Salzburg: uneinnehmbar!

Es bedurfte einiger Sitzungen bei Tee, Kaffee und das ein oder andere Bier war auch dabei, um eine Datenbank mit so vielen Spielergebnissen des SC Eisenstadt zu füllen wie nur möglich. Inzwischen sind es knapp 2.700 Einträge (SCE sowie Ehepartner SC NEWAG), mit denen man in der Historie forschen kann. Selektiert man nun Spiele gegen Salzburger Teams (Stadt sowie Land), erwiesen sich Klubs dieses Bundeslandes – besonders bei Auswärtsspielen – als schier unbezwingbar für den SCE.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Die erste – für mich auffindbare – Begegnung mit dem Salzburger Fußball gab es für den SC Eisenstadt nach dem Meistertitel der Regionalliga Ost 1967 in der darauffolgenden Saison der Nationalliga, wo man nun auf die Salzburger Austria traf.
Die Violetten aus der Mozartstadt sollten im Laufe der Jahrzehnte ein wahrer Angstgegner des SCE werden. Den ersten Sieg gegen Austria Salzburg sollte es erst in der Saison 1972/73 geben, als man sie im Lindenstadion mit 2:0 besiegen konnte. Das erste Erfolgserlebnis gegen einen Salzburger Verein, der auch zwei Punkte wert war, gab es in der Saison 1971/72, denn da konnte der SCE – natürlich im Lindenstadion – den SK Bischofshofen mit 6:0 abfertigen.

Doch begeben wir uns auf eine Auswärtsfahrt nach Salzburg, und schauen uns an, wie es dem SCE im erst seit dem frühen 19. Jahrhundert zunächst zum Hause Österreich gehörenden  Landstrich und nunmehrigen Bundesland so ergangen ist.

In einem Wort: schlecht!
Die Saison 1967/68 führte wie erwähnt den SCE mit Austria Salzburg zusammen und beim ersten Antreten musste man sich gleich einmal mit 0:3 geschlagen geben.

Erstes Spiel in Salzburg - BF-Onlinearchiv

Erstes Spiel in Salzburg – BF-Onlinearchiv

In den beiden nächsten Saisonen lauteten die Ergebnisse 1:3 und 1:6. 1971/72 hatte man erstmals zwei Auswärtsfahrten nach Salzburg zu absolvieren. Zu holen gab es aber nur einen Punkt in Bischofshofen (1:1), in der Landeshauptstadt setzte es nämlich eine 0:2-Niederlage.
In dieser Tonart ging es auch die kommenden Meisterschaften – egal ob in der 1. oder in der 2. Division – munter weiter:

1972/73: 2:5 gegen Austria Salzburg
1973/74: 0:1 gegen Austria Salzburg und im Cup gab’s ein 1:2
1974/75: 0:1 und 1:3 gegen Austria Salzburg (Zehnerliga, daher zwei Auswärtsspiele)

In der 2. Division 1975/76 traf man dann erstmals auf den SAK 1914, gegen den man aber auch gleich 1:3 verlor und sich in der nächsten Saison 1:4 geschlagen geben musste.
1977/78 gesellte sich die Salzburger Austria zu den Zweitdivisionären hinzu unter denen sich auch der ASK Salzburg befand. Gegen den „großen“ SV Austria Salzburg setzte es ein knappes 0:1. Dies geschah drei Tage vor meiner Geburt! [Das erste SCE-Spiel nach meiner Ankunft war ein 3:0-Heimsieg über den 1. Wiener Neustädter SC]

Drei Tage vor meiner Geburt gab es eine 0:1-Niederlage gegen die Salzburger Austria - BF-Onlinearchiv

Drei Tage vor meiner Geburt gab es eine 0:1-Niederlage gegen die Salzburger Austria – BF-Onlinearchiv

Und gegen den „kleinen“ Salzburger Verein dieser Saison – den ASK Salzburg – hatte man auch nichts zu melden und verlor 1:2.

Die Niederlage in Maxglan - BF-Onlinearchiv

Die Niederlage in Maxglan – BF-Onlinearchiv

Die Austria verabