Die „Roten Husaren“ (08/1969 – 07/1975) – Teil V – Die Reformsaison

Teil Fünf der Saga…

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Vor Beginn der Vorbereitung auf die neue Saison platzte gleich eine Bombe: Trainer Remy packte nämlich seine Koffer und kehrte nach Deutschland zurück.
Der Grund: Der ÖFB verdonnerte Remy zu einer Geldstrafe von 15.000 Schilling, da er gegenüber Journalisten meinte, daß in Österreich in zwei Monaten mehr geschoben wird als in zwei Jahren Bundesliga.
Remy dazu: „Einer Liga, in der solche Urteile gefällt werden, muß man den Rücken kehren.“
Mit ein Grund für seinen Abschied vom SCE war wohl aber auch die von ihm kritisierte Einkaufspolitik. Neuer Chef wurde der Deutsche Franz, der zuvor bei der Vienna tätig war.

Faksimile – BF-Onlinearchiv:

Der erste Test ging beim SV Rechnitz gleich gründlich in die Hose. Die Neuerwerbung der Südburgenländer, Leopold Grausam, düpierte gleich in der vierten Minute zwei Eisenstädter an der Strafraumgrenze und knallte den Ball ins Kreuzeck. Die ersten 45 Minuten stand noch Sostaric zwischen den Pfosten, dann kam Leurer ins Tor. Auch Bajlicz spielte und zwischenzeitlich hatte der SCE das Spiel gedreht. Thometisch und Bjerregaard schoßen die Tore. In der 83. und 84. Minute dann ein Doppelschlag der Rechnitzer, die somit vor gut 1.500 Zuschauern 3:2 gewannen.
Auch bei der Sportplatzeröffnung des SV Rohrbrunn blieben die Roten Husaren – trotz des 7:1-Sieges – viel schuldig. In der damals noch weit entfernten Saison 1999/2000 sollte der SCE zu einem Meisterschaftsspiel nach Rohrbrunn zurückkehren. Im Rahmen der Landesliga gewann der SCE vor meinen Augen mit 2:0!

Der zweite Test beim SV Leithaprodersdorf verlief dann schon besser, denn die Roten Husaren gewannen mit 8:1.
Vor dem ersten Pflichtspiel der Saison, dem Cup-Spiel in Eggendorf, bot der SCE in Wiener Neustadt gegen die dortige Admira eine lustlose Leistung und verlor 1:3.
Da rechnete sich Eggendorf mit dem Ex-Eisenstädter Kommanovits gute Chancen aus, doch Eisenstadt machte von Beginn an klar, wer die nächste Cup-Runde erreichen werden. 2.000 Zuschauer drängten sich um das Spielfeld und sahen eine gute SCE-Elf. Strebele schoß zwei Tore (20., 28.), Scheidl verwandelte in der 45. Minute einen Elfmeter und Alfred Kirschner stellte in der 58. Minute auf 4:0.

Nun begann die neue Saison der Nationalliga, die auf 17 Mannschaften angeschwollen war (!),  und die im Laufe der Monate für viel Zorn bei einigen Mitgliedsvereinen sorgen sollte. Die Reformer waren nämlich an der Arbeit und sorgten dafür, dass die Meisterschaft für viele Vereine praktisch für die „Fisch'“ war, denn ihnen war der Zwangabstieg verschrieben worden, damit so schnell wie möglich die neue „Superliga“ gestartet werden konnte.

Doch der Reihe nach – und ausführliche Berichte darüber gibt es ja in meinem Buch „ostwärts“: Für den SC Roter Husar Eisenstadt begann die neue Meisterschaft mit dem Spiel im Liebenauer Stadion gegen den SK Sturm.
Vor 9.000 Besuchern schien sich das Schicksal vom Vorjahr zu wiederholen, denn es gab wieder einmal eine unnötige 0:1-Niederlage. Die Sensation dieser ersten Runde lieferte Aufsteiger I. Simmeringer SC, der gegen Admira Wacker 7:1 gewann.
Das erste Heimspiel lockte 7.000 Zuschauer gegen Austria/WAC an, doch diese verließen großteils enttäuscht das Lindenstadion. Martinez und Prohaska trafen beim 2:0-Sieg der Wiener.
Dann ging es zu Meister Innsbruck, wo man schon nach zwölf Minuten mit 0:2 im Rückstand lag. Alfred Kirschners Tor gleich nach Seitenwechsel machte die Partie wieder spannend, aber spätestens nach dem 3:1 der Innsbrucker vier Minuten vor dem Ende, war die dritte Niederlage in ebenso vielen Spielen bittere Realität. Nun hatte der SCE Gelegenheit, sich auf das nächste Spiel gründlich vorzubereiten, denn für ihn war in de kommenden Runde spielfrei. Aus diesem Grund lud man den ewigen Testspielpartner MTK Budapest nach Eisenstadt ein, gewann das Spiel zwar mit 2:1, doch der SCE-Sturm erwies sich als ziemlich harmlos.

