-Sieg wurde in der zweiten Halbzeit wurde auch erstmals der Ungar Kojsza eingesetzt, der sich dem schwachen Niveau seiner Mitspieler angepasst haben soll.

Die WM-Qualifikation legte die Nationalliga wieder lahm – Österreich siegte gegen Schweden 2:0. Zu dieser Zeit wurde es auch schon als gegeben betrachtet, dass die Liga auf 16 Vereine aufgestockt werde. Zudem glaubte man zu wissen, dass der SCE die Lizenz für das kommende Spieljahr erhalten werde.

Seitens der Roten Husaren wollte man aber auch auf dem Feld beweisen, dass man die Ligazugehörigkeit verdient hatte. Beim Auswärtsspiel in Donawitz mussten sich die Feldspieler aber gehörig beim SCE-Keeper Sostaric bedanken, dass es ein 0:0 gab. Der Tormann der Roten Husaren brachte die Steirer zur Verzweiflung und hielt seinen Kasten sauber.

Der Klassenerhalt wurde dann im Lindenstadion gegen den Wiener Sport-Club perfekt gemacht. Dank des Tores von Rohrer in der 25. Minute gewann der SCE das letzte Saisonspiel vor gut 4.000 Zuschauern mit 1:0 und überholte damit sogar noch Admira Wacker und den LASK aufgrund des Torverhältnisses.

In den Jubel über den Klassenerhalt legte sich die Trauer über das Ableben von Jugendtrainer Werner Pusztai, der nach langem Leiden im Alter von nur 33 Jahren verstarb. Unter seiner Betreuung wurde die SCE-Jugendmannschaft zweimal österreichischer Staatsmeister!
Als Leiter der SCE-Jugend ließ er 1970 auch international aufhorchen: Die von Joschi Granabetter trainierte SCE-Jugend belegte bei einem Osterturnier in Deutschland Platz Zwei hinter den Altersgenossen der Glasgow Rangers!
„Wir haben nicht mit diesem Erfolg gerechnet. Der zweite Platz bedeutet jedenfalls eine große Überraschung.“, erklärte Werner Pusztai damals. SCE-Tormann Buchinger wurde zudem zum besten Spieler des Turnieres erkoren. Der SCE gewann zunächst gegen den Gastgeber Fortuna Weisweiler mit 1:0 (Pinterits), dann gab es ein torloses Remis gegen Dührwies und anschließend wurde Alemannia Aachen 2:0 geschlagen. Im Endspiel erreichten die jungen Eisenstädter ein 0:0 gegen die Schotten, denen der Turniersieg dank der Fairneßwertung zugesprochen wurde. Hier waren die Rangers um vier Punkte besser – das waren zwei indirekte Freistöße.

Nachdem die Nationalliga-Zugehörigkeit erreicht wurde, wurde an die SCE-Funktionäre appelliert, dem „Zittern und Bangen“ in der kommenden Saison ein Ende zu bereiten.
Die ersten Transfers wurden auch schon gleich in die Wege geleitet. Während Hafner seine Erwartungen nicht erfüllen konnte und zu seinem Stammverein (Wiener Sport-Club) zurückkehrte, wurde Hubert Varga vom SV Schachendorf erworben.
Als möglicher Zugang wurde auch der Goalgetter des ASV Siegendorf – Alfred Kirschner – gehandelt, während man den Rapid-Dänen Bjerregaard als zu teuer fand. Abgegeben wurden dann noch Waler Seitl (Hütteldorfer AC) sowie Gerhard Horvath, der mit dem SK VÖEST in Verbindung gebracht wurde.

Würde es nun endlich klappen, eine Saison ohne Abstiegssorgen zu erleben?

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

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