Ein geduldiger Zuhörer! (1981)

Als im Jänner 1981 die Meisterschaft schon seit ein paar Wochen ruhte, und der SC Eisenstadt am letzten Platz der Zehnerliga überwintern musste, arbeiteten die Funktionäre schon an der Vorbereitung auf die Rückrunde.

Am 18. Jänner 1981 besuchte ein SCE-Funktionär drei burgenländische Verein, um Verhandlungen zwecks Spieler sowie einem internationalen Freundschaftsspiel, das am Platz des einen Klubs ausgetragen werden sollte, zu verhandeln.

Dabei mietete er für Anfang Februar den Sportplatz um eine Gesamtmiete von ÖS 1.600,-. Es wurde auch ein umfangreiches Programm ausgearbeitet, denn der internationale Gast – ein Zweitdivisionär jenseits des „Eisernen Vorhanges“ – blieb für zehn Tage. Zu Beginn wurde ein gemeinsames Abendessen im Cafe Central organisiert, am nächsten Tag stand dann das Freundschaftsspiel auf dem Programm. Für die kommenden Tage sah das Protokoll noch folgende Punkte vor:

  • Treffen im Lindenstadion
  • Stadtbesichtigung
  • Empfang im Rathaus
  • Eine Rundfahrt am Neusiedler See
  • Besuch eines Weinkellers in Mörbisch
  • Empfang durch den Landeshauptmann
  • Ein Spiel der Gäste bei einem weiteren burgenländischen Verein
  • Besuch in der Botschaft jenes Landes, aus dem der Klub kam
  • Besichtigung der Stadt Wien
  • Einladung vom Präsidenten der DDSG
  • Besuch des Testspieles SC Eisenstadt v. Badener AC
  • Spiel der Gäste in der „allzeit Getreuen“ Stadt
  • Shoppingfahrt
  • Abschiedstreffen im Lindenstadion

Der Tag des Spieles kam, und als alle wieder daheim waren, schrieb der SCE-Funktionär seine Erfahrungen nieder: [kursiv = von mir „zensuriert“]

Aktennotiz:
SCE – YYY am 8.2.1981 in XXXXX.
Mit Schriftführer G. hatte ich eine Pauschalmiete von S 1.600,- ausgemacht (nur die Kassiere müssen wir stellen). Vor Spielbeginn sagte G. zu mir, ich soll den XXXXX-Funktionären sagen, daß wir S 2.000,- ausmachten (bezahlen brauche ich nur die S 1.600,-).
In der Halbzeit kam Obmann Z. zu mir und wollte insgesamt S 3.000,- bis S 4.000,-, da das Spielfeld durch das Tauwetter stark beansprucht wurde (aber auch durch das Vorspiel). Ich war für Konzessionen bereit, liebäugelte aber mit einem Freundschaftsspiel im Sommer 81. Als wir zum Kabineneingang kamen, schrie Mag. N. K., daß ich sofort S 5.000,- hinterlegen muß, sonst bricht er das Spiel ab.
So gesehen, wurde ich auch lautstark und war zu keiner Konzession mehr bereit. Nun schaltete sich Prof. I. ein; wir gingen zum Kassier H. und erfuhren, daß 500 Karten verkauft wurden. Ich holte den SCE-Geschäftsführer herbei und wir einigten uns auf eine Miete von S 4.500,-.
Mag. N. K. beleidigte mich im Kabinengang und nach dem Spiel auch noch in der Stadionhalle. Worte wie „Utopist“ waren noch harmlos. Utopist deshalb, da ich J. F. versprochen haben soll, daß er bei einer Übersiedlung nach Eisenstadt in der Mittelschule durchkommt. Ich rief J. F. zu mir und befragte ihn vor den Funktionären des XXXXX. J. F. sagte, daß ich ihm derartiges nie versprochen habe!
Mag. N. K. beschuldigte mich auch, daß ich als Jugendreferent ein Versager gewesen bin etc.
Obmann Z. beschuldigte mich auch noch vor der Abfahrt, daß ich das Eintrittsgeld nach Eisenstadt schleppe, er schrie auch sehr lautstark.
Ich war ein geduldiger Zuhörer!

Internationales Freundschaftsspiel 1981

Internationales Freundschaftsspiel 1981

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 80er-Jahre veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.