Die darauffolgende „englische“ Woche sah ein Mittwoch-Heimspiel gegen die  Vienna, die zuletzt ein Remis beim Meister holte,  sowie die Samstag-Auswärtspartie in Klagenfurt vor. Nach dem Schlußpfiff im Lindenstadion konnte man aber nur mit dem Ergebnis von 2:0 zufrieden sein. Hampl schoß in der zwölften Minute das 1:0 und Solleder II besorgte in der 80. Minute das 2:0. In Klagenfurt gab es wenig zu holen und ein mehr als unnötig zustande gekommenes Tor, das das 3:1 bedeutete, leutete schlußendlich die 1:4-Niederlage ein. Kirschner gelang dabei der zwischenzeitliche Ausgleich zum 1:1.

Gegen Admira Wacker kamen gut 3.500 Zuschauer ins Lindenstadion, darunter auch Inter Mailand-Trainer Helenio Herrera, der seinen Europacup-Gegner unter die Lupe nahm (Admira gewann in der Südstadt 1:0, schied dann aber nach einem 1:2 nach Verlängerung aus). Die SCE-Abwehr stand an diesem Abend sehr gut, dafür war der SCE-Sturm wieder ein Lüfterl, weshalb das Spiel auch mit einem 0:0 endete.

Beim LASK war die Abwehr wieder gut eingestellt, das Paradestück das Mittelfeld mit Rohrer, Eisele und Bjerregaard und auch im Sturm war eine Verbesserung bemerkbar. Es dauerte aber bis zur 50. Minute, bis der SCE endlich Grund zum Jubeln hatte, Kirschner traf nämlich zum 1:0. In der 70. Minute lenkte Kiesenebner einen Schuß von Bajlicz ins eigene Tor ab – 2:0 für den SCE. In der 80. Minute gingen dann Gretzler die Nerven durch, und erhielt nach seiner Schiedsrichterkritik die Rote Karte. Vier Minuten später verkürzte der LASK auf 1:2, doch am Ende gehörten dem SCE zwei wichtige Punkte.

Das nächste Heimspiel fand nach der vernichtenden 0:7-Niederlage des Nationalteams in London gegen England statt. Dieses Debakel war nämlich mit ein Auslöser für die kommende Reform. Die Schuld für die Niederlage wurde unter anderem der aufgeblähten Nationalliga gegeben, in der die „großen“ Teams und deren Spieler nicht ordentlich gefordert werden.

Beim SCE befasste man sich aber vorrangig mit dem anstehenden Spiel gegen Angstgegner Austria Salzburg. Als Devise gab Trainer Franz „den Angriff forcieren, jedoch die Abwehr nicht entblößen“ aus. Die Mannschaft befolgte es und stürmte und stürmte. In der elften Minute knallte ein Bjerregaard-Kopfball aber nur an die Latte. Mit Fortdauer zeigte sich aber, dass die SCE-Stürmer nicht die nötige Durchschlagskraft haben, um die Salzburger ernsthaft zu gefährden. Bezeichnend für den Spielausgang: Austria Salzburg gewann durch ein Elfmetertor in der 75. Minute mit 1:0.

Bei der dann stattfindenden Cupauslosung bekam der SCE einen unangenehmen Gegner zugelost: Austria Salzburg!

Während es daheim gar nicht gut lief, war man auswärts zu einem unangenehmen Gegner geworden. Dies musste auch der GAK zur Kenntnis nehmen. Zwar gingen die Grazer schon in der zehnten Minute in Führung, doch in der Folge scheiterten sie zumeist an SCE-Keeper Leurer. Nach dem 1:1-Ausgleichstreffer durch Thometitsch in der 58. Minute folgte kurz darauf der 2:1-Siegtreffer durch Strebele.
Nach neun Spielen hielt der SCE bei sieben Punkten, lag an 14. Stelle und hatte nun den SK Rapid im Lindenstadion zu Gast.

Nur 4.000 Besucher kamen zu diesem Spiel, doch keiner musste sein Kommen bereuen. Die taktisch gut eingestellte SCE-Mannschaft ließ den Rapidlern in der ersten halben Stunde kaum Zeit, Atem zu holen. Die Hütteldorfer waren nämlich damit beschäftigt, die Roten Husaren in Schach zu halten. In dieser Drangperiode fiel auch das 1:0 durch einen Bombenschuß des ehemaligen Grünweißen Bjerregaard.
Krankl war in diesem Spiel total abgemeldet, sein Bewacher Gretzler leistete hervorragende Arbeit. Ein Kunstfehler von Leurer war es, der in der 53. Minute den Rapidlern den Ausgleich durch Lorenz ermöglichte. Den negativen Höhepunkt setzte Referee Kessler in der 62. Minute, als er dem SCE einen klaren Elfmeter vorenthielt. Der Unparteiische entschied auf indirekten Freistoß und verlegte zudem noch den Tatort an die Strafraumgrenze.
Für diese Fehlentscheidungen erntete der Schiedsrichter Pfiffe, Pfui- und Schiebungsrufe, die bis zum Spielende anhielten.

Das Programm der nächsten englischen Woche lautete: Mittwoch in Donawitz; Samstag daheim gegen den FC Vorarlberg.
Gegen das Hochofenballett konnten die Eisenstädter 65 Minuten lang das 0:0 halten, doch dann lag DSV Alpine innerhalb weniger Minuten mit 2:0 in Front. Spannung kam auf, als Brzic in der 75. Minute den Ball ins eigene Tor lenkte, der SCE somit zum Anschlußtreffer kam. Doch aus einem Konter fiel acht Minuten vor dem Spielende das entscheidende 3:1 für die Obersteirer.
Daheim gegen den FC Vorwerk Vorarlberg lief es da schon weit besser. Nach 15 Minuten stellte Bjerregaard auf 1:0, Hampl erhöhte in der 38. Minute auf 2:0 und für die komfortable 3:0-Halbzeitführung sorgte Bjerregaard kurz vor dem Pausenpfiff. In der 65. Minute beförderte Thomas den Ball per Kopf ins Tor von Ex-SCE-Keeper Schorn, der nach der Pause für Fuchsbichler eingewechselt wurde. Die Gäste kamen eine Viertelstunde vor Schluß durch einen fragwürdigen Elfmeter zum ersten Treffer und in der 89. Minute ließ sich Leurer von einem aus 25 Metern abgefeuerten Aufsitzer überraschen. Endstand 4:2 für die Roten Husaren, die dadurch auf Platz Elf vordrangen. Der SCE war einer von fünf Klubs, die zehn Punkte auf dem Konto hatten, dahinter rangierten vier Teams mit je neun Zählern und am Tabellenende lag die Vienna mit sechs Pünktchen.

Am Staatsfeiertag gastierte der SCE in Villach bei Radenthein/Villach, das in zwölf Partien achtmal unentschieden spielte. Die Kärntner fügten den aufreizend spielenden Bürgenländern eine niederschmetternde 1:6-Niederlage zu und auch im Heimspiel gegen den I. Simmeringer SC war man nicht im Stande, die Abwehr zu durchbrechen. Am Ende ging der SCE als 0:1-Verlierer vom Platz.

Faksimile – BF-Onlinearchiv:

Nach dem Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten SK VÖEST meinte SCE-Obmann Dkfm. Fister: „Das war glatter Betrug!“
Zunächst brachte Strebele die Roten Husaren im Linzer Stadion in der siebten Minute in Führung, der Ausgleich fiel in der 19. Minute aus klarer Abseitsposition, in der 79. Minute ging VÖEST in Führung, und fünf Minuten vor dem Ende wurde ein Treffer von Thomas wegen angeblichen Abseits abererkannt. Thomas wurde im Anschluß darauf wegen Linienrichterbeleidigung ausgeschloßen. Sekunden vor dem Schlußpfiff schoß der SK VÖEST noch das 3:1.

