Über den Fußballklub meiner Heimatstadt

Ein kleiner Artikel über den Fußball-Klub meiner Heimatstadt, den Sportclub Freistadt Rust (verfasst: 09/2010):

Mein Großvater, Johann Lang, war Gründungsmitglied und erster Obmann-Stellvertreter des Sportclub Freistadt Rust, als dieser im Jahre 1948 gegründet wurde. Ich bin auch stolzer Besitzer der drei Festschriften aus den Jahren 1988, 1998 und 2008 und bewahre die Vereinsnadel meines Großvaters aus Rust auf. Von Seiten meines Eisenstädter Großvaters und dessen Sohn – meinem Vater – zog es mich zum SC Eisenstadt, dem ich mein fußballerisches Leben (nicht am Felde) widmete.

Wie oben schon kurz erwähnt, so  wurde der erste behördlich gemeldete Fußballverein in der Freistadt am Westufer des Neusiedler Sees im Jahre 1948 gegründet. Hauptverantwortlich war dabei der damalige Bürgermeister Wiesinger, der als Obmann fungierte und eben von meinem Großvater, dem Bäckermeister Johann Lang, vertreten wurde.

Mit der Saison 1948/49 startete der SCF Rust in die Meisterschaft der 2. Klasse A – Mitte und wurde von neun Teams Sechster. Von den 16 Spielen wurden 7 gewonnen und 9 verloren – kein einziges Remis gab es damals zu verzeichnen. Dafür verdankten sie dem einen Unentschieden in der Saison 1949/50, dass sie gleich in ihrer zweiten Meisterschaft den Aufstieg schafften, obwohl ihnen dies „nur“ als Dritter gelang. Hinter Leithaprodersdorf und dem SC NEWAG Eisenstadt errangen die Ruster Platz 3 – einen Punkt vor Großhöflein – und spielten in der kommenden Spielzeit in der 1. Klasse A – Nord. Doch dort wehte den Seestädtern ein harter Wind entgegen und nach 22 Spielen und 8 Punkten (3 Siege, 3 Remis) sowie einem Torverhältnis von 40:109 ging es wieder retour in den Keller.

1952 waren nur Zagersdorf und die Nachbarn aus Mörbisch schlechter, doch schon im Sommer darauf schaffte der SCF Rust den zweiten Aufstieg in seinem erst jungen Leben und dazu auch gleich den ersten Meistertitel. Vor den Mannschaften aus St. Georgen und Oggau wurde Rust Meister und spielte 1953/54 wieder in der 1. Klasse, wurde aber erneut Letzter. Dennoch blieb der Sportclub in der Liga, da St. Georgen – die Vorletzter wurden – den Spielbetrieb einstellte.

Dieses Schicksal ereilte auch den SCF Rust zwei Jahre später, doch nach nur einer Saison Pause ging es 1959/60 wieder weiter. Auf Anhieb schafften die „ausgeruhten“ Ruster den Vizemeistertitel hinter Müllendorf und wurden 1960/61 punktegleich mit Purbach Meister, da sie das weitaus bessere Torverhältnis vorzuweisen hatten.

In der darauf folgenden Saison zählte Rust zu den Top-Teams der 1. Klasse B – Nord und wurden hinter Klingenbach Zweiter. Diese Stärke konnten die Storchenstädter auch in die nächste Saison hinüber retten und wurden mit einem 3-Punkte- bzw. 5-Punkte-Vorsprung auf die beiden Nachbargemeinden Mörbisch und Oggau Meister der 1. Klasse und spielte erstmals in der 2. Liga Nord! Die beiden anderen Nachbargemeinden von Rust, Oslip und St. Margarethen, spielten damals auch in dieser Klasse und wurden Vierter (Oslip) bzw. Sechster.

Wer glaubte, dass nun die Luft draußen war irrte sich gewaltig, denn der SCF Rust wurde in der Saison 1963/64 nur von der Seewinkler Mannschaft aus Andau übertroffen und beendete die Meisterschaft der 2. Liga Nord auf Platz 2! In der nächsten Saison ging es an der Tabellenspitze eng zu, Rohrbach hatte mit 29 Punkten die Nase vorn, Zurndorf und Baumgarten (beide 28 Punkte) folgten und auf Platz 4 rangierte der SCF Rust mit 26 Punkten.

Der nächste Meister der 2. Liga Nord hatte hingegen schon einen komfortablen 5-Punkte-Polster auf den Vizemeister Oslip, der als Aufsteiger eine starke Saison spielte. Doch der Meister hieß Sportclub Freistadt Rust!

Nun – in der Saison 1966/67 – konnte sich die kleine Stadt mit den Top-Mannschaften des Landes messen. Da war z. B. der SC Pinkafeld, SC Oberwart, Rudersdorf, Neufeld und der ASK Oberwart.
Leider ging das Landesliga-Abenteuer aber schon nach nur einer Saison zu Ende. Rust wurde nach 8 Siegen, 3 Remis und 15 Niederlagen abgeschlagen Letzter.
Über die Spiele der 19. Runde wird u. a. berichtet: Rust bereits sicherer Absteiger! Die Seestädter wurden in Rudersdorf deklassiert.
USV Rudersdorf – SCF Rust 5:1
Mit einer ganz kleinen Hoffnung auf einen glücklichen Zufall kamen die Ruster nach Rudersdorf. Aber weder das Glück noch der Zufall wollte es, dass die Seestädter den Anschluss an das untere Tabellenende finden. Und somit ist Rust als sicherer Absteiger bereits qualifiziert. Bis zur Pause florierte es noch halbwegs, und da bestand für die Gäste wenigstens noch die Aussicht mit einem Zähler erfolgreich heimzukehren, doch dann stürzte für Grasz und Kollegen plötzlich eine Welt zusammen. Rudersdorf, schon vor der Pause leicht tonangebend, ging zur totalen Offensive über, überrannte immer wieder, und schlich mit Leichtigkeit, die gegnerischen Reihen und war in der zweiten Halbzeit für ein Schützenfest gut.

Nach dieser 19. Runde hatte der SCF Rust 4 Siege und 3 Remis auf der Haben-Seite. In den letzten Runden gab es zwar noch 4 Siege aber auch drei Niederlagen, die für den Klassenerhalt einfach zu wenig waren.

Nun ging es steil bergab: Die zweite Meisterschaft der 2. Liga Nord wurde als Letzter beendet und nach der zweiten Saison in der 1. Klasse war man wieder in der „Schutzgruppe“ angekommen. Dort pendelte man sich für drei Saisonen zunächst in der oberen Hälfte ein (Vierter, Fünfter und Siebter), dann rutschte der SCF Rust aber auf den Vorletzten und 1975/76 sogar auf den letzten Platz der letzten Liga des Burgenlandes ab.

Kaum zu glauben, dass der SCF Rust nach diesen beiden katastrophalen Jahren im Sommer 1977 – als es nicht mehr lange dauerte, bis ich geboren wurde – den Meistertitel der 2. Klasse Nord errang – drei Punkte vor dem SC Trausdorf. An alte Heldentaten konnte aber nicht mehr angeschlossen werden, denn zunächst entging man als Drittletzter knapp dem Abstieg, im Jahr darauf wurde man immerhin Viertletzter, doch im Sommer 1980 ging es als Letzter wieder retour in die 2. Klasse.

Nach zwei Saisonen im Mittelfeld gab es 1982/83 gerademal einen einzigen Sieg, dafür aber vier Unentschieden, Dank derer man nicht letzter wurde – diese Ehre hatte Neudorf. 1983/84 verbesserte man sich auf den Drittletzten Platz, doch dann landete der SCF Rust wieder an vorletzter Stelle und die Saisonen 1985/86 und 1986/87 wurden auf dem letzten Platz der Tabelle beendet.

In den folgenden Spielzeiten gab nur selten einen einstelligen Endrang: 1989/90 Platz 9, 1993/64 Platz 8, 1994/95 & 1996/97 immerhin Platz 4 sowie 1997/98 Platz 6.

Damals – 1998 – feierte der SCF Rust ein 50jähriges Bestehen und feierte im BFV-Cup tolle Erfolge. Zuerst wurde Landesligist Leithaprodersdorf mit 1:0 besiegt, danach konnte der FC Andau mit 3:1 bezwungen werden. Beim Finale der Nord- und Süd-Gruppe in Güssing konnte nach einer 0:1-Niederlage im Halbfinale gegen Wiesfleck Platz 3 des Turniers durch ein 4:3 im Penalty Shoot-out gegen Kroatisch Minihof errungen werden.

Dafür schaffte der SCF Rust in der Saison 1998/99, nach 22 Jahren (!), den 6. Meistertitel und somit den 7. Aufstieg der Vereinsgeschichte. Die Entscheidung fiel Ende Mai 1999, als am Zagersdorfer Sportplatz – vor immerhin knapp 800 Zuschauern – die Hausherren, die die schärfsten Konkurrenten im Aufstiegskampf waren, mit 3:1 besiegen konnte (da war ich sogar anwesend!).

Fast zwanzig Jahre verbrachte der SCF Rust in der Schutzgruppe! Nun wollte man in der 1. Klasse Nord für Furore sorgen. Anfangs sah es auch ganz danach aus, denn das Team aus der Stadt der Störche und des edlen Weines wurde hervorragender Vierter. Nach dieser Heldentat wollte es aber nicht mehr so richtig damit klappen. Als Drittletzter hatte man im zweiten Jahr in der 1. Klasse gehörig zu zittern und am ende der dritten Saison lag man weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Das bisher letzte Spiel des SCF Rust in der 1. Klasse Nord ging daheim gegen den SV Wulkaprodersdorf mit 2:6 verloren.

Seither ist man wieder an der Heimatadresse, der 2. Klasse Nord, gemeldet, wo es einen neuen Austragungsmodus mit Play-Offs nach dem Grunddurchgang gab. In dieser Zeit schaffte es der SCF Rust nie in das Obere Play Off, doch solche Neuerungen sind in Österreich ja nicht besonders langlebig und schon bald kehrte man zum ursprünglichen Ligamodus zurück.

Der SCF Rust spielt in der 2. Klasse Nord und HIER (Fußball Online) kann man sich die aktuellen Ergebnisse anschauen – bzw. HIER (Fußball im Burgenland)

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Nicht uninteressant abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.