Die Ostliga-Saison 1965/66

Sommer 1965: Die Meisterschaft der Regionalliga Ost war erst seit ein paar Wochen zu Ende und der Frust beim Klub die B50 runter war noch nicht verflogen (diese Sorgen haben uns aber nicht weiter zu kümmern*)…
In Eisenstadt aber atmete man dank des geschafften Klassenerhaltes auf – bei ganzen vier Absteigern lief man immer Gefahr, dort unten rein zu rutschen. Am Ende erwischte es aber SV Deutschkreutz, Slovan-Olympia, Rapid Oberlaa sowie den FC ÖMV Stadlau.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Schon im Juli galt die volle Konzentration der anstehenden Meisterschaft in der dreigeteilten zweithöchste Liga Österreichs. Als die Auslosung für die Herbstmeisterschaft durchgeführt wurde, gab SCE-Trainer Toni Dallos seinen Abschied bekannt: (BF) Toni Dallos ist amtsmüde geworden. Er hat gebeten, ihn als Treiner zu entheben, da er nun einmal richtig ausrasten will. Wie wir erfahren, hat er nicht die Absicht, sich weiter als Trainer zu betätigen. Der Vereinsvorstand von Eisenstadt und Dallos schieden im besten Einvernehmen, und die Eisenstädter sind ihm sehr dankbar, daß er sie durch die schwere Saison doch noch erfolgreich geführt hat.

Dann wurde es für die nächsten Wochen ruhig. Erst kurz vor dem Ende der Transferzeit wurde der neue Trainer präsentiert:
(BF) Harter Kurs und große Pläne bei SC Eisenstadt. Die bisher größte Kaderverstärkung – Dr. Schleger als Trainer.
Die Vereinsleitung des SC Eisenstadt hat sich für die kommende Meisterschaft allerhand vorgenommen, um im kommenden Punktebewerb sicher durchzuhalten. Daß Eisenstadt it allem Ernst die nötigen Vorbereitungen trifft, beweist, daß nicht weniger als acht Stürmer gekauft wurden.

Neuanmeldungen: Kommanovits (SV Deutschkreutz), Beunteufel (ASKÖ Hirm), Johann Leskovich (SC Parndorf), Otto Leskovich (Mattersbg), Losonsky (SC Oberwart), Stadler (Purbach), Bresocich (Wiesen).
Abgang: Hanbauer (Wiener Neustadt)
Abgemeldet: Varga

Getestet wurde natürlich auch. Den Anfang machte das Spiel gegen den SC Günselsdorf, das der SCE 4:2 gewann und dabei alle in Frage kommenden Spieler ausprobierte. Die Reserve des SCE siegte sogar 13:3.

Und als eine Woche später Pinkafeld und Mattersburg das Burgenland im Österreichischen Cup vertraten (Pinkafeld gewann gegen Wattens 2:1 und die anderen unterlagen Austria Klagenfurt), testete der SCE gegen den B-Liga-Klub Spartak Pystian aus der CSSR.
(BF) Eisenstadt stellte sich mit der neuformierten Mannschaft vor, die allmählich feste Formen annimmt. In der ersten Halbzeit wurde recht flott kombiniert und sehr gut geschossen. Die Hintermannschaft war allerdings nicht immer ganz wachsam. In der 7. Minute schoß Leskovich II kaltblütig zum 1:0 ein. Zwei unnötige Fehler der Abwehr führten in der 37. und 39. Minute zur Führung der Gäste.
Nach der Pause agierte Leskovich I im Innensturm. Er war technisch perfekt, doch forcierte er das „Klein-klein-Spiel“, wodurch sich alles in der Spielfeldmitte massierte. In der 59. Minute schob er einen Freistoß sehr geschickt zu seinem Bruder, der auf 2:2 stellte. Sechs Minuten später wiederholte sich dieser Vorgang nur war diesmal Kommanovits der kaltblütige Schütze. Eisenstadts Sieg ist durchaus verdient, doch waren die Gäste eine sehr starke Mannschaft. Sie übertrieben für ein Freundschaftsspiel allerdings öfters die Härte. Bei den Hauptstädtern entsprachen Kusolits, Schalling, Breyer, Reiter und im Sturm Soleder. Es gab noch einige wunde Stellen. So vor allem ist der Sturm noch nicht richtig eingespielt. Die Flügel drängen zur Mitte und sich dann schwer anspielbar. Auch das Kurzpaßspiel wurde öfters übertrieben.

SCE vs. Spartak Pystian 3:2

Faksimile: BF Online-Archiv – SCE vs. Spartak Pystian 3:2

Zum Saisonstart gegen den SC Marchegg kamen dann knapp 600 Zuschauer ins Lindenstadion. Der SCE, der mit einem 4-2-4-System agierte, an das man sich erst gewöhnen musste, wirkte noch sehr unbeholfen. Die Abwehr kam manchmal ordentlich ins „Schwimmen“, doch mit Fortdauer des Spieles kam das Spiel der Eisenstädter immer besser in Schwung.

SCE v Marchegg 3:0

Faksimile: BF-Online-Archiv – SCE v Marchegg 3:0

Die drei Tore, die der SCE an diesem Tag erzielte, waren jedenfalls echte Leckerbissen!
(BF) 28. Minute: Breyer hebt einen Freistoß in den Strafraum, Lesovich verlängert per Kopf in den leeren Raum. Kommanovits ist zur Stelle und drückt volley – flach – ins Netz.
69. Minute: Breyer schiebt einen Freistoß zu Leskovich, der seine Bewacher abschüttelt und am Tormann vorbei zum 2:0 einschießt.
72. Minute: Soleder geht auf dem Flügel durch. Seine Flanke erreicht Schüller um Zentimeter früher als der Tormann und schon zappelt der Ball im Netz. Ein herrliches Kopftor.
Die Saisoneröffnung, die mit einem 3:0-Sieg endete, bestritten: Grasz; Hitzel, Kusolits, Schalling; Breyer, Reiter; Kommanovits, Leskovich II, Schüller, Losonsky.

Obwohl die Meisterschaft der Ostliga bereits begonnen hatte, stand noch das Highlight der diesjährigen Vorbereitung auf dem Programm. Der Wiener Sportklub äh ich meine natürlich der seit vielen Jahrzehnten in Printmedien als Sportklub bezeichnete Wiener Sport-Club gab sich nämlich im Lindenstadion die Ehre. Stolze 800 Besucher lockte dieses Duell mit dem Vierten der letzten Staatsliga-Saison – ab 1965/66 hieß die oberste Liga Österreichs Nationalliga.
Es war dies das Ablösespiel für den nach Hernals übersiedelten Willi Kainrath, und trotz des zuvor niedergegangenen Regens und der Tatsache, dass der WSK äh natürlich der WSC (!) nicht mit voller Kraft an die Sache ging, wurde die Partie eine „Unvergessene“. Der SCE ging in der 15. Minute dank eines Foulelfmeters, den Kusolits verwandelte, mit 1:0 in Führung. Keine zwei Minuten später stand es aber auch schon 1:1.
In der 25. Minute tankte sich Soleder durch und seinen Paß verwandelte Leskovich II zur 2:1-Führung des SCE. Bevor der Schiedsrichter aber zum Pausentee bat, gelang den Wienern noch der Ausgleichstreffer.
Kurz nach Wiederbeginn gingen nun die Gäste mit 3:2 in Front, doch die Eisenstädter gaben sich nicht geschlagen. Der SCE übernahm mit Fortdauer der Partie das Kommando und entfachte ein wahres Feuer unter den Zuschauern, die die Mannschaft nun nach vorne peitschten. In der 84. Minute wird Kommanovits in Strafraumnähe zu Fall gebracht. Breyer hob den Ball geschickt zu Schüller, der – aber in Abseitsposition – das Leder aufnahm und herrlich zum 3:3-Ausgleich eindrückte. Der Jubel im Lindenstadion kannte daraufhin keine Grenzen.

Die zweite Ostliga-Runde führte dann den SC Eisenstadt nach Wien, doch am Helfort-Platz warteten weder der Sport-Club, die Austria noch Rapid auf den SCE. Hier trug nämlich die Firmenelf Philips ihre Spiele aus.
Die BF berichtete: Eisenstadt begann ganz großartig und legte einen technischen Feuerzauber hin, daß den Wienern angst und bange wurde. In der 12. Minute schoß Kommanovits ein herrliches Tor, und es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Philips zusammenklappt. Dann aber bauten die Hauptstädter allmählich ab. In der 15. Minute konnte Medveth nach einem Freistoß durch eine Unachtsamkeit ausgleichen.
Nach der Pause begannen die Hauptstädter immer mehr zu schwimmen. Hitzel war eine Vorgabe. Schalling wurde mit zunehmender Spieldauer von Müller immer mehr umhergehetzt und vollkommen zermürbt. Es begann bereits traurig für Eisenstadt auszusehen. In der 51. Minute schoß Müller den Führungstreffer, doch verstanden es die heimischen Stürmer nicht, aus der Überlegenheit Kapital zu schlagen.
In der 75. Minute wurde Kommanovits gefoult, und Schüller knalle den Freistoß durch die Mauer halbhoch neben der Stange ins Netz. Nun folgten bange Minuten, und Eisenstadts Schlachtenbummler zählten förmlich die Sekunden. Mit Glück und großen Einsatz rettete man sich über die Zeit und damit einen Punkt.

Am nächsten Spieltag traute man seinen Augen nicht, denn an die 1.500 Zuschauer wollten das Heimspiel gegen den SV Wienerberg sehen, das eine flotte und auf hohem Niveau stehende Ostliga-Partie wurde.
Auch die Gäste aus Wien-Favoriten agierten im 4-2-4-System, und das etwas besser als der SC Eisenstadt. Am Ende setzte es eine 0:1-Niederlage und der Berichterstatter der BF schob die Schuld daran einer einzigen Person zu: (BF) Der allein Schuldige and er Niederlage war Hitzel, der in der letzten Minute ein vollkommen unnötiges und überflüssiges Foul beging. Freistoß – volley – 1:0 durch den angeschlagenen Hechinger.

Ein böses Erwachen gab es beim ersten Burgenland-Derby in Pinkafeld. Eisenstadt versagte auf allen Linien. Dem krampfhaften Festhalten am 4-2-4-System wurde ein großer Teil der Schuld am 1:5-Debakel zugesprochen und in der Vorschau auf die nächste Runde wurde dem SCE ein schweres Spiel prognostiziert: (BF) Eisenstadt wird es mit dem 4-2-4-System auch gegen Gloggnitz schwer haben, da die Härte der Gloggnitzer in ihrer Situation die gefährlichste Waffe sein wird.

An jenem Samstag wurde der Ruf nach Ex-Trainer Toni Dallos immer lauter. Trainer Dr. Schleger schien seinen Aufgaben nicht gewachsen und unter den 700 Zuschauern war man sich einig, dass man nicht einmal in der Landesliga so schlecht gespielt hat wie jetzt.
Der SCE agierte von Beginn an sehr defensiv. Die BF bewertete dies als „Idiotie“. Der erste Torschuß des SCE konnte in der 47. Minute notiert werden. Zu diesem Zeitpunkt spielten die Heimischen bereits mit fünf Stürmern! In der 61. Minute nahm das Unheil seinen Lauf: Die Abwehr zauberte, Tormann Schorn stand an der Strafraumgrenze. Da tauchte plötzlich der Gloggnitzer Nagy auf und rollt den Ball ins leere Tor. Eisenstadt verlor nun schon das dritte Spiel in Folge und rangierte nach fünf gespielten Runden auf Platz Zehn.

SCE v Gloggnitz 0:1

Faksimile: BF-Online-Archiv – SCE v Gloggnitz 0:1

Zu diesem Zeitpunkt führte der SC Helfort die Tabelle ungeschlagen an. Punktegleich auf Rang Zwei lag der SC Tulln und die Siegendorfer waren auf Platz Drei Burgenlands bestes Team. Die Staatsliga-Absteiger WAC und SC Wacker rangierten auf Platz Fünf bzw. Sechs. Am Tabellenende führte der SCE die Nachzügler an. Dahinter lagen der SC Marchegg, der SV Mattersburg, SC Pinkafeld und die durch ein Sternderl (verschuldeter Spielabbruch) gehandicapten Gloggnitzer, die ja gerade erst ihren ersten Saisonsieg feiern durften.

Am Elektra-Platz musste sich die Mannschaft des SCE nun wieder rehabilitieren. Vor 300 Zuschauern blieb SCE-Trainer Dr. Schleger seinem 4-2-4-System treu, wobei es nicht mehr so starr wie in den letzten Spielen eingehalten wurde. Trotz des 0:1-Pausenrückstandes konnte man sich am Ende doch wenigsten über einen Punkt freuen – Granabetter gelang der Ausgleich.

Angenehm wurden die Zuschauer im Lindenstadion überrascht, als der SCE den Kremser SC mit 4:0 besiegte. Bereits in der Anfangsphase hatte der SCE Chancen auf drei Tore. Nachdem Müller zunächst noch neben das leere Tor schoß, erwischte etwas Später Leskovich II den Ball und schob ihn am KSC-Keeper vorbei ins Tor zum 1:0. Kommanovits stellte noch in der ersten Halbzeit auf 2:0 und im zweiten Durchgang sorgten Leskovich II sowie Schüller für die Tore drei und vier.

Und eine Woche später – vor eintausend Zusehern am Helfort-Platz – gewann der SC Eisenstadt gegen den SC Helfort mit 1:0! Den Sieg bei den heimstarken Wienern, bei denen einige ehemalige Staatsliga-Stars kickten, hielt niemand für möglich, doch er wurde Wirklichkeit! Der SCE siegte zwar knapp, aber hoch verdient. Schütze des Goldtores war Schüller.
Dank der zuletzt eingespielten fünf Punkte rückte der SC Eisenstadt ins Mittelfeld der Liga vor. Mit acht Punkten hatte der SCE drei Punkte Rückstand auf Platz Eins, wo der SC Wacker thronte, und drei Punkte Vorsprung auf die Gefahrenzone, in der sich Marchegg, Gloggnitz und Pinkafeld befanden. Aber auch nur einen Punkt, wenn man die Möglichkeit mehrerer Staatsliga-Absteiger aus dem Osten in Betracht zog.

Faksimile: BF-Online-Archiv - SC Helfort v SCE 0:1

Faksimile: BF-Online-Archiv – SC Helfort v SCE 0:1

Nächster Gast im Lindenstadion war der SC Wacker, der auch gleich an die 2.000 Zuschauer in den Eisenstädter Schloßpark lockte. Gegen den Staatsliga-Absteiger war allerdings kein Kraut gewachsen und man ging nicht ganz unverdient als Verlierer vom Platz. Dazu kam auch noch Pech und man merkte von der ersten Minute an, dass der Name WACKER auch beim Schiedsrichter für Respekt sorgte: Denn schon mit dem ersten Angriff gelang Kommanovits das vermeintliche 1:0 für den SCE, doch plötzlich ertönte ein Pfiff und Schiri Hausmann gab Abseits – obwohl ein Meidlinger Abwehrspieler an der Torlinie stand. Nach dem Rückstand in Minute zwölf, gelang Granabetter in der 38. Minute nach einem Eckball das 1:1, dem der Unparteiische nicht die Anerkennung verwehren konnte.
In der Halbzeit Zwei bekam der SCE sogar einen Elfmeter zugesprochen, doch der gefoulte Kommanovits vernebelte diese große Chance auf den Führungstreffer. In der 62. Minute war dann der SC Wacker an der Reihe: Nachdem Rock im Strafraum von zwei SCE-Verteidigern „gezwickt“ wurde, verwandelte er den verhängten Penalty zum 2:1 für die Wiener. Dabei blieb es auch.

Eine Woche später ging es in die Rosenstadt Tulln, wo der SCE sehr defensiv agierte und den Tullnern fast kampflos das Mittelfeld überließ. Der Abwehr-Riegel hielt den Angriffen der Niederösterreicher stand, doch selbst ging nach vorne überhaupt nichts. Somit endete die Partie torlos.

„Ärgerlich“ war, dass der SV Mattersburg durch seinen 6:0-Sieg über Pinkafeld nun am SCE in der Tabelle vorbei zog. Doch nun kam es zum Derby!

Die BF meine dazu: Ein spannendes Spiel ist zu erwarten. Beide Teams sind zwar nicht in Hochform, doch ist mit ihnen etwas anzufangen. Eisenstadt ist vielleicht spielerisch um einen Gedanken höher einzuschätzen, doch dafür dürfte Mattersburgs Kampfgeist ausgleichend wirken. Am ehesten ist ein Unentschieden zu erwarten.

Es kam aber (noch) nicht dazu! Das plötzlich hereinbrechende Winterwetter, das sich zunächst in schweren Regenfällen äußerte, wodurch viele Ostliga-Spiele abgesagt wurden. Im Burgenland fand lediglich das „Zucker-Derby“ zwischen Siegendorf und Tulln statt. Beide Klubs wurden nämlich von Zuckerfabriken „unterstützt“. Das Spiel endete übrigens 1:1.

Nach dieser Pause stand das Nachbarschaftsderby gegen die Siegendorfer auf dem Match-Plan und darüber hat sich die BF Gedanken gemacht:
Siegendorf war 19 Jahre lang ungeschlagen, und erst in letzter Zeit gelangen den Hauptstädtern einige Erfolge. Diese wurden aber in Siegendorf und nicht in Eisenstadt errungen, so daß hier der Platzvorteil sich eher zu einem Bumerang entwickelt hat. Da Siegendorf in letzter Zeit doch einen leichten Formrückgang zu verzeichnen hatte, muß die Partie diesmal als vollkommen offen bezeichnet werden.

Diesmal hatte das Wetter jedenfalls nichts gegen ein Fußballspiel im Lindenstadion, und es wurde ein wahrlich historisches Spiel!

BF: EISENSTADT BESIEGT SIEGENDORF 2:0
Der erste Heimsieg der Hauptstädter gegen den Nachbarrivalen!
Die zwölfte Runde brachte das alte Rivalenderby zwischen den Hauptstädtern und Siegendorf. Die Papierform – nach dem Tabellenstand – sprach für Siegendorf, doch gefühlsmäßig gab man den Platzbesitzern bessere Chancen. Siegendorf erfüllte die Erwartungen nicht und mußte sich verdient einer besseren Elf beugen, die vor allem ausgeglichener wirkte. Das gab schließlich den Ausschlag. Damit hat Eisenstadt nun auch seinen Tabellenstand und vor allem das Torverhältnis verbessern können.
Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v Siegendorf 2:0

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v Siegendorf 2:0

Das alte Schlagerspiel brachte nicht jenen hochstehenden Kampf, den man sich allgemein erwartet hatte. Trotzdem lag im Spiel große Spannung. Trotz der Nervosität der Spieler – die Siegendorfer hatten von diesem unerwünschten Marschgepäck weit mehr aufzuweisen, als die Eisenstädter – wurde fair gespielt. Man sah zwischen den Spielern keine Gehässigkeiten und das scheint uns gut so. Kleine und oft unnötige Fouls gab es hie und da, doch trübten sie nicht das Bild.
Das Spiel begann mit Angriffen der Siegendorfer. In der zweiten Minute ging Eisele mit einem Paß von Zeichmann auf und davon. Anstatt aber selbts zu schießen, wartete er so lange, bis er eingeholt und angegangen wurde. Sein Paß konnte dann nicht mehr verwertet werden. Das war dann auch die einzige reelle Chance, die die Siegendorfer herausarbeiteten. Zwei Minuten später verfehlte ein Kopfball Granabetters das Ziel und Pogac erging es in de 17. Minute nach einem Corner nicht anders. Eisenstadt hatte zu diesem Zeitpunkt das Heft bereits fest in der Hand. In der 22. Minute rangelte sich Soleder quer übers Feld durch und tupfte im richtigen Augenblick den Ball zu Granabetter, der sofort mit de linken Fuß flach in die Ecke schoß. Rosenits reagierte zu spät, und schon stand es 1:0. Nun dreht Eisenstadt auf. Hanbauer wird ins Feuer geschickt und hebt über den herausstürzenden Keeper – und über die Latte. In der 37. Minute schießt der Flügel abermals knapp daneben.
Nach der Pause hat zuerst Schüller eine Chance, doch wird nichts daraus. Dann übernimmt Zeichmann ein Zuspiel volley. Der Ball geht einen Meter neben der Stange ins Out. In der 62. Minute fällt dann die Entscheidung. Soleder erhält einen Longpaß und startet im richtigen Augenblick. Soldatits hat die Situation „überlauter“ und wollte eine Abseitsfalle zuschnappen lassen. Seine zwei Schritte nach vor kamen um einen Gedanken zu spät, so daß Soleder bereits den Ball vor sich hatte, als er nur mehr einen Spieler zwischen sich und der Toroutlinie vorfand. Soleder zog davon, gefolgt von Soldatits. Rosenits stürzte aus dem Tor, doch Soleder schoß im richtigen Augenblick ein. Der Schiedsrichter gab den Treffer. Dies brachte Soldatits so in Wut, daß er zur Outlinie lief und den Linienrichter rempelte. Herr Wlachojanis machte kurzen Prozeß und schloß den Kapitän aus. Als Kapitän müsste er mehr Ruhe und Abgeklärtheit bewahren. Noch dazu schadete er seinen Elf durch die numerische Schwächung. Eisenstadt war nun klar überlegen, doch verstanden es die Stürmer nicht, die Situation auszunutzen. So blieb die Unbedachtsamkeit Soldatits‘ wenigstens in diesem Spiel ohne böse Folgen.

Am nächsten Spieltag unterlag dann der SCE „ehrenvoll“ beim zweiten Staatsliga-Absteiger, dem WAC. Siegte man in der Woche davor vor knapp 1.500 Zuschauern gegen Siegendorf, so setzte es nun vor knapp 400 Besuchern eine 1:2-Niederlage.
Gegen den Tabellenzweiten hielt der SCE recht gut mit und ging sogar in Führung: In der 33. Minute behinderten sich Gürtler und Hollaus gegenseitig, Kommanovits war der lachende Dritte und spitzelte den Ball ins leere Tor (BF). Nach dem 1:0 waren die Eisenstädter wie beflügelt und belagerten nun den Strafraum des Praterklubs, doch ein zweiten Tor wollte nicht gelingen.
Dafür konnte der WAC das Spiel aber noch in der zweiten Halbzeit drehen.

Nach dieser Niederlage hatte der SCE nur noch die Möglichkeit im Nachtragsspiel gegen die Mattersburge die Ehre zu retten, denn nach der Niederlage beim WAC rangierten sie mit elf Punkten auf Elf. Zwei Punkte dahinter der SC Pinkafeld, der aber auch noch ein Nachtragsspiel – bei den Holzhackern aus Gloggnitz – zu absolvieren hatte.

„Das mit Spannung erwartete Nachtragsspiel der Regionalliga Ost zwischen Eisenstadt und Mattersburg brachte wohl nicht ein hochklassiges Spiel, ließ dafür aber an Dramatik nichts zu wünschen übrig.“, so die BF.

Der Boden war regennaß und tief – auch das Reservespiel trug das seine zu den immer schlechter werdenden Bodenverhältnissen bei. Vor den 2.200 Zuschauern begannen beide Mannschaften mit hohem Tempo. Nachdem den Gästen die Anfangsminuten gehörten, übernahm der SCE nach und nach das Spielgeschehen. Schon in der 19. Minute hallte großer Jubel durch den Schloßpark und die Zuschauer glaubten, dass dies der Auftakt zu einer wahren Torflut sein würde.
Kurios, wie das 1:0 zu Stande kam: (BF) Der Schiedsrichter gab „falsches“ Out. Die Mattersburger hätten Einwurf gehabt, doch winkte der Linienrichter dem einwerfenden Mattersburger Spieler zu, daß er um einige Meter zurückgehen müßte. Der Schiedsrichter verstand diese Geste falsch und gab Einwurf für Eisenstadt. Leskovich I erhielt den Ball und spielte halbhoch in den Strafraum. Da tauchte plötzlich Hanbauer auf halbrechts auf, brachte das Leder in vorbildlichem Einsatz an sich und knallte mit dem „linken Pratzerl“ scharf ins Netz.

Nach dem Führungstreffer kam Eisenstadt noch zu etlichen Chancen, doch ein weiteres Tor wollte nicht gelingen. Nach der Pause kamen die Gäste auf und als es schon nach einem knappen 1:0-Sieg roch, ließ Wograndl in der 86. Minute einen flachen Schuß los, der an SCE-Keeper Schorn vorbei an die Stange und von dieser ins Netz sprang. Endstand 1:1 unentschieden!

Der Herbst war geschlagen, dreizehn ereignisreiche Runden absolviert. Herbstmeister wurde der SC Wacker, vier Punkte dahinter lag der WAC, der wiederum drei Punkte Vorsprung auf das Trio FS Elektra, SC Tulln, SV Mattersburg hatte. Eisenstadt belegte mit seinen zwölf Punkte Rang Neun.

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v Mattersburg 1:1

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v Mattersburg 1:1

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v Mattersburg 1:1

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v Mattersburg 1:1

Von der Wiener Austria wurde Eisenstadt als Ort des Winter-Trainingslagers auserkoren, denn… (BF) Der Austria hat die Eisenstädter Trainingsluft im Sommer sehr gut getan, und vor allem Ernst Ocwirk schwärmt nach wie vor vom Lindenstadion. Daher ließen die Veilchen nichts unversucht, um nun auch die Frühjahrssaison wieder in Burgenlands Metropole vorzubereiten. Ocwirk unternahm eine Erkundungsfahrt ins Burgenland, und kein geringerer als der Teamchef der Nationalmannschaft Edi Frühwirt war sein Begleiter. Das erste Ergebnis ist nun voraussichtlich ein vierzehntägiges Trainingslage der Veilchen in Eisenstadt.
Das Erscheinen Frühwirts scheint aber anderen Plänen gegolten haben. Der engere Vorstand des BFV bemüht sich seit geraumer Zeit, den ÖFB zu überzeugen, daß das Eisenstädter Stadion das ideale Stammquartier für Österreichs Nationalmannschaft wäre. Freilich sind hierfür einige bauliche Veränderungen notwendig, da man doch schließlich die Schlafräume ausbauen müßte. Sollten sich diese Pläne verwirklichen lassen, dann könnte Eisenstadt das „Mekka“ des österreichischen Fußballsportes werden.

Die Vorbereitung begann der SCE ein paar Wochen später als die Konkurrenz. Erster Gast im Lindenstadion war der SV Donau, gegen des es Jahrzehnte später in der Regionalliga Ost einmal ein denkwürdiges Heimspiel geben würde, das an zwei Tagen ausgetragen wurde! 1966 gewann der SCE das Spiel mit 5:2. Danach kam der UFC Frauenkirchen und musste sich glatt mit 0:6 geschlagen geben.

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v SV Donau 5:2

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v SV Donau 5:2

Das nächste Testspiel war jenes gegen die im Eisenstädter Trainingslager weilenden Veilchen der Wiener Austria. 2.000 Zuschauer lockte dieser Leckerbissen an, und sie wurden nicht enttäuscht. Der SCE führte ja immerhin zur Pause mit 3:0!
Die Wiener versuchten zunächst zu „zaubern“, doch der SCE erstarrte nicht in Ehrfurcht. Tor Eins fiel in der 20. Minute durch Kommanovits. Gleich darauf: Die Austria stößt an, Leskovich II bekommt den Ball im Mittelfeld zugespielt und läuft dem Strafraum entgegen. Aus gut 25 Metern Entfernung ließ er eine Prachtbombe los, und schon stand es 2:0!
In der 33. Minute folgte dann das 3:0 durch Hanbauer. Nach Seitenwechsel schaltete dann der Gast aus Wien zwei Gänge höher, und nach 90 Minuten stand es 3:3. Ein Achtungserfolg des SC Eisenstadt.

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v Austria Wien 3:3

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v Austria Wien 3:3

Am nächsten Wochenende gewann dann die Austria im Lindenstadion gegen Rechnitz mit 7:1 und der SCE trat zum Rückspiel beim SV Donau in Wien an, wo es eine 0:1-Niederlage setzte.

Nach dieser verlorenen Generalprobe gewann der SCE das Frühjahrsspiel Nummer Eins beim SC Marchegg mit 2:1, wodurch man sich sogar auf Rang Sechs hieven konnte.
Danach wurde die Firmenelf von Philips im Lindenstadion Dank eines Elfmeters von Kusolits mit 1:0 bezwungen. Nun war der SCE Fünfter, gar nur einen Punkt hinter Platz Zwei.

Den Sprung weiter nach vorne schaffte man dann eine Woche später beim SV Wienerberg nicht. Es war eine der schwächsten Partien dieser Runde und endete torlos. Der Ball wurde meist nur hin- und hergedroschen.

Faksimile: BF Online-Archiv: SV Wienerberg v SCE 0:0

Faksimile: BF Online-Archiv: SV Wienerberg v SCE 0:0

Nach dieser Nullnummer rächte sich der SCE für die im Herbst erlittene 1:5-Niederlage gegen den SC Pinkafeld. Vor 600 Zuschauern siegte der SCE nach einem rasanten, kampfbetonten und an Chancen reichen Spiel verdient mit 5:2. SCE-Tore: Kommanovits 2; Leskovich II 3.

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v SC Pinkafeld 5:2

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v SC Pinkafeld 5:2

Die Tabelle wies nach 17 Runden den SC Wacker als überlegenen Tabellenführer aus. Die Meidlinger führten mit 26 Punkte vor dem mit einem Doppeladler auf der Dress spielenden Mannschaft des WAC, die 21 Punkte vorzuweisen hatten. Auf Rang Drei lag der SC Tulln mit 20 Punkten und auf Platz Vier rangierte der Sportclub Eisenstadt mit 19 Punkten.

Faksimile: BF Online-Archiv: Der WAC in Siegendorf

Faksimile: BF Online-Archiv: Der WAC in Siegendorf

Mit Rang Drei im Zielradar reiste der SCE zum SV Gloggnitz, der nach der abgelaufenen Sperre auch wieder in Gloggnitz und nicht in Neunkirchen spielen durfte (nach dem Spielabbruch beim Heimspiel gegen Helfort mussten die Gloggnitzer ihre Herbstheimspiele in Neunkirchen austragen).
Beachtliche 1.500 Zuschauer wohnten dem Spiel bei, und es gab keinerlei Anzeichen, dass es zu einem Spielabbruch kommen könne.
Doch leider versagten die Stürmer des SCE und Nachzügler Gloggnitz kam zu einem 1:0-Erfolg.

Doch auch das nächste Ergebnis war für den Tabellenstand nicht sehr dienlich. Gegen FS Elektra musste man sich nämlich vor 600 Zuschauern im Lindenstadion mit einem 1:1 zufrieden geben. Die 1:0-Pausenführung, die Leskovich II besorgte, glichen die Wiener knapp 20 Minuten vor dem Ende durch Jaros wieder aus. Somit rutschte der SCE auf Rang Sechs ab.

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v FS Elektra 1:1

Faksimile: BF Online-Archiv: SCE v FS Elektra 1:1

Zu Ostern 1966 ruhte der Spielbetrieb in den Ligen und der SCE hatte das Amateurteam Österreichs zu Gast, bei dem mit Breyer, Granabetter und Soleder gleich drei SCEler engagiert waren.

Erwin Soleder war zu diesem Zeitpunkt von der BF zum „Spieler der Woche“ erkoren worden:

Faksimile: BF Online-Archiv: Spieler der Woche: Erwin Soleder

Faksimile: BF Online-Archiv: Spieler der Woche: Erwin Soleder

Schon in der 16. Minute fand der SCE die Chance auf das 1:0 vor, doch Kusolits vergab vom Elfmeterpunkt – der Ball knallte an die Querlatte. In der 61. Minute fiel dann das einzige Tor dieses Ostermontags: Reiter traf zum 1:0-Siegtreffer für den SC Eisenstadt.

Die nächste Auswärtsreise führte den SCE an die Donau nach Krems, wo der Tabellenletzte daheim war. Vor mageren 300 Zuschauern hatte der SCE aber hart zu arbeiten, um nicht mit dem Tadel – gegen den Letzten nicht gewonnen zu haben – leben zu müssen. Die ersten zwanzig Minuten gehörten den Kremsern, die in der 13. Minute sogar in Führung gingen. Erst allmählich konnte der SCE sein Spiel entfalten und übernahm nach und nach das Kommando im Kremser Stadion. Es wurden Chancen am laufenden Band herausgespielt, aber immer vergeben. Nach der Pause wurde die Überlegenheit der Eisenstädter immer deutlicher, dennoch gelang dem KSC sogar das 2:0! Perzl traf in der 65. Minute. Jetzt wurde der SCE noch energischer auf dem Feld. Granabetter ging in der 71. Minute durch und wurde am Elfer gelegt. Den verhängten Strafstoß verwandelte Kusolits zum 1:2-Anschlußtreffer. Drei Minuten später wurde Kommanovits in aussichtsreicher Position zu Fall gebracht und der Schiedsrichter gab einen indirekten Freistoß, den Leskovich II zum 2:2 verwerten konnte. Krems war nun vollkommen von der Rolle. In der 76. Minute konnten gleich drei Abwehrspieler mit dem Ball nicht fertig werden und Erwin Soleder schoß dankend zum 3:2 ein.

Faksimile: BF Online-Archiv: Spieler der Woche: Gerhard Hitzl

Faksimile: BF Online-Archiv: Spieler der Woche: Gerhard Hitzel

Am nächsten Wochenende war erneut Pause und im Lindenstadion fand das U23-Länderspiel Österreich v. Rumänien statt, das die Gäste vor 3.500 Zuschauern mit 1:0 gewinnen konnten.

Etwas weniger Zuschauer – nämlich 700 – sahen sich am folgenden Wochenende das Ostliga-Spiel gegen den SC Helfort an. Die Wiener versuchten gleich zu Beginn, den Eisenstädtern die Schneid abzukaufen. Granabetter wurde bei einem energischen Vorstoß sehr hart genommen und schied verletzt aus. Nach ein paar Minuten Behandlung konnte er dann aber doch wieder weiterspielen. Zur Pause stand es noch 0:0, doch nach dem Seitenwechsel drängte der SCE heftiger aufs Tor der Wiener. In der 55. Minute flankt Granabetter zur Mitte und Schüller drückte kaltblütig zum 1:0 ein. Dabei blieb es auch.
Damit hatte sich der SCE wieder Platz Vier zurückerobert, und lag nur zwei Punkte hinter dem WAC, der immer noch Platz Zwei inne hatte – Tabellenführer war nach wie vor der SC Wacker.

Gegen eben jenen SC Wacker trat der SC Eisenstadt zum nächsten Duell an. Der Wacker-Platz war diesmal mit 1.000 Zuschauern nicht sonderlich gut besucht, doch die Meidlinge wollten ihre Fans nach der Niederlage in der Vorwoche versöhnen (0:1 in Tulln). Der SCE agierte von Beginn an defensiv. Die Taktik hätte sich eventuell sogar bewährt, da der SC Wacker aber gleich in der dritten Minute mit 1:0 in Führung ging, wurde diese aber gleich zu Beginn kräftig durcheinandergeworfen. Bis zum Pausenpfiff erhöhte der SC Wacker sogar noch auf 3:0. Das Ehrentor bei der 1:3-Niederlage gelang Kommanovits in der 64. Minute.

In der 23. Runde kam mit dem SC Tulln ein spielstarker Gegner in Lindenstadion. Beide Mannschaften lieferten sich ein tolles Duell und für den SCE war es eines der besten Spiele dieser Saison, das sich aber weit mehr als 500 Zuschauer verdient hätte. Trotz des frühen Rückstandes, den Dr. Pranz in der sechsten Minute besorgte, ließ sich der SCE nicht vom Vorhaben „Sieg“ abbringen. Nur sieben Minuten nach dem 0:1 legte Leskovich II den Grundstein für den Heimsieg, denn ihm gelang ein Traumtor zum 1:1-Ausgleich. (BF): Er zog mit dem Ball am Fuß durch die Reihen der Gegner und kanoniert dann von der Strafraumgrenze mit dem linken „Hammer“ unhaltbar in die Kreuzecke.
Kurz vor der Pause fiel das 2:1: (BF) Kommanovits rangelte sich durch. Sein Schuß traf die Stange und sprang schließlich von der Ferse des Tormannes ins Feld zum Schützen zurück. Dieser legte für Leskovich auf, der den Rest besorgte.
In der zweiten Halbzeit knallte Soleder aus vollem Lauf volley den Ball zum 3:1 in die Maschen des Tullner Tores.

Dank dieses Sieges lag der SCE nun auf Platz Drei – punktegleich mit den Siegendorfern und den Tullnern – hatte aber das bessere Torverhältnis der drei Teams vorzuweisen. Die Siegendorfer mussten aber noch ein Spiel nachtragen, was eine Woche später geschah, und bei der Elektra 0:0 endete. Die übrigen Ostligisten hatten wieder spielfrei, denn es fanden diverse „Länderspiele“ statt. Das Burgenland gewann dabei gegen Wien in der einen Wertung mit 3:1 – mit dabei vom SCE: Schorn, Breyer und Schalling – und in de anderen Wertung verlor man gegen Tirol mit 1:2 – der SCE stellte Schorn, Kusolits, Granabetter, Soleder, Kommanovits und Schüller.

Am nächsten Wochenende war Pfingsten, und somit fanden wieder keine Liga-Spiele statt. Der SCE testete gegen den SV Wimpassing sowie gegen Neufeld. In Wimpassing spielten die Hausherren ohne große Ambitionen und der SCE aus dem Stand. Das Spiel endete nach einem Hanbauer-Tor mit 1:0 für den SCE.
In Neufeld dominierte der SCE die erste Halbzeit klar mit 6:2. Nach der Pause schmolz der Vorsprung stetig, und der SCE musste sich anstrengen, um nicht noch den Ausgleich zu kassieren. Das Spiel endete mit einem 6:5 für Eisenstadt. Für den SCE trafen Taschner (3), Losonsky, Stadler und Hanbauer; für Neufeld Tötl (3) sowie Geza Gallos (2).

Nach zwei Wochen Pause wartete nun das Derby beim SV Mattersburg auf den SCE. Doch leider wurde durch das lustlose Auftreten der Eisenstädter folgende Schlagzeile Realität:

Faksimile: BF Online-Archiv

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Dabei begann das Spiel mit prächtigen Angriffen des SCE, der Mattersburg ständig unter Druck setzte. Es gab schöne Spielszenen zu sehen, was die vielen Schlachtenbummlern aus Eisenstadt in Entzücken versetzte. In der 20. Minute traf Hanbauer zum 1:0. Damit ging es auch in die Kabinen.
Doch nach der Pause kamen anscheinend elf neue Eisentädter auf den Platz. Von dem in der ersten Halbzeit Gezeigten war nun nichts mehr zu erkennen. Nach ein paar Minuten stand es schon 1:1 und in der 67. Minute wurde SCE-Keeper Schorn von Wotruba schwer gefoult – es fand sich aber kein Eisenstädter Betreuer, der sich um den angeschlagenen Schorn kümmerte. Kurz darauf traf Suttner per Freistoß aus gut 30 Metern zum 2:1. Das Vergehen für diesen Freistoß war laut BF keineswegs ein Foul. Schorn konnte bei dem Schuß kaum reagieren und blieb am Boden liegen. Erst jetzt fand man es der Mühe wert, so der BF-Reporter, etwas zu unternehmen. Schorn wurde mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Für ihn stand nun Grasz zwischen den Pfosten.

Ob da mehr dahintersteckte? Der Schlußabsatz der BF über dieses Spiel: (BF) Bei Eisenstadt lag der Keim der Niederlage in der geradezu irrsinnigen Aufstellung. Jahr und Tag spielen Schalling links und Hitzel rechts. Diesmal wurde umgedreht. Beide stellten sich ungefähr so an wie ein Rechtshänder, der plötzlich mit der linken Hand essen muß. Sie standen verkehrt und attakierten falsch. Dadurch wurde auch Kusolits in Mitleidenschaft gezogen. Der zweite Fehler der Aufstellung war, daß Granabetter im Sturm und Schüller Aufbauläufer spielte. Schorn war bis zur Verletzung ausgezeichnet. Traurig war die Betreuung des Tormannes. Beim angeschlagenen Keeper hat der Mannschaftsbetreuer zu sein und sich zu kümmern. Eisenstadt kann man nur bis zur Pause kritisieren. Nach Seitenwechsel erübrigt sich jede Kritik. Das Publikum gab den Unmut über die Leistungen und über die „Vermutungen“ ungeschminkt Ausdruck, und mit diesem Spiel hat sich die Mannschaft beim eigenen Anhang mehr geschadet als notwendig ist.

Dank dieses Sieges verschaffte sich der SV Mattersburg zwei Runden vor dem Ende der Meisterschaft etwas Luft im Abstiegskampf. Krems und Gloggnitz hatten sowieso keine Chance mehr auf den Klassenerhalt, doch da in der Nationalliga der I. Simmeringer SC abgeschlagen Letzter war, gab es zumindest drei Absteiger aus der Ostliga und da auch der 1. Wiener Neustädter SC tief im Abstiegssumpf steckte, war die Gefahr groß, dass es wieder vier Absteiger geben könnte.

Durch das 2:1 gegen den SCE lagen die Mattersburger nun an neunter Stelle, hatten einen Punkt Vorsprung auf den SV Wienerberg und den SC Pinkafeld sowie zwei Punkte Vorsprung auf den SC Marchegg.

Das letzte Auswärtsspiel führte den SCE nach Siegendorf, wo es eine 1:3-Niederlage gab. Grasz stand für den verletzten Schorn im Tor, war aber keineswegs Schuld an der Derby-Niederlage. Den Ehrentreffer für den SCE erzielte Leskovich II.

Faksimile: BF Online-Archiv: Siegendorf v SCE 3:1

Faksimile: BF Online-Archiv: Siegendorf v SCE 3:1

In dieser vorletzten Runde sicherte sich der SC Wacker durch ein 1:0 in Marchegg den Meistertitel der Ostliga sowie den Wiederaufstieg in die Nationalliga. Der kommende Vizemeister WAC fertigte den SC Tulln mit 9:3 ab und die bereits abgestiegenen Gloggnitzer hatten mit den im Abstiegskampf steckenden Mattersburger weit weniger Mitleid, als eine Woche zuvor der SCE, und siegten 3:1.

Um den rettenden zehnten Platz stritten sich drei Vereine: Mattersburg lag vor der letzte Runde auf Platz Zehn mit 23 Punkten (Torverhältnis -9), am Wackelplatz Elf rangierte der SC Pinkafeld mit 22 Punkten (-11) und am den Abstieg bedeutenden zwölften Platz fand man den SC Marchegg mit 21 Punkten (-11).

Die letzte Runde ließ aber wieder auf sich warten und es wurden Spiele der Bundesländer-Meisterschaft beziehungsweise Testspiele abgehalten.

Der SCE beendete die Meisterschat 1965/66 mit einem 2:2 vor kaum 300 Zuschauern im Lindenstadion gegen Vizemeister WAC. Der kommende SCE-Spieler Strebele stellte in der ersten Halbzeit auf 2:0 für die Gäste aus Wien. Die Eisenstädter gaben sich aber nicht geschlagen und in der 54. Minute verwertete Granabetter einen Paß von Kommanovits zum 1:2. Fünf Minuten später riskierte Granabetter einen Schuß aus gut 25 Metern, den WAC-Goalie Pflug nicht halten konnte.

Im Abstiegskampf stießen die Tullner die Marchegger mit 1:0 in die NÖ-Landesliga und Pinkafeld kam in Krems nur zu einem 0:0-Unentschieden. Somit hätte eine hohe Niederlage der Mattersburger gegen Burgenlands bestes Ostliga-Team noch den Abstieg bedeuten können. Doch diesmal spuckten die Siegendorfer den Mattersburgern nicht in die Suppe – im Vorjahr verhinderten sie ja durch ein 1:1 im Derby den Aufstieg des SVM – und die Hausherren gewannen das Spiel mit 4:1.

Der SC Eisenstadt wurde in dieser Saison Sechster, gewann zehn Spiele, remisierte siebenmal und verlor neun Spiele. Pinkafeld musste als Elfer auch noch absteigen, da sich der 1. Schwechater SC mit der Wiener Austria kooperierte und dadurch freiwillig in die Ostliga abstieg.

Die Saison 1965/66 war Geschichte und auf der großen Fußballbühne begann die Weltmeisterschaft in England. Die Vorbereitung auf die kommende Regionalliga Ost-Saison wurde auf Schiene gebracht. So wurde bereits ein Trainingslager in Gosau organisiert. Man wollte nämlich eine etwas bessere Rolle in der Saison 1966/67 spielen, und das tat der SCE dann ja auch!

*ebensowenig jetzt: Der 26. Mai 2013 war auch ganz schön!

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

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