Beim letzten Herbstspiel wollte sich der SCE mit einem Sieg über den Wiener Sport-Club rehabilitieren. Vor nur 1.500 Zuschauern bekam der SCE in der 19. Minute einen Elfmeter zugesprochen, den Scheidl aber nicht verwandeln konnte. Nur wenige Minuen später ging der WSC durch Welzl in Führung. Knapp vor dem Seitenwechsel gab es erneut Elfmeter für den SCE, und diesmal trat Jonny Bjerregaard an, der eiskalt zum 1:1 einschoß. Der Siegtreffer gelang den Eisenstädtern in der 65. Minute: Bjerregaard trat einen Freistoß aus gut 30 Metern, streifte dabei Hampl, und der Ball sauste zum 2:1 ins Netz.
Damit war dem SCE das Tabellenende erspart geblieben, doch in dieser Liga lagen zwischen Platz Neun und dem letzten Platz nur fünf Punkte.

Zum Abschluß der Herbstsaison 1973 stand dann noch das Cup-Spiel bei Austria Salzburg auf dem Programm. Obwohl Bjerregaard den SCE in der elften Minute per Elfmeter in Führung brachte, konnten die Violetten das Spiel noch drehen. Der Cuptraum war wieder einmal ausgeträumt.

Am Spielersektor wurde verkündet, dass sich der SCE die Dienste des ehemaligen Simmering-Bombers und zuletzt in Donawitz spielenden Martin Schuster sichern konnte. Auch Hafner, der vor zwei Jahren als Leihspieler beim SCE tätig war, sollte wieder nach Eisenstadt zurückkehren.

Die Nationalliga teilte dann auch mit, dass mindestens zwei Frühjahrsrunden noch im Winter 1973 ausgetragen werden – wegen der 1974 stattfindenden Weltmeisterschaft, an der Österreich bekanntlich nicht teilnahm.

Der frühe Rückrundenstart begann österreichisch: Er wurde nämlich abgesagt und wieder auf das Frühjahr 1974 verschoben.
Bei der in St. Georgen stattgefundenen Weihnachtsfeier bekamen die Kaderspieler einen braunen Blazer und eine dazupassende beige Hose geschenkt. Für die Spieler der 1b-Mannschaft gab es einen Batteriewecker als Geschenk. Dann ging es wieder zurück in den Urlaub.

Mitte Jänner begann wieder das Training. Jeder Spieler wurde beim Trainingsstart abgewogen, das Limit wurde aber von keinem Spieler überschritten. Rohrer machte etwas länger Urlaub und Leurer kam mit einem gebrochenen Finger zurück aus der Ruhepause.
Wenig später ging es ab ins Trainingslager nach Obertraun. Beim Testspiel gegen Donau Linz verwandelte Bjerregaard zwei Elfmeter und Tor Drei steuerte der junge Pauer bei – Endstand 3:1.

Wieder zurück in Eisenstadt, lud der SC Roter Husar Eisenstadt zur Pressekonferenz in den Schwechaterhof. Dort tauchte dann ein Name auf, der schon einmal in aller Munde war, aber so rasch verschwand, wie er aufgetaucht war: FC BURGENLAND!
Hauptverantwortlich für diese Überlegung war natürlich die schwierige wirtschaftliche Situation beim burgenländischen Flaggschiff, das es seit dem ersten Aufstieg im Jahre 1967 nicht geschafft hat, sich zu einen soliden Mittelständler der Nationalliga zu entwickeln. Die Zeiten, als noch 10.000 Zuschauer ins Lindenstadion gekommen sind, waren auch vorbei – der Reiz des Neuen hatte sich längst aufgelöst.

Trotz all dem wurde weiter getestet. Gegen den Badener AC wurde 3:1 gewonnen, unterlagen dann bei Haladas Szombathely mit 1:4 und siegten nach einer wenig berauschenden Darbietung beim SV Rechnitz mit 2:0.

Der Rückrundenauftakt gegen Sturm-Durisol musste ohne einer Reihe von Stammspielern über die Bühne gegen, denn es fehlten Strebele (verletzt), Thomas (gesperrt) und Gretzler (fiel der Ausländerklausel zu Opfer). Zudem gesellte sich Othmar Bajlicz unfreiwillig hinzu. Auf der Fahrt zum Training kam er zwischen Antau und Wulkaprodersdorf mit seinem Wagen von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Telefonmast. Am Auto entstand Totalschaden, Bajlicz selbst kam mit einer Gehirnerschütterung und Hautabschürfungen davon.

