Die „Roten Husaren“ (08/1969 – 07/1975) – Teil IV – Der nächste Versuch

Teil Vier der Saga…

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Voller Tatendrang wurde an der Mannschaft für das zweite Nationalliga-Jahr seit dem Wiederaufstieg gebastelt. Die Liga war inzwischen wie erwartet auf 16 Vereine aufgestockt worden. Der SC Roter Husar Eisenstadt konnte sich auf Spiele gegen Meister Innsbruck; die Angstgegner Austria Wien, Austria Salzburg und Rapid Wien; die Linzer Klubs SK VÖEST und LASK; die steirischen Vertreter Alpine Donawitz, SK Sturm und GAK, die zweite Wiener Garde First Vienna FC 1894 und Wiener Sport-Club, den NÖ-Spitzenklub Admira Wacker sowie auf die drei Neulinge Austria Klagenfurt, Admira Wiener Neustadt und Schwarzweiß Bregenz freuen.

Am 10. Juli versammelte Trainer Günthner erstmalig seine Schützlinge zum Training. Neben dem Trainingslager, das Ende Juli in Güssing stattfinden wird, wurden auch gleich die Testspielgegner der Öffentlichkeit präsentiert. Zuerst war ein Spiel beim SV Neuberg, der sein zehnjähriges Jubiläum feierte, geplant, anschließend sollten noch Spiele gegen Güssing, Rechnitz, Schattendorf und den Hütteldorfer AC stattfinden.
Auf dem Transfersektor tat sich auch noch einiges: Strebele, Kirschner, Bruck und Varga wurden als Neuzugänge präsentiert. Thomas konnte fix erworben werden, Hafner sollte doch noch für ein Jahr gehalten werden, Breznik wurde an den SV Rechnitz verliehen, auch Gerhard Hitzel ging nach Rechnitz, Otto Liesbauer wechselte in die Casino-Stadt Baden, Thometisch heuerte beim 1. Wiener Neustädter SC an und die Nachwuchsspieler Kundak und Zoffmann wurden an Mattersburg bzw. an den ASK Baumgarten abgegeben.

Es wurden auch die Verhandlungen mit dem Weingut Höld abgeschlossen. Dabei konnte der Sponsorvertrag um ein weiteres Jahr verlängert werden, und nun trug der SCE auch offiziell den Namen „SC Roter Husar Eisenstadt“.

Faksimile – BF-Onlinearchiv:

Bevor es in den Landessüden ging, wurde noch ein Testspiel gegen den SV St. Margarethen eingeschoben, bei dem man den jugoslawischen Stürmer Borevec testete. Vor 500 Zuschauern erlitt der Nationalliga-Klub eine blamable 1:3-Niederlage und sorgte dazu noch für etwas Bluthochdruck: (BF) „So nicht, Herr Scheidl!“ (…) Daß der Landesligaklub in der Spielanlage dem Nationalligisten klar überlegen war, und daß der St. Margarethener Ella Zeichmann den „Stars“ der Hauptstädter eine Lektion im produktiven Spiel erteilte und seine Mannschaft zu einem völlig verdienten 3:1-Sieg führte, sei nur am Rande erwähnt.
Doch ein Ereignis in der 70. Minute verlangt es, besonders aufgezeigt zu werden, da solche Handlungen eines („Spitzen“)-Spielers auf das schärfste zu verurteilen sind. Als Miehl zum 3:1 für St. Margarethen einschoß, kritisierte Solleder die Entscheidung des Referees und wurde von diesem ermahnt. Diese Ermahnung ging Scheidl anscheinend gegen den Strich, so daß er zu den beiden hinspurtete und den Schiedsrichter mit der Brust von Solleder wegdrängte (bei strenger Auslegung könnte man fast von einer Insultierung reden), und verfiel dafür dem Ausschluß. Der SC Eisenstadt, dessen Anhänger in ganz Burgenland zu finden sind un der bestrebt ist, durch gute Leistungen der Mannschaft neue Anhänger für den Klub zu finden, scheint bei den eigenen Spielern auf wenig Gegenliebe zu treffen. Was die Mannschaft in Sankt Margarethen produzierte sowie die Handlung von Scheidl gegen den Schiedsrichter sind nicht dazu angetan, neue Freunde zu gewinnen. (…) So wird es dem Klub nicht gelingen, neue Anhänger zu finden. Und als Vorbild für die Jugend können Spieler, die gegen den Schiedsrichter vorgehen, nicht angesehen werden.

Der Kracher dieses Sommers sollte aber schon in der nächsten Woche verkündet werden:  Der SC Eisenstadt verpflichtete Jörn Bjerregaard vom SK Rapid!
Schon beim Spiel in Neuberg, dem gut 1.500 Menschen beiwohnten, wirkte der Däne mit und schoß dabei auch ein Tor. Ein Wolkenbruch hatte das Spielfeld in eine Rutschbahn verwandelt, auf dem SCE etwas besser zurechtkam, und 11:1 gewann. Nach seiner langen Verletzungspause war auch wieder der Deutsche Gretzler in der Mannschaft. Die SCE-Tore in Nova Gora schoßen Varga (2), Strebele (2), Rohrer (2), Thomas, Gretzler, Eisele, Bajlicz und Bjerregaard.

Das Trainingslager in der idyllisch gelegenen Bauernschule in Güssing wurde zur intensiven Vorbereitung auf die neue Saison genutzt. Um 8.30 wurde gefrühstückt. Dann folgten taktische Besprechungen, danach stand ein ausgedehnter Waldlauf auf dem Programm. Um 10 Uhr wurde auf dem Güssinger Sportplatz Kondition trainiert. Nach dem Mittagessen wurde bis 15 Uhr Siesta gehalten, anschließend wurde bis 17.30 Uhr traniert. Nachtruhe war ab 22 Uhr verordnet.
Getestet wurde natürlich auch und unter der Güssinger Burg kam es zum Duell mit dem Güssinger SV. Der von Eisele perfekt in Szene gesetzte Bjerregaard erntete vom Güssinger Publikum Szenenapplaus und schoß beim 9:1-Sieg drei Tore.

Nach dem Trainigslager wurde gegen den SV Mattersburg getestet, bei dem der Ex-SCE-Spieler Thometisch einen perfekten Einstand feierte. Der SV Bismark-Weine Mattersburg schlug nämlich dank seines Tores in der 84. Minute den SC Roter Husar Eisenstadt mit 1:0.

Der Start in der Nationalliga rückte immer näher und mit Fortdauer der Vorbereitung gewann man beim SCE an Selbstvertrauen. „Wir rechnen in der kommenden Meisterschaft sicher mit einem guten Mittelfeldplatz.“, so der allgemeine Tenor der SCE-Verantwortlichen.

Ehe es nun zum Saisonauftakt gegen die aufgrund der Aufstockung dem Abstieg entronnene und wegen des Transferaufwands als „Millionenteam“ bezeichnete Mannschaft von Admira-Wacker ging, fanden zum Abschluß der Vorbereitung die Spiel in Rechnitz und in Schattendorf statt. In Rechnitz bot der SCE den 1.300 Zuschauern eine gute, temporeiche Partie, die mit einem 4:0-Sieg der Eisenstädter endete. Thomas geland schon in der ersten Minute das 1:0, danach erzielte Strebele die restlichen drei Tore 827., 42. und 75.).
Am nächsten Tag wurde dann der SV Schattendorf mit 10:1 besiegt.

Am kommenden Freitag zählte das aber alles nichts. In der Südstadt wurde das Flutlicht eingeschalten und wenig später ließen viele Fans aus dem Burgenland das Auswärtsspiel fast wie ein Heimspiel erscheinen. Rings um das Stadion standen sehr viele PKW mit einem „B“ auf dem Kennzeichen.
Gegen die Admira hatte der SCE bisher noch keine Niederlage hinnehmen müssen und rechnete gegen Demantke, Strasser, Füllenhals, Pribil, Herzog, Cerny, Kaltenbrunner und Co. zumindest mit einem Punkt. Die Admira hingegen war von einem klaren Sieg überzeugt, war dazu selbst aber nicht imstande. Sie mußten erst auf einen schweren Patzer von SCE-Keeper Sostaric warten. Dieser wurde in der 36. Minue durch Kaltenbrunner beim Ausschuß behindert, schoß dabei so schlecht aus, daß der Ball zu dem völlig freistehenden Gassner kam, der aus 25 Metern seelenruhig zum 1:0 einschießen konnte.
Der traurige Höhepunkt dieser Partie folgte in der 82. Minute: Bei einem Zusammenprall zwischen Solleder und Strasser wurde der am Boden liegende SCE-Spieler von Strasser ins Gesicht getreten. Erwin Solleder revanchierte sich und sah von Schiedsrichter Bucek die rote Karte.

Nach der vierten Auftaktniederlage seiner fünften Nationalliga-Saison hatte der SCE nun eine englische Woche mit dem Freitag-Heimspiel gegen Donawitz und der Auswärtspartie am Mittwoch in Graz gegen den SK Sturm vor sich.

Am Freitag pilgerten 5.000 Zuschauer ins Lindenstadion und sahen eine ambitioniert spielende Mannschaft des SCE, die von Beginn an das Zepter in die Hand nahm. Bereits in der dritten Minute hallte unglaublicher Jubel durch den Schloßpark: Jörn Bjerregaard schoß sein erstes Meisterschaftstor für die Roten Husaren! In der 52. Minute erhöhte Strebele auf 2:0 und in der 68. Minute trat Alfred Eisele zum Eckball an, Gretzler verlängerte zu Strebele, der seinen zweiten Treffer erzielte. 3:0 für den SCE. Alle freuten sich. Alle? Nein, ein Burgenländer verließ zur Halbzeit verärgert das Lindenstadion.
Politiker kommen eben auch gerne zum Fußball – vorallem, wenn viele Zuschauer anwesend sind und der Verein Erfolge hat. So auch an diesem Abend. Ein Landespolitiker wollte den Eisenstädtern einen Matchball spenden, verlange aber, daß seine gütige Geste dem Publikum mitzuteilen sei. Da man keine Wahlwerbung im Stadion abhalten wollte, lehnte man dies ab.

Am Mittwoch war der SCE in Graz nicht sehr überzeugend und mussten sich 0:1 geschlagen geben. Anschließend ging es im Rahmen der ersten ÖFB-Cup-Hauptrunde nach Innsbruck. Gegen den IAC hatten die Roten Husaren hart zu kämpfen und erst das späte Tor durch Alfred Kirschner in der 74. Minute erlöste die Burgenländer.

Da das Nationalteam in Rumänien gastierte (1:1), war längere Zeit Pause in der Liga. Der SCE nutzte die Zeit, um die Errichtung einer Überdachung der Tribüne sowie die Erneuerung der Flutlichtanlage in Angriff zu nehmen.

Der Meisterschaftsbetrieb wurde am 15. September 1972 mit dem Heimspiel gegen den GAK fortgesetzt. Es regnete in Strömen, doch den gut 3.500 Zuschauern machte das überhaupt nichts aus, denn sie standen nun unter der grünen Stahlkonstruktion, die dem Lindenstadion diesen ganz besonderen Reiz verlieh! Die Mannschaft trug das Ihre zu diesem denkwürdigen Tag bei: In der siebten Minute tönte der berüchtigte „Roar“ erstmals unter dem Tribünendach. Nach einem Foul an Gretzler bei der Eckfahne, brachte Eisele den Freistoß vor das GAK-Tor, wo Bajlicz per Kopf zum 1:0 traf. Nach 20 Spielminuten übernahmen dann die Gäste das Kommando und kamen in der 24. Minute zum Ausgleich. Doch keine sechs Minuten später hallte erneut großer Jubel durchs Stadion: Nach Paß von Eisele düpiert Bjerregaard den Grazer Maier und schoß im Stil eines echten Profis zum 2:1 ein. Diesmal blieb den Zuschauern der Jubel aber gleich im Halse stecken, denn drei Minuten nach dem 2:1 stand es 2:2. Da hatte die SCE-Abwehr gehörig geschlafen. Mit 2:2 ging es in die Kabinen. Nach dem Seitenwechsel übernahm der GAK das Spielgeschehen, aber mitten in die ärgste Drangperiode der Gäste fiel der erlösende Treffer für die Roten Husaren. Wieder war es Eisele, der einen weiten Paß perfekt zu Thometisch brachte. Dieser schoß trocken zum 3:2 ein (76.). Dann gab es noch einen SCE-Lattenschuß und der GAK traf noch die Stange, ehe es gegen Ende zu einigen Härteeinlagen kam. Dem Schiedsrichter drohte die Partie aus den Händen zu gleiten und zwei Minuten vor dem Schlußpfiff schloß er Alfred Eisele aus.

Eine weite Reise führte den SCE zum nächsten Auswärtsspiel zu Aufsteiger Bregenz, wo es durch ein 2:2 einen weiteren Punktezuwachs zu verzeichnen gab. Bjerregaard und Thometisch trafen für die Eisenstädter.
Nun erwartete man sich auch vom Heimspiel gegen die Vienna weitere Punkte. Der SCE-Anfgriff präsentierte sich den 4.500 Zuschauern als ziemlich zahnlos, auch sonst ließ nicht fiel zusammen und am Ende gab es die dritte 0:1-Niederlage der Saison.

Eine Leistungssteigerung war dann in Klagenfurt zu erkennen, und was besonders wichtig war, war der 1:0-Sieg, den der SCE in Kärnten erringen konnte. Strebele in der 62. Minute das Goldtor.

Nächster Gast im Lindenstadion war Meister Innsbruck. Das Spiel lockte gut 5.000 Besucher an und ließ es zum bestbesuchten Nationalliga-Match dieser achten Runde werden. Darunter sollen auch jene SCE-Fans gewesen sein, die laut „BF“ nach der Niederlage gegen die Vienna „Nie wieder!“ gesagt haben sollen.
Der SCE kämpfte, musste die Feldüberlegenheit des Meisters aber neidlos anerkennen. Es hätte aber immerhin für ein 0:0 reichen können, wäre da nicht das aberkannte Thometisch-Tor gewesen sowie – was viel schlimmer war – das Blackout von Keeper Sostaric. Edo Sostaric rannte in der 35. Minute völlig unmotiviert gute 30 Meter ins Spielfeld. Kurt Jara hatte da wenig Mühe, den Ball im hohen Bogen ins verlassene SCE-Tor zu schießen. Eine weitere, auf diese Art und Weise zustande gekommene völlig unnötige Niederlage, die einer sorglosen Saison im Wege stand.

Wegen des WM-Qualifikationsspieles gegen Ungarn (2:2) kehrte für 14 Tage wieder Ruhe im Nationalligabetrieb ein. Der SCE testete in diesem Zeitraum zunächst gegen Videoton Székesfehérvár im Lindenstadion (2:2) und konnte sich dann gegen den Hütteldorfer AC so richtig austoben (10:0).

Es warteten nun aber keineswegs leichte Aufgaben auf die Eisenstädter. Nein, es warteten nämlich die beiden Wiener Großklub Austria und Rapid.
Den Anfang machte das Auswärtsspiel gegen die Wiener Austria, die auf dem Sport-Club-Platz spielte. Und siehe da! Die Roten Husaren ritten über die Veilchen einfach hinweg: Bjerregaard traf in der achten Minute zum 1:0. Nach der Pause stellte Strebele auf 2:0 und in der 77. Spielminute traf der Ex-Rapidler vor kaum 1.500 Zuschauern zum 3:0 für den SC Eisenstadt.

Um nach den letzten Heimniederlagen und der auf Hochbetrieb herrschenden Weinlese im Burgenland den Fans den Besuch des Spieles gegen den SK Rapid schmackhaft zu machen, wurde der Spielbeginn am Samstag auf 17.30 verschoben und Attraktionen wie Tombola und dem Einfliegen des Matchballes per Fallschirmspringer angekündigt.

Die Bemühungen der SCE-Funktionäre hatten sich gelohnt. An die 8.500 Zuschauer strömten ins Lindenstadion. Um den SCE gegen den Europacup-Fighter Rapid zu sehen, wurden die Trauben an diesem Tag wohl etwas schneller gelesen. Die Fallschirmspringer begaben sich aus luftiger Höhe hinab richtung Schloßpark, doch der Wind bließ so stark, dass diese das Stadion verfehlten. Die Rapidler, in deren Reihen das Talent Johann Krankl stand, begannen gleich sehr ambitioniert. Die SCE-Abwehr hatte viel zu tun, hatte die Gäste aber gut in Griff.
Die Eisenstädter fanden gute Torchancen vor, scheiterten aber – einmal auch an der Latte. In der 70. Minute konnte der Favorit den Bann aber brechen, Gallos erzielte das 1:0. Sehr lobenswert waren in dieser Situation auch die SCE-Fans, die nach dem Verlusttreffer die Mannschaft lautstark nach vorne peitschte. Der Kampfgeist wurde schlußendlich auch belohnt: Alfred Eisele gelang in der letzten Minute dieses tollen Spieles der 1:1-Ausgleichstreffer.

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Damit haten die Roten Husaren drei Punkte gegen die „Großkopferten“ eingespielt und lagen nach zehn Runden punktegleich mit den Austrias aus Salzburg und Wien auf Rang Acht.

„Gut gespielt und trotzdem verloren!“, hieß es nach dem Auswärtsspiel in Linz, das der SCE gegen den SK VÖEST 0:1 (wieder einmal) verlor. Milovanovich traf in der elften Nationalliga-Runde in der elften Minute per Elfmeter ins Tor von Sostaric.

Einen Massenbesuch erhoffte man sich beim Heimspiel gegen die zweite Linzer Mannschaft, die die Liga gehörig aufwühlte. Der LASK lag nach dem 2:1-Sieg auf der Pfarrwiese gegen Rapid auf Platz Zwei. Es kamen 4.500 Zuschauer, doch zufrieden konnte nur LASK-Trainer Otto Baric mit seinen Spielern sein, denn die gewannen mit 3:0.

Die beiden Niederlagen gegen die Klubs aus der oberösterreichischen Landeshauptstadt ließen den SCE auf Platz Zwölf absacken. Der Abstand nach hinten betrug auch nur beunruhigende zwei Pünktchen. Zwar lagen Bregenz und die Admira aus Wiener Neustadt abgeschlagen im Tabellenkeller (je vier Punkte), aber der 14. Rang, der ebenfalls den Abstieg bedeuten würde, war nicht fern. Noch lag die Vienna auf diesem Tabellenplatz (acht Punkte) und mit einem Punkt mehr rangierte der SK Sturm Graz auf Rang 13.

Das nächste Auswärtsspiel führte den SCE an jenen Ort, wo er ein paar Wochen zuvor ein grandioses Spiel gegen die Austria bot – den Sport-Club-Platz. Doch diesmal ging es nicht gegen den Untermieter sondern gegen den Platzherren. Den WSC wollten auch viel mehr Leute sehen, nämlich 3.500. Nach dem Spiel war man beim SCE sprachlos. Um es kurz zu machen: Die Hernalser gewannen nach einer der schlechtesten Leistungen des SCE mit 3:0.
Für Aufregung sorgte eine Szene: Nachdem Thometitsch in der 73. Minute elferreif gefoult wurde und am Boden lag, war SCE-Trainer Günthner auf ein Zeichen des Schiedsrichters auf das Spielfeld gegangen. Ein Ordner versuchte daraufhin Günthner vom Platz zu zerren.

Kurz vor dem Ende der Herbstmeisterschaft wurde die Lage durch diese Niederlagenserie bedrohlich, da der Vorsprung auf die Abstiegsplätze durch die Siege der Vienna (3:1 gegen Bregenz) und Admira Wiener Neustadt (3:2 gegen VÖEST) schmolz.

Angesichts des Abwertstrends sowie der ganz schlechten Bilanz gegen den nächsten Gegner – Austria Salzburg – kamen kaum 1.000 Zuschauer ins Lindenstadion. Ja, wer „ang’fress’n“ daheim geblieben ist, hat was versäumt! Alfred Eisele hat es vor dem Spiel versprochen: „Es wird bis zur letzten Minute gekämpft!“ Er kämpfte für zwei und schoß auch den wichtigen ersten Treffer kurz vor der Pause. Auch der Deutsche Gretzler war an diesem Abend einer der besten Spieler des SCE, musste aber frühzeitig wegen einer Verletzung vom Feld (64.). für ihn kam der Ungar Kojsza ins Spiel und bezwang sechs Minuten später Salzburg-Goalie Willi Kaipel zum 2:0-Endstand. Dies war der erste Sieg über Austria Salzburg!

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Bevor das letzte Meisterschaftsspiel stattfand, hatte der SCE die Klagenfurter Austria im ÖFB-Cup-Achtelfinale zu Gast im Lindenstadion. Es kamen nur um knapp 700 Menschen mehr, als zuvor beim Sieg über die Austria aus Salzburg. Der Deutsche Lother Emmerich brachte die Lindwurmstädter auch gleich in der ersten Spielminute in Führung, doch in der Folge kam der SCE zu einem klaren 3:1-Sieg, und das, obwohl so manche weitere Torchance vernebelt wurde. Bjerregaard, Bajlicz und Strebele sorgten in der zweiten Halbzeit für die drei Treffer des SCE, die die Teilnahme am Viertelfinale sicherten.

Für den Herbst hatte der SCE 14 Punkte eingeplant gehabt. Somit fehlten vor dem letzten Spiel noch zwei, die mit einem Sieg gegen Admira Myrle Mill Wiener Neustadt eingefahren werden sollten.
Das Plansoll konnten die Roten Husaren vor 7.000 Zuschauern (gut die Hälfte aus dem Burgenland) nicht erfüllen. Mit der Favoritenrolle stand der SCE auf Kriegsfuß, konnte seine Klasse nicht zur Geltung bringen und war dazu noch vom Glück verlassen. Dreimal krachte das Gebälk von Admira-Tormann Pieringer. Der Ball wollte einfach nichts ins Tor. Außer natürlich in jenes von SCE-Keeper Leurer. Rudi Flögel schoß in der 44. Minute das einzige Tor dieses Spieles.

Unnötige Niederlagen verhinderten, dass der SCE im gesicherten Mittelfeld überwintern konnte. Man hatte drei Punkte Rückstand auf das Duo Austria Wien und Austria Klagenfurt, war punktegleich mit der Vienna und hatte nur zwei Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, auf dem Sturm Graz lag. Die Admira aus Wiener Neustadt war nur vier Punkte entfernt, dafür aber Schwarzweiß Bregenz mit vier Zählern schon weit abgeschlagen.

Zu jener Zeit tagte auch die Mitropa-Cup-Kommission in Eisenstadt, in dem Ex-SCE-Funktionäer und jetztiger Nationalliga-Funktionär Dr. Hans Tschank die Interessen Österreichs vertrag. Es soll dabei auch der Beschluß gefallen sein, dass der SC Eisenstadt 1973 am Mitropa-Cup Österreichs Vertreter sein soll, sofern er die Nationalligazugehörigkeit behält. Wie wir aber alle wissen, nahm der SCE erst viele Jahre später am Mitropa-Cup teil. 1973 hieß der alpenländische Vertreter Vorwerk Vorarlberg.

Kurz vor Weihnachten wurde die provisorische Spielbewilligung für den Ungarn Kojsza vom ÖFB wieder aufgehoben, da der Ungarische Fußballverband dagegen Einspruch erhob.

Im Rahmen der Fortbildung der NL-Trainer wurde beschlossen, drei Trainer ins Ausland zu entsenden. Die Wahl fiel dabei naben Senekowitsch und ÖFB-Trainer Gernhardt auch auf SCE-Trainer Günthner.  Den Auserwählten sollte dabei die Möglichgkeit geboten werden, bei einen europäischen Spitzenklub den Trainingsbetrieb kennenzulernen.
Für den GAK-Trainer Helmut Senekowitsch ging es zu Lazio Rom, ÖFB-Trainer Gernhardt machte sich auf zu Ajax Amsterdam und für den Roten Husaren ging es nach London zum Arsenal Football Club.

Nach gut einmonatiger Pause wurde das Training wieder aufgenommen. Da Trainer Günthner ja in London weilte, übernahm vorerst sein Co. „Schanta“ Wlaschitz das Kommando. Für eine etwas gehobenere Vorbereitung hatte die Nationalliga einen Winterbewerb eingeführt, an dem der SCE nicht teilnahm, da man in Verhandlungen für Spiele gegen zwei CSSR-Klubs sowie MTK Budapest stand. Da sich diese Verhandlungen zerschlugen, wurde ein Trainingslager in Linz und eine Reihe von Testspielen gegen unterklassige Teams organisiert.

Der Winterbewerb – auch Länderbank-Cup genannt – wurde in drei Gruppen á vier Teams veranstaltet. Doch selbst ein schneearmer Winter ließ keinen geordneten Spielverlauf zu. Die Gruppe 2 war durch Absagen mit ihren Spielen restlos im Rückstand. Die Gruppe 3 konnte alle Spiele durchführen: Alpine gewann vor Sturm, GAK und Austria Wien.

Bezüglich dem Ungarn Kojsza tat sich auch etwas: Es wurde laut, dass er mit Ende März wieder die Spielbewilligung erteilt bekäme und dass sich Admira Wiener Neustadt um eine Verpflichtung bemühte.

Nach seiner Rückkehr aus dem Empire wurde Trainer Günthner gleich befragt:
BF: Herr Günthner, im Auftrag des ÖFB waren Sie eine Woche lang bei Arsenal London, um dort die Trainingsmethoden zu studieren. Welche Eindrücke konnten Sie dabei gewinnen?
Günthner: Ich wurde bei Arsenal sehr herzlich aufgenommen und hatte Gelegenheit nicht nur das Trainingsprogramm, sondern den gesamten Vereinsablauf kennenzulernen. Arsenal ist ein Profiklub, der wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt wird. Zur Illustration möchte ich sagen, daß der Verein 20 Angestelle beschäftigt. Arsenal hat 24 Profifußballer unter Vertrag, zu denen noch 12 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren dazukommen. Für diese 36 Spieler stehen drei Trainer zur Verfügung.
BF: Wie ist die körperliche Verfassung der Arsenalspieler und hatten Sie auch Gelegenheit ein Spiel zu sehen?
Günthner: Die Kondition jedes einzelnen Spielers der Engländer muß als hervorragend bezeichnet werden. Davon konnte ich mich beim Cupspiel zwischen Lester [sic; dem Reporter dürfte nicht bekannt gewesen sein, dass die Stadt zwar so ausgesprochen aber Leicester geschrieben wird] und Arsenal überzeugen. Das Spiel selbst wurde im richtigen Cupstil durchgeführt und zeigte, daß die körperliche Verfassung der Spieler wirklich einmalig ist. Spielerisch blieb aber so mancher Wunsch offen.
BF: Welcher Unterschied besteht zwischen dem englischen und dem österreichischen Fußball?
Günthner: Obwohl ich die Ergemisse meines Englandbesuches noch nicht ausgewertet habe, worüber ich dann vorerst dem ÖFB berichten muß, konnte ich feststellen, daß der Unterschied vor allem darin zu suchen ist, daß in England ein reiner Professionalfußball besteht und daß die Spiler diesen Beruf wirklich sehr ernst nehmen.
BF: Konnten Sie aus dem Arsenal-Trainingsprogramm etwas herausfinden, das in das Programm des SC Eisenstadt eingebaut werden könnte?
Günthner: Das Training bei Arsenal war für mich sicherlich sehr aufschlußreich, doch glaube ich, daß wir mit den Engländern trainingsmäßig ohne weiteres auf eine Stufe zu stellen sind.

Übrigens: 1972/73 wurde der Arsenal Football Club Vizemeister unter Trainer Bertie Mee, der seit 1966 bei den Gunners war.
Im FA-Cup endete das Spiel gegen Leicester City im Highbury Stadium 2:2, wodurch es zu einem Wiederholungsspiel an der Filbert Road kam, das Arsenal 2:1 gewann. Nach Siegen gegen Bradford City, Carlisle United und Chelsea im Replay, war im Halbfinale im Sheffielder Hillsborough gegen Sunderland Endstadion. Die Black Cats aus der Küstenstadt gewannen dann auch das Finale gegen Leeds United.

Durch einen in Österreich tätigen Manager wurde dem SCE ein Spiel gegen den achtfachen schwedischen Meister IFK Norrköping angeboten, das am 20. März durchgeführt werden sollte. Um den Fans etwas Besonderes zu bieten, nahm der SCE das Angebot an.
Als man aus dem Trainigslager kam, waren Spiele gegen die Budapester Klubs Vasas und Ferencvaros vorgesehen, doch Vasas sagte aus Termingründen ab und die Grünweißen teilten mit, daß der Platz nicht bespielbar sei.
Der SCE reiste aber dennoch nach Ungarn. Zwar nicht sehr weit, denn man landete im alten Ödenburg, wo gegen den Landesligisten Textil-Sopron gespielt wurde. Nach einem 1:1 konnten die SCE-Verantwortlichen aber nicht zufrieden sein. Auch nach dem nächsten Spiel, das in Simmering 1:1 endete, blickte man mit gemischten Gefühlen zum ersten großen Spiel dieser Saison: Vor dem Meisterschafsstart fand nämlich das ÖFB-Cup-Viertelfinale, das mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wurde, statt.
Das erste Spiel endete im Lindenstadion gegen Swarovski Innsbruck 2:2, wobei Scheidl einen Elfmeter vergab. Das Rückspiel fand dann vorerst gar nicht statt, da das Tivoli nicht bespielbar war – nächster Termin: 3. April.

Nun begann aber der Start in die Frühjahrsmeisterschaft. Das Unternehmen „Klassenerhalt“ bekam aber gleich einen ordentlichen Dämpfer: Im Lindenstadion setzte es eine 1:2-Niederlage gegen Admira Wacker. Kaltenbrunner brachte die Admira in der siebten Minute in Führung und erhöhte in der 76. auf 2:0. Bjerregaards Treffer drei Minuten später war zu wenig.

Ein Gretzler-Tor fünf Minuten vor Spielende bescherte den Roten Husaren dann zumindest einen Punkt in Donawitz. Inzwischen war der 20. März 1973 auch schon längst vergangen und vom Spiel gegen den schwedischen Top-Klub, das wohl doch nicht stattgefunden hat, wurde kein Wort geschrieben.

Das folgende Heimspiel war ein ganz ein wichtiges in dieser Saison. Es kam nämlich der unmittelbare Abstiegskonkurrent SK Sturm Graz ins Lindenstadion. Doch statt des Pflichtsieges herrschte nach diesem Match Katerstimmung bei den Roten Husaren. Das Dargebotene wurde als „Landesliganiveau“ bezeichnet und in Anbetracht dessen konnte man sich glücklich schätzen, nur – und schon wieder – 0:1 verloren zu haben.

Die höchse Alarmstufe wurde aus- und eiligst eine Vorstandssitzung einberufen. Dabei wurde unter anderem über die Ablöse von Trainer Günther gesprochen. Als mögliche Nachfolger geisterten die Namen Stotz, Pesser, Hof und – man lese und staune – Dr. Schleger (!) herum.
Das Resüme dieser Sitzung: „Es muß was geschehen.“ (no na!)

Diese Sitzung war am Sonntag und am Mittwoch wurde Günthner als SCE-Trainer entlassen. Zuvor am Dienstag war der SCE in Innsbruck zu Gast und verlor das Viertelfinal-Rückspiel des ÖFB-Cups mit 2:5.
Neuer Husaren-Chef wurde der Deutsche Adolf Remy. Als Hauptgrund für die Entlassung Günthners wurde der zu enge Kontakt zwischen Trainer und Spielern angegeben.
Die Spieler des SCE waren mit dieser Entscheidung aber nicht einverstanden und protestierten per Schreiben an den Vorstand über die Entlassung Günthners. Sie ersuchten den Vorstand, Günthner noch eine Chance über drei bis vier Spiele zu geben.
Das Bemühen blieb ohne Erfolg. Der im Herbst vom SK Sturm gefeuerte Hamburger Remy übernahm den SCE und reiste als klarer Außenseiter nach Graz zum GAK. Die Wogen hatten sich mittlerweilen auch schon wieder beruhigt und Remy feierte einen guten Einstand als SCE-Trainer. Praktisch mit dem Pausenpfiff traf sein Landsmann Gretzler zum 1:0, aber nur fünf Minuten nach Seitenwechsel klingelte es im Tor von Sostaric – es blieb auch nach 90 Minuten beim 1:1.

Kaum 2.000 Zuschauer kamen zum Heimspiel gegen den Tabellenletzten Vorwerk Bregenz, bei dem Ex-SCE-Keeper Hans Schorn zwischen den Pfosten stand. Ein wahres Schicksalsspiel, denn gegen wen sollte der SCE sonst gewinnen? Das Schicksal meinte es aber nicht gut mit den nervenschwachen Eisenstädtern. Die Vorarlberger gewannen 2:0 und nun war ordentlich Feuer am Dach! Die Länderspielpause kam nach drei Heimniederlagen und zwei von zehn möglichen Punkten gerade recht. Das Team wurde in Eisenstadt für ein Trainingscamp zusammengezogen, um sich auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten. Dabei wurde das Team auch von Landeshauptmann Kery besucht. Nach einem langen Gespräch mit den Spielern betonte der LH, daß ganz Burgenland hinter dem SC Eisenstadt stehe…
Zum Abschluß dieser zweiwöchigen Vorbereitung ging es nach Budapest, wo der SCE trotz der 1:2-Niederlage geben MTK gut gefiel – Eisele erzielte den Ehrentreffer.

In der Meisterschaft lief es dann aber wieder nicht rund. Auf der Hohen Warte mußte eine 1:3-Niederlage verkraftete werden und zu all dem kam nun auch noch etwas hinzu, das die Meisterschaft und das Spielprogramm des SCE gehörig ins Chaos stürzte: Die Maul- und Klauenseuche!

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Das Heimspiel gegen Klagenfurt sowie die Auswärtspartie gegen Innsbruck wurden gleich einmal abgesagt. Im Burgenland waren die Bezirke Mattersburg und Eisenstadt besonders betroffen und es gab rigorose Sperrmaßnahmen sowie ein Verbot aller Veranstaltungen. Vor den Ortseinfahrten wurden „Seuchenteppiche“ aufgelegt, um die Verbreitung einzudämmen.

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Dann fiel auch noch das Spiel gegen die Austria der anhaltenden Seuche zu Opfer und ein Bestechungsvorwurf (der SCE soll – so wurde es von einer Tageszeitung behauptet – dem für das Vienna-Spiel vorgesehenen Schiedsrichter 20.000 Schilling gezahlt haben, damit dieser das Spiel zugunsten der Burgenländer entscheidet) brachten dem SCE zusätzlich zum Terminchaos noch weiteren Streß.

Wieder verstrich eine Woche ohne Spiel und die BF stellte die Frage: „Kann sich der SCE noch retten?
Willi Heisler, Sektionsleiter, SC Eisenstadt: nach dem ganzen Mißgeschik, Maul- und Klauenseuche, Bestechungsvorwürfe, Trainerwechsel, sind wir ein wenig ins Hintertreffen geraten. Wir können die durch Absagen erzwungene Meisterschaftspause nicht einmal mit Freundschaftsspielen überbrücken, und das ist natürlich ein arges Handicap. Unser ärgster Konkurrent im Abstiegskampf, Sturm Graz, hat gerade in letzter Zeit ansteigende Form bewiesen, so daß die Aufgabe noch schwieriger wird. Wir werden alles daranseten, um dem Abstieg zu entrinnen.

Viktor Stary, Schriftführer des BFV, Hirm: Auf Grund der zuletzt gezeigten Leistungen gebe ich dem SC Eisenstadt kaum Chancen, sich in der obersten Spielklasse zu behaupten. Ich kann mir nicht vorstellen, daß sich die Roten Husaren nach der erzwungenen Pause durch die Maul- und Klauenseuche derart steiger können, um dem drohenden Abstieg doch noch zu entrinnen. Eisenstadt hat zwar um drei Spiele weniger ausgetragen als der schärfste Rivale im Abstiegskampf, Sturm, dafür haben die Grazer aber bereits fünf Zähler mehr auf ihrem Konto.

Erich Rath, Schiedsrichter, Eisenstadt: Die Roten Husaren haben die Verbleibschancen durch die Heimniederlage gegen Sturm Graz und Vorwerk Bregenz bereits vertan. Außerdem haben die Eisenstädter noch die schwereren Gegner als der schäfste Rivale, Sturm Graz, zu bekämpfen. Es wird auch darauf ankommen, wie der SCE die physische Belastung des „Gewinnenmüssens“ verkraften kann.

Seitens des SCE richtete man die Bitte an die Nationalliga, den Spielbetrieb zu unterbrechen, da dem SCE durch das Anstehende Monsterprogramm ein gehöriger Nachteil entstehen werde. Bei den Obrigen stieß diese Bitte auf taube Ohren – die Meisterschaft sei bis spätestens 9. Juli zu beenden!
Und es kam noch dickter: Am Montag, dem 28. Mai 1973,  klingelte knapp nach 19 Uhr das Telefon von SCE-Obmann Dkfm. Fister. Am anderen Ende der Leitung war ÖFB-Pressechef Stecewicz, der mitteilte: „Herr Diplomkaufmann, die NL-Kommission hat soeben beschlossen, daß Eisenstadt am Mittwoch gegen Rapid spielen muß.“
Dazu der SCE-Obmann: Wir sind auf Grund der Sperre auf den 4. Juli eingestellt, haben unser Trainigsprogramm auf diesen Termin ausgerichtet und können gegen Rapid am Mittwoch nicht antreten!“

Schlußendlich kam es auch nicht dazu. Es verging eine weitere Woche der Untätigkeit. Dafür gab es aber keine neuen Fälle von Maul- und Klauenseuche im Burgenland, weshalb das Versammlungs- und Veranstaltungsverbot aufgehoben wurde.

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Der SCE blickte nun auf dicht gedrängtes Programm und nach gut fünfwöchiger Zwangspause, in der man nicht einmal Testspiele durchführen durfte, bekam der SK VÖEST den aufgestauten Druck der Roten Husaren zu spüren. Im Lindenstadion feierte Alfred Kirschner sein Debüt in der Kampfmannschaft und der aus Siegendorf gekommene Bursche sorgte sogleich für den ersten Frühjahrssieg. Während des Spieles regnete es unaufhörlich und das mit Wasserlachen bedeckte Spielfeld war sehr tief. Alfred Eisele spazierte durch die gegnerischen Reihen, daß es eine Freude war und im Sturm bot Kirschner eine große kämpferische Leistung und schoß beim 2:0-Sieg auch beide Tore.

Dann ging es nach Linz zum LASK, wo man aber nicht nur gegen die elf Linzer sondern auch gegen den Schiedsrichter zu spielen hatte. SCE-Sektionsleiter Willi Heisler meinte: „Schiedsrichter Schiller hat zwei von Strebele und Kirschner einwandfrei erzielte Tore nicht anerkannt und uns dadurch zumindest um einen halben Erfolg gebracht.“ vor 4.500 Zuschauern begannen die Linzer stark und setzten den SCE gehörig unter Druck. Nach dem 1:0 durch Leitner in der 16. Minute konnten sich die Eisenstädter aber befreien und waren den Gastgebern bis zur Pause zumindest ebenbürtig. Der LASK hatte auch enormes Glück, denn zweimal rettete ein Abwehrspieler für den bereits geschlagenen Tormann auf der Linie und Strebeles Tor in der 40. Minute wurde die Anerkennung verwehrt. Nach der Pause wurde die Niederlage schnell eingeleitet: Schöll stellte in der 51. Minute auf 2:0 und fünf Minuten später stand es 3:0 (Nafziger). Alfred Kirschner verkürzte in der 85. Minute auf 1:3, doch kurz darauf stand es 4:1 für den LASK.

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Das letzte Spiel der ersten englischen Woche fand daheim gegen INKU-Klagenfurt statt. Der SCE bot den kaum 1.700 Zuschauern ein tolles Spiel und als Eisele das Leder im Tor der Kärntner unterbrachte, freute man sich sehr – aber zu früh. Schiedsricher Dolezal war dem SCE nicht gut gesinnt und entschied auf Handspiel. Sekunden vor dem Pausenpfiff fiel dann doch der gerechte Führungstreffer, der am Ende zu einem 1:0-Sieg (Tor: Thometitsch) reichte.

Das nächste Spiel fand im Lindenstadion gegen den Wiener Sport-Club statt. Der Anfang des BF-Berichtes zu diesem Spiel lautete: „Die größte Angst habe ich nicht vom Wiener Sport-Club, sondern vor Schiedsrichter Mathias“, sagte ein ständiger Besucher der Eisenstädter Spiele vor dem Match und erinnerte daran, daß dieser Referee in Cupbegegnungen gegen Sport-Club und Wacker Innsbruck die Burgenländer druch seine Fehlentscheidungen kraß benachteiligte. Mit dieser Vorhersage sollte dieser Fan recht behalten. Schiedsrichter Mathias brachte die Zuschauer mit seinen Fehlentscheidungen zur Weißglut und setzte in der 53. Minute den Höhepunkt: Eine Flanke kommt in den Strafraum der Wiener, und Auer schlägt das Leder mit der Hand aus der Gefahrenzone. Ein klarer Elfmeter. Nicht aber für Mathias, dieser sah keinen Grund zum Einschreiten.
Gegen den LASK werden zwei Eisenstadt-Tore von Schiri Schiller nicht anerkannt, gegen Klagenfurt versagt Schiedsrichter Dolezal einem Eisele-Treffer die Anerkennung, und nun diese einseitige Spielleitung von Schiedsrichter Mathias. Ist das die Rache der Pfeiffenmänner wegen der Drabek-Affäre?

Am Ende des Tages war’s dem SCE aber ziemmlich wurscht! Die vier SCE-Tore konnte der berühmt berüchtigte Schiedsrichter Mathias nicht ausradieren. Thomas brachte den SCE in der 40. Minute in Front. In der 63. Minute glich der WSC aus, doch sieben Minuten später stellte Thomas auf 2:1. In der 87. Minute folgte das 3:1 durch Solleder und kurz vor dem Schlußpfiff traf Rohrer zum 4:1.

Der SCE unternahm aber auch an anderer Stelle Versuche, die Nationalliga-Zugehörigkeit zu sichern. Der Antrag auf Aufstockung der Liga auf 18 Vereine wurde aber vom ÖFB-Bundesvorstand abgelehnt.

In der kommenden Woche standen dem SCE zwei schwere Auswärtsspiele bevor, für die man sich einen Punkt als Plansoll auferlegte.
Am Mittwoch war man bei Fast-Meister Swarovski Innsbruck zu Gast und am Samstag stand das Spiel in der Mozartstadt gegen die dortige Austria auf dem Programm.
Diese beiden Spiele waren von Ermüdungserscheinungen geprägt – das dichte Spielprogramm zollte seinen Tribut. Zwar führte der SCE auf dem Tivoli zur Pause mit 1:0 – bei seinem Debüt traf Varga in der 35. Minute -, doch nach dem Seitenwechsel war die höhere Klasse des Tabellenführers entscheidend. Innsbruck gewann 2:1.

Im Lehener Stadion waren kaum 1.000 Zuschauer auf den Rängen. Die Treffer der ersten Halbzeit fielen kurz hintereinander: Langgruber schoß in der 20. Minute das 1:0 für die Violetten und erhöhte fünf Minuten später auf 2:0. Gleich im Gegenzug verkürzte Thomas auf 1:2. Nach dem Seitenwechsel fiel gleich das 1:3, gefolgt von zwei weiteren Toren der Salzburger. Strebeles Tor in der 72. Minute war nur noch Ergeniskorrektur. Nach dieser 2:5-Niederlage hatte der SCE drei Punkte Rückstand auf den SK Sturm, der zwei Spiele mehr ausgetragen hatte.

Der totale Zusammenbruch der Mannschaft in Salzburg trieb die SCE-Verantwortlichen nochmals auf die Barrikaden. In einem Schreiben wurde die NL-Kommission ersucht, das für Mittwoch angesetzte Spiel gegen die Wiener Austria zu verschieben. Der Vorsitzende, Dr. Hans Tschank, entschied das Austria-Spiel auf den 4. Juli zu verschieben. Dadurch wurde auch das Rapid-Match auf den 7. Juli zurück versetzt. Somit hatte die Mannschaft eine Woche Zeit, um sich auf das Spiel gegen den Tabellenletzten aus Wiener Neustadt vorzubereiten.

2.000 Zuschauer kamen zum Abstiegskrimi ins Lindenstadion. 65 lange, sehr lange Minuten mußte man beim SCE auf die Erlösung warten. Strebele, der vier Minuten zuvor für Thometich eingewechselt wurde, erzielte den ersehnten Führungstreffer, und legte zehn Minuten später noch ein Tor nach. Den Schlußpunkt setzte Bjerregaard, der in der 82. Minute das 3:0 schoß. Großer Jubel brach aber nicht aus, denn man erfuhr, dass der SK Sturm den LASK mit 5:0 besiegt hatte. Das Wort „Schiebung“ wurde in der Folge häufig von den SCE-Fans in den Mund genommen.

Der Großteil der Nationalligisten hatte nach dieser Runde seine Meisterschaft abgeschlossen. Die Roten Husaren, die Wiener Austria  sowie Admira Wacker hatten noch zwei Spiele auszutragen. Innsbruck (bereits Meister), Rapid, Vienna und Admira Wiener Neutadt mussten noch einmal antreten.

Der SCE blickte auf einen Drei-Punkte-Rückstand auf Sturm Graz, sowie die Vienna und die Austria, die ja auch noch Nachtragsspiele zu bestreiten hatte. Die Lage schien aussichtslos. Speziell deshalb, weil es gegen eben noch gegen Rapid – immerhin Vizemeister – und die Austria ging.

Die in dieser Saison kaum besser als der SCE spielende Austria war der letzte Gast im Lindenstadion, das mit gut 7.000 Zuschauer gut besucht war. Das Spiel begann trotz eines Kopfballes durch Thomas in der ersten Minute an die Stange gar nicht gut, denn Weigl netzte in der achten Minute zum 1:0 für die Gäste ein. Die Roten Husaren kämpften aber wie die Löwen und wurden dafür belohnt: Thomas gelang der Ausgleich (67.) und in der 73. Minute traf Bjerregaard zum 2:1. Zwei Minuten vor dem Abpfiff überspielte Thomas alles, was sich ihm entgegenstellte. Überwand auch Austria-Goalie Menzel und rollte den Ball zum 3:1 ins Netzt. Nach dem Spielende wurde das Feld von den jubelden Fans gestürmt und die Spieler auf den Schultern vom Grün des Lindenstadions getragen.

Nun fehlte nur noch ein Punkt auf den Klassenerhalt. Und den auf der Hütteldorfer Pfarrwiese einzufordern war keine leichte Aufgabe. Vor 7.500 Zuschauern (gut die Hälfte soll aus dem Burgenland gekommen sein) brachte Krankl die Rapidler nach einem Eckball per Kopf in der 62. Minute in Führung. Daraufhin wurde ein Zusammenbruch der Roten Husaren befürchtet, doch diese gaben sich nicht geschlagen. Joschi Rohrer holte sechs Minuten später die Kastanien aus dem Feuer. Der SCE hatte es mit seinem letzten Aufgebot geschafft, das schier Unmögliche möglich zu machen.
Die SCE-Fans strömten auf das Feld und trugen ihre Helden vom Platz!

Dank des bessern Torverhältnisses wurde der SK Sturm auf den 14. Tabellenplatz gedrängt. Doch siehe da! Weil auf einmal die Meisterschaft wegen der Maul- und Klauenseuche nicht im geordneten Rahmen durchgeführt werden konnte, musste der SK Sturm Graz – dem daraus ja kaum Nachteile entstanden sind – nicht absteigen. Die Liga wurde einfach auf 17 Vereine (!) aufgestockt. Auch SW Bregenz musste nicht absteigen, da sie mit dem Vorarlberger Aufsteiger aus der Westliga – Rätia Bludenz – eine Spielgemeinschaft eingingen, die Vorwerk Vorarlberg hieß.

Ob man auch den SCE vor dem Abstieg gerettet hätte, wenn dieser auf dem 14. Rang gelandet wäre? Wohl kaum…

Das Fußballgeschäft ging natürlich weiter und die Suche nach neuen Spieler begann. Thomas und Bajlicz waren an einem Wechsel zu Austria Salzburg interessiert. An erster Stelle auf der Wunschliste des SCE stand der jugoslawische Stürmer Razic. Sein Stammverein war Dynamo Agram (Zagreb) und war zuletzt an den Zweitligisten NK Maribor verliehen, mit dem er den Aufstieg schaffte. Neben Wustinger, Flögel und Klemenschitz hatte der SCE auch Interesse an einem Spieler, der viele, viele Jahre später Trainer beim SC Eisenstadt wurde: Fritz Satorina!

Die Zusammenstellung der Mannschaft für die kommende Saison lief auf Hochtouren. Adolf Remy wurde als Trainer bestätigt und für die kommende Saison an den Verein gebunden. Fritz Satorina entschied sich für den LASK – seine SCE-Zeit sollte erst kommen…
Der Jugoslawe Raciz landete bei Austria Klagenfurt, während man von einer Verpflichtung des VÖEST-Stürmers Pelikan absah. An den hohen Ablöseforderungen zerschlugen sich die Übertritte von Flögel, Klemenschitz und Wustinger.
Dafür konnte aber Helmut Hampl vom 1. FC Nürnberg verpflichtet werden, der damals in der deutschen Regionalliga spielte.
Da nun vier Ausländer im Kader des SCE standen, wurde immer wahrscheinlicher, daß für Edo Sostaric die Zeit in Eisenstadt ablaufen wird. Leurer wurde die neue Nummer Eins im Tor der Roten Husaren und von Red Star Knittelfeld kam Leo Jäger als Reservekeeper.
Ebenso wurde der 19jährige deutsche Roland Kosien vom FC Schalke 04 angemeldet – es gab aber nur die telefonische Freigabe der Knappen, die des DFB fehlte auf dem Transferschein.
Erwin Solleders Bruder Josef stieß auch zum SC Eisenstadt und Otto Liesbauer kehrte vom Badener AC zurück. Der Wechsel von Thomas und Bajlicz zu Austria Salzburg kam nicht zustande. Bajlicz schaltete deshalb laut BF auf „stur“ und kündigte an, nicht mehr für den SCE spielen zu wollen.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

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