Für eine Schachtel Stollwerck… / In Memoriam Adalbert „Bela“ Tinhof!

Für eine Schachtel voll mit Stollwerck haben er und seine Freunde einst Fußball gespielt; er war Teil jener Mannschaft, die nach dem Krieg den SCE repräsentierte und er war sogar am Bau des Lindenstadions beteiligt: Mein Großvater „Bela“ Tinhof, der in der Nacht auf den 3. Juni 2013 im 90. Lebensjahr verstarb…

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Er war ein Original vom Oberberg, auch wenn er schon lange „unten in der Stadt“ wohnte.

Und als ich ihn im Rahmen der Entstehung der „Chronik des SC Eisenstadt“ interviewte, erzählte er mir seine Fußball-Geschichte:

Kapitel UNVERGESSEN:

Adalbert „Bela“ Tinhof: „Es macht mich ganz besonders stolz, dass ich in der ersten Mannschaft des SC Eisenstadt nach dem Krieg spielen durfte und damit auch am Wiederbeginn dieses Vereines beteiligt war. Der Zweite Weltkrieg führte mich, durch meine Einberufung, zuerst nach Bremerhaven und weiter nach Norwegen, wo ich vier Wochen lang ausgebildet wurde. Selbst während dieser Zeit spielte ich mit meinen Kameraden Fußball, wobei uns einmal ein Offizier sah, der auch leidenschaftlich gerne Fußball spielte. Durch sein Engagement bildeten wir eine Mannschaft und traten gegen Teams anderer „Batterien“ an. Gegen Ende des Krieges wurde ich in Pilsen (Tschechien) von den Amerikanern gefangengenommen – dies kann ich als Glück betrachten, da die Russen schnell vorstießen und auch Pilsen einnehmen wollten, doch dort gab es einen Flughafen mit besonderer Bedeutung, den die Amerikaner vor den Russen einnehmen konnten. Nachdem ich in Litauen verwundet wurde (Bauchschuß), kam ich in die verschiedensten Lazarette und landete schließlich in Pilsen – die Amerikaner brachten alle Gefangenen nach Deutschland – dank diesem kleinen Augenblick in der Geschichte blieb mir die russische Gefangenschaft erspart.
Ende Mai 1945 wurde ich, auch durch meine Verletzung, freigelassen und blieb bis September 1945 in Deutschland, wo ich auf einem Bauernhof arbeitete. Als ich dann gegen Ende September wieder in Eisenstadt eintraf spielte ich noch im selben Herbst für den SC Eisenstadt – in meinem Spielerpaß von damals steht noch F.K. Eisenstadt.
Zusammen mit Rudi Fleck, Pepi Csacsinovits, Hans Titz, den Brüdern Wagenhofer (einer war der Tormann), Josef Klampfer, Franz „Guri“ Ernst, Pepi Baszik, Josef Wallner, Ing. Pauer, Pepi Baptist, Josef Rippl, Pfann, Juschitz, Fuhrmann u. v. m. nahmen wir den Spielbetrieb wieder auf.

Damals sind wir im Rosswagen zu den Auswärtsspielen gefahren, später hatten wir einen Traktor, der einen Anhänger zog, auf dem wir uns zusammenpferchten. Bei Heimspielen – damals auf der „Halt“ – wurde ich persönlich vom Eisenstädter Fiaker, einem gewissen Lang Lajos, abgeholt. Die Mannschaft zog sich damals im Bahnhofsrestaurant um und ging dann zu Fuß zum Platz – vorher haben wir natürlich ein paar Vierterl Wein getrunken, unser Tormann war erst nach zwei Vierteln auf Betriebstemperatur.

Auswärtsspiele hatten einen ganz besonderen Reiz: als wir einmal in Großhöflein spielten fuhr uns ein Mechaniker, der ein Motorrad hatte, einzeln nach Großhöflein und holte uns dann wieder ab. Als wir einmal in Hornstein spielten fing es schon während dem Spiel an zu regnen, wodurch unser Kutscher nicht kam um uns abzuholen, daraufhin mussten wir im Regen zu Fuß nach Eisenstadt wandern.

Besonders aufpassen musste man, wenn in Siegendorf gespielt wurde – ich habe mein Gewand hinter das Tor gelegt und als der Schiedsrichter abpfiff schnappte ich mein Gewand und rannte an einen sicheren Ort um mich umzuziehen, denn dort wurden oft Schlägereien provoziert. So auch einmal in Pöttsching, wo eine wilde Rauferei ausbrach und die gesamte SCE-Mannschaft bis nach Müllendorf rannte!

Später gab es dann für die weiten Auswärtsfahrten nach Oberwart oder Parndorf einen LKW, auf dessen Ladefläche wir Wirtshausbänke aufstellten, um sitzen zu können. Einmal haben wir bei einer solchen Fahrt am Semmering eines unserer Hinterräder verloren!

Unvergessen auch ein Turnier in Wulkaprodersdorf (vier Mannschaften), das der SCE gewann – ich hatte damals den Pokal in den Händen, als die Wulkaprodersdorfer auf uns zustürmten, mir den Pokal aus den Händen rissen und damit verschwanden.

Da ging es vor dem Krieg friedlicher zu, als ich mit den Roten Falken zu einem Turnier nach Parndorf wanderte – ja, wir wanderten nach Parndorf, übernachteten in unseren Zelten und spielten gegen Teams aus Frauenkirchen, Bruck/Leitha und Parndorf. Ich kann nicht mehr sagen, wer das Turnier gewann, aber ich weiß, dass wir als Belohnung eine Schachtel voll mit Stollwerck bekamen – danach wanderten wir wieder zurück nach Eisenstadt.

Einmal habe ich sogar ein Tor für den SC Eisenstadt geschossen: Es war im Spiel gegen Hirm, als ich am linken Flügel eingesetzt wurde und eine meiner Flanken abriss und sich ins Tor senkte!  Jahre später arbeitete ich für den Gartenbaubetrieb, der das Lindenstadion baute und war beim Fällen der Bäume beteiligt.

Früher gab es auch noch Duelle zwischen den Berglern und den Städtern, welche höchst interessant waren und nicht selten in Tumulten endeten. Einmal sollte ich für die Stadt spielen, wollte aber nicht, da ich ja am Berg wohnte. Es waren jedenfalls schöne und zugleich harte Zeiten, die ich damals erlebte. Ich blicke aber mit Stolz zurück, da ich meinen Beitrag zur Geschichte des ältesten Fußball-Clubs unseres Burgenlandes beigetragen habe.“

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In meinem dritten Buch – ostwärts – habe ich natürlich auch etwas von meinem Großvater untergebracht. In der „Im alten Osten“-Geschichte „Vom Marodenzimmer“ findet man Folgendes:

Nach dieser langen Rede rang mein Erzähler nach Luft, und vom dritten Bett drangen folgende Worte zu mir herüber: “Erzählt er schon wieder seine Geschichte. Ich kenn’ sie schon auswendig…”

Dabei erzählte unser Dritter im Bunde auch gerne Geschichten. Schon seit Vormittag wusste ich, dass er bereits mit elf Jahren, im Jahr 1934, erstmals die Dienste unseres Spitals in Anspruch genommen hatte. Sein Großvater, den ein Fuhrwerker die knapp 25 Kilometer zum Spital mitgenommen hatte, holte ihn damals nicht gleich ab, sondern genehmigte sich im gegenüber liegenden Gasthaus zuerst eine ordentliche flüssige Stärkung. Als es Zeit war heimzukehren, fragte der Bub den Großvater, wo denn nun das Fuhrwerk sei, mit dem man fahren wolle. Doch der Großvater erwiderte, dass er leider kein Geld mehr habe und deshalb zu Fuß gegangen werden müsse. So machten sich die beiden also auf und kaum war die nächste Ortschaft erreicht, hatte der Großvater doch wieder Geld, um sich – im nächsten Gasthaus – ein Glaserl Wein zu kaufen. Für ihn gab’s ein Kracherl und so ging das weiter, bis er, endlich daheim angekommen, sich wieder so krank gefühlt habe, dass er am liebsten gleich ins Spital zurückgegangen wäre…

Spielerpass meines Großvaters

Spielerpass meines Großvaters

Eintragungen im Spielerpass

Eintragungen im Spielerpass

SCE-Spieler Bela Tinhof (hockend, erster von links)

SCE-Spieler Bela Tinhof (hockend, erster von links)

Mein Opa beim Stadionbau (ganz oben mit der dunklen Kappe)

Mein Opa beim Stadionbau (ganz oben mit der dunklen Kappe)

Mein Großvater als Trainer einer Hobby-Mannschaft, bei der u. a. Peter Fister sowie Willi Bauer spielten

Mein Großvater als Trainer einer Hobby-Mannschaft, bei der u. a. Peter Fister sowie Willi Bauer spielten

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