Faksimile – BF-Onlinearchiv:
39Bajlics

Die Roten Husaren begannen somit mit dem jungen Koppi in der Aufstellung, der mit der SCE-Jugend österreichischer Meister wurde, die drei Ausländer waren Sostaric, Bjerregaard und Hampl, und der einstige Simmering-Bomber Schuster feierte sein Debüt beim SCE.
Der SC Eisenstadt konnte spielerisch zwar noch nicht ganz überzeugen, dafür aber in kämpferischer Hinsicht. Trainer Franz hatte die Mannschaft in eine gute körperliche Verfassung gebracht und am Ende konnten sich die gut 3.000 Zuschauer über einen 1:0-Sieg freuen. Bjerregaard versenkte einen Freistoß ins linke Kreuzeck von Sturm-Goalie Benko.

Faksimile – BF-Onlinearchiv:
38SCE v Sturm

„Regelrechte Angst habe ich vor Schiedsrichter Artner“, sagte SCE-Sektionsleiter Willi Heisler knapp vor Beginn des Spieles bei Austria/WAC zum BF-Reporter und führte weiter an: „Bei allen Spielen, bei denen ich Referee Artner an der Arbeit sah, hat dieser Mann eine unwahrscheinliche Home-Tendenz an den Tag gelegt.“
Der Spielbericht offenbarte, dass Willi Heisler keineswegs falsch lag. Schiri Artner entschied in Zweifelsfällen zumeist gegen die Eisenstädter, zog bei geringfügigen Vergehen von Schuster und Solleder gleich die gelbe Karte, während er diese bei gleichen Vergehen der Veilchen in seiner Brusttasche ließ. Auch das 0:1 ist nach einer klaren Fehlentscheidung gefallen.
ABER: Deshalb hat der SCE das Spiel nicht mit 0:3 verloren! Denn das auf dem Grün des „Wiener Verbandplatzes“ vor 6.000 Zuschauern Dargebotene hatte mit Fußball wenig zu tun. 0:3 lautete der Endstand. Den negativen Höhepunkt dieser Partie lieferte der Austrianer Fiala. Knapp nach Beginn der zweiten Halbzeit trat er dem auf dem Boden liegenden Hampl in den Magen. Von den drei (blinden?) Unparteiischen hat’s aber niemand gesehen.

Gegen Innsbruck wurden den Eisenstädtern nun wenig Chancen auf einen Punktgewinn zugestanden, doch vom Anpfiff weg setzten sich die Burgenländer in der gegnerischen Hälfte fest und rollten einen Angriff nach dem Anderen. Die Abwehr der Tiroler war aber undurchdringlich und das alte Übel des SCE – Abschlußschwäche – machte sich bemerkbar.
Nach dem Schlußpfiff haderte man dann wieder mit dem Schiedsrichter, der den Eisenstädtern keineswegs gut gesinnt war und die Zuschauer mit seinen Entscheidungen zur Weißglut brachte. Vor allem mit der Elfmeterentscheidung in der 60. Minute. Spieler Thomas meinte, dass sein Foul hart an der Strafraumgrenze war, doch der Referee zeigte gleich auf den Elfmeterpunkt. Breuer verwandelte sicher zum Führungs- und Siegestreffer für die Innsbrucker.

Faksimile – BF-Onlinearchiv:
40SCE v Innsbruck

Am kommenden Wochenende war der SCE spielfrei, und da das nächste Spiel erst am Mittwoch auf der Hohen Warte stattfand, gönnte man den Spielern eine Ruhepause ohne Testspiel.

Das als „Schlüsselspiel“ bezeichnete Duell mit der Vienna ging trotz einer beruhigenden 2:0-Führung mit 2:3 verloren. Der Tabellenvorletzte aus Wien, bei dem gleich vier Burgenländer spielten, kämpfte um sein Leben. Beim SCE vermisste man hingegen das Aufbäumen gegen die drohende Niederlage.

Zum x-ten Schicksalsspiel dieser Saison gegen Austria Klagenfurt kamen dann auch nur noch 1.500 Zuschauer ins Lindenstadion. Dank des einsatz- und interessenlosen Spieles der mit Ex-Internationalen gefüllten Startruppe aus Kärnten übernahm der SCE, der nur etwas besser war, als sein Gegner, das Kommando. Die Tore fielen schnell hintereinander: Zuerst brachte Kirschner den SCE in Führung (39.), doch Emmerich konnte gleich darauf ausgleichen (40.). Noch vor dem Pausenpfiff stellte Bjerregaard auf 2:1 (44.). Dabei blieb es auch – Ende!

Zu diesem Zeitpunkt waren durch Spielabsagen und dem einen pro Runde spielfreien Team 20 bis 22 Partien je Verein absolviert. An der Spitze lag Innsbruck, gefolgt vom SK VÖEST und Austria/WAC. Etwas abgeschlagen im Spitzenfeld befand sich noch der SK Rapid. Auf Platz Fünf lag der SK Sturm mit zehn Siegen und 23 Punkten. Gleich dahinter Radenthein/VSV mit fünf Siegen (!) aber immerhin 21 Punkten, da die Kärntner elf Remis zu Buche stehen hatten. In dieser troslosen Liga war auf Platz 14 nur zwei Punkte Vorsprung – das Mittelfeld war dicht gedrängt von Durchnittstruppen. Es gab aber noch drei Klubs, die etwas schlechter waren. Der beste davon war der SC Eisenstadt mit sieben Siegen aber nur 16 Punkten. Dahinter die Vienna mit 13 Punkten und am Tabellenende lag Vorwerk Vorarlberg mit nur elf Zählner.

Die Diskussionen um die neue Zusammensetzung der Liga lief auf Hochtouren, denn so konnte es nicht weitergehen. Bei der in Salzburg stattgefundenen Reformkommission wurde eine Zehner- bzw. Zwölferliga besprochen, die als Unterbau eine B-Liga mit 14 Vereinen beinhalten sollte. Vielen, und nicht zuletzt den beiden Großklubs, waren fünf Vereine aus dem Wiener Raum zuviel in einer Liga, was bei den betroffenen Klubs (Simmering, Sport-Club und Vienna) natürlich auf wenig Gegenliebe stieß.

Für den SCE ging es in der Südstadt weiter, doch dort war es praktisch nach drei Minuten auch schon wieder vorbei. Nach Kaltenbrunners Tor in der dritten Minute konnte man sich lange nicht von diesem Schock erholen. Die Entscheidung fiel in der 77. Spielminute: Solleder setzte zum Angriff an, verlor den Ball im Mittelfeld und die Admira schloß den Konter erfolgreich zum 2:0 ab. Kurz vor dem Ende erhöhte Admira Wacker noch auf 3:0.

Anschließend stand wieder eine englische Woche auf dem Programm. Sie begann mit dem Heimspiel gegen den LASK, der nach einer kämpferischen Bravourleistung mit 3:0 niedergerungen wurde. Alfred Eisele: „Bei uns scheint es wirklich erst dann richtig zu laufen, wenn uns das Wasser bis zum Halse steht.“

Danach ging es nach Salzburg, wo es lange nach einem Punktgewinn aussah. Doch sechs Minuten vor dem Abpfiff schlug der Salzburg-Fluch zu: Bacher traf zum 1:0.

Fest mit zwei Punkten rechnete man beim Heimspiel gegen GAK-Teppichland, doch schlußendlich musste man mit einem Punkt mehr als zufrieden sein. Bjerregaards Treffer in der 72. Minute verhinderte Schlimmeres gegen die Grazer, die vom Ex-SCE-Trainer Günthner betreut wurden.

Faksimile – BF-Onlinearchiv:
41SCE v GAK

In der Tabelle rückte die Vienna nun bis auf einen Punkt an den SCE heran, der zwei Punkte Rückstand auf Platz 14 hatte, auf dem Austria Klagenfurt lag.
Es wurde aber auch bewusst, dass es am Ende der Saison womöglich egal sein würde, auf welchem Platz man die Nationalliga abschloß. Bei der ÖFB-Hauptversammlung wurde die neue Bundesliga mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Nur die Steiermark und Vorarlberg waren dagegen. Von drei steirischen Vertretern (Sturm, GAK, DSV Alpine) würde nur einer übrig bleiben und Vorarlberg hätte überhaupt keinen Bundesliga-Klub.
Ab der Saison 1974/75 würde es nun nur noch zehn Bundesliga-Vereine geben. Einen für jedes Bundesland! Die Ausnahmen: Zwei für Wien, keinen für Vorarlberg!

Die endgültige Zusammensetzung war aber noch nicht beschlossen. Es war aber noch nicht hundertprozentig klar, ob der SCE – wenn er auf einem „Abstiegsplatz“ landen würde – auch wirklich dabei sein dürfte. Somit hieß es, nicht zuletzt für die Ehre, diese Nationalliga-Saison bestmöglichst zu beenden. Man musste sich – so hieß es – bloß die Vienna vom Hals halten.

Es wurde ihnen aber nicht leicht gemacht und nach der 0:4-Niederlage auf der Pfarrwiese gegen Rapid sprach SCE-Trainer Horst Franz: „Wir müssen uns voll auf die kommenden Heimspiele konzentrieren. In den nächsten Spielen wird sich entscheiden, ob wir die Bundesliga schaffen oder nicht.“

Das Spiel gegen DSV Alpine, das zum Zwangsabstieg verdonnert wurde, stand unter dem Motto: „Den Weg in die Bundesliga in den Heimspielen ebnen!“
Und tatsächlich! Den 2.000 Zuschauern wurde eine Glanzpartie, eine der besten seit langem, geboten. Thomas traf in der 17. Minute zum 1:0. Rosskogler konnte in der 25. Minute zwar ausgleichen, doch Fredi Eisele konnte die Leistung seiner Roten Husaren in der 61. Minute mit seinem Tor zum 2:1 krönen. Der Vorsprung auf die Vienna, die gegen Rapid verlor, betrug nun drei Punkte und nach vorne hatte der SCE drei Punkte Rückstand auf Simmering, Radenthein/VSV und Austria Klagenfurt.

Die nächste Auswärtspartie führte den SC Eisenstadt nach Vorarlberg, wo Bjerregaard in der 83. Minute zum 1:0 einschoß. Leider hat es nicht für zwei Punkte gereicht, denn eine Minute vor dem Ende gelang Vorwerk noch der Ausgleich.

Nach diesem einen Punkt aus dem Ländle wartete nun – wieder einmal – eine entscheidende Woche auf den SCE. Am Donnerstag – wegen der Fernsehübertragung des Finales im Europacup der Landesmeister am Mittwoch – kam der Remisspezialist Radenthein/VSV nach Eisenstadt und am Sonntag ging es nach Wien zum I. Simmeringer SC.
Würde sich der SCE in diesen beiden Spielen gut aus der Affäre ziehen, würde der Qualifikation zur neuen Bundesliga (fast) nichts mehr im Wege stehen.

Am 16. Mai 1974 empfing der SC Roter Husar Eisenstadt die Spielgemeinschaft Radenthein/Villacher SV im Lindenstadion. Dabei wollte sich der SCE für die im Herbst erlittene 1:6-Abfuhr revanchieren. Die 2.000 Zuschauer sahen auch gleich von Beginn an eine ambitioniert spielende Mannschaft der Roten Husaren. Das erste Tor aber schoßen die Gäste (28.). Drei Minuten vor dem Pausenpfiff gelang dann Bjerregaard per Freistoß das 1:1. Nach der Pause traf Thometitsch in der 58. Minute aus 16 Metern Entfernung zum 2:1. In der 85. Minute versenkte dann Hampl einen Freistoß im Netz der Kärntner, denen Sekunden vor dem Ende noch der Anschlußtreffer gelang.
Tags darauf konnten sich alle dann nocheinmal das Finale der Landesmeister im Fernsehen anschauen, denn das Mittwoch-Spiel zwischen Bayern München und Atletico Madrid endete nach Verlängerung 1:1, weshalb es zwei Tage später zum Wiederholungsspiel – abermals in Brüssel – kam, das die Münchner diesmal klar mit 4:0 für sich entschieden.

Für den SCE ging es dann aber auf die Simmeringer Had und schon nach zwölf Minuten hatte die Roten Husaren und ihre mitgereisten Fans Grund zum Jubeln: Thometitsch hatte den SCE in Führung gebracht. Doch dann begann das große Zittern und am Ende rächte sich, dass zwei tolle Chancen ungenutzt blieben. Nach dem Tor durch Ernst Dokupil in der 78. Minute trennte man sich 1:1 unentschieden.
Zwar konnte man mit den drei Punkten, die man aus diesen zwei wichtigen Partien holte, recht zufrieden sein. In der Tabelle rückte man auch auf dreizehnten Platz empor, doch zwei Spiele vor dem Saisonende ging es im Tabellenkeller sehr eng zu. Die Vienna, die Radenthein/VSV 4:1 besiegte war nur zwei Punkte entfernt.

Kaum verwunderlich und vollkommen verständlich, daß das letzte Heimspiel gegen den SK VÖEST abermals zum „Schicksalsspiel“ ausgerufen wurde. Kindern und Frauen wurde freier Eintritt gewährt, um eine ordentliche Kulisse zu haben, denn man vernahm, daß an die 2.000 Linzer nach Eisenstadt kommen wollen. Warum? Der SK VÖEST war so kurz vor Saisonende Tabellenführer und wollte unbedingt Meister werden.

Somit begann an jenem Samstag, den 25. Mai 1974, um 16:30 kein einfaches Spiel für die Roten Husaren. Schon zur Mittagszeit war die Stadt mit Autos mit oberösterreichischen Kennzeichen gefüllt und zwei Stunden vor dem Anpfiff begann der Einmarsch der Stahlfans, die mit Fahnen, Trompeten und Hupen ins Lindenstadion zogen.
Das Stadion im Eisenstädter Schloßpark war zum bersten voll. Über 11.000 Zuschauer wollten sich dieses Spiel nicht entgehen lassen. Richtig unzufrieden gingen aber nur die Linzer nach Hause!
Das Spiel endete nach einer ansehnlichen Leistung der Eisenstädter mit 0:0. Der Zwei-Punkte-Vorsprung auf die Vienna konnte gehalten werden, da diese gegen Simmering 1:1 spielte (was auch nicht als selbstverständlich anzusehen ist).
Die Bundesliga-Qualifikation wurde vor der letzten Runde als zu 99,9 Prozent sicher betrachtet, da die Vienna nun auswärts beim SK VÖEST antreten musste. Die Linzer sind nach dem 0:0 in Eisenstadt zwar auf den zweiten Platz zurückgefallen, waren aber mit Innsbruck punktegleich.

Das letzte Nationalliga-Spiel des SCE führte die Burgenländer nach Hernals zum Wiener Sport-Club, der eines der Reformopfer war und absteigen musste. Dieses Spiel wollten kaum 1.000 Leute sehen, und das angespannte Nervenkostüm des SCE sollte sich erst spät lösen. In der 59. Minute nützte Rohrer eine Unaufmerksamkeit der WSC-Abwehr und stellte auf 1:0. Zehn Minuten später zog Hampl aus gut 20 Metern ab und der Ball prallte von der Stange ins Netz. Endstand 2:0 für den SC Eisenstadt!

Faksimile – BF-Onlinearchiv:
42WSC v SCE

Mit elf Siegen (mehr als je zuvor) beendete der SC Roter Husar Eisenstadt die Saison auf Platz 13 und dennoch war es wieder einmal eine Saison, die nur Zittern und Bangen zu bieten hatte. Der SCE hat den Kampf um die Bundesliga-Qualifikation gewonnen, wird nun in der kommenden Saison den großen „Zehn“ Österreichs angehören – aber auch nur, weil eben jedes Bundesland einen Klub in der neuen Liga haben sollte.

Ach ja, der SK VÖEST wurde doch tatsächlich österreichischer Meister. Das Werksteam der Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke gewann gegen die Vienna 2:0, während Konkurrent Innsbruck in Graz bei Sturm nur 0:0 spielte.

Für die Roten Husaren gab es keine Zeit zum ausruhen. Man musste sich auf die kommende Bundesliga-Saison vorbereiten, um dort nicht gleich zum Fixabsteiger zu mutieren. Als erstes wurde der Vertrag mit Trainer Horst Franz verlängert, der auch gleich ein Trainingslager in der Nähe von Dortmund samt Spielen gegen deutsche Regionalligisten organisierte.

Österreichs Fußball stand eine neue Ära bevor. Gewaltsam hat man sich der alten Ligastruktur entledigt und etwas Neues geschaffen… und die Roten Husaren aus Eisenstadt waren dabei!

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rote Husaren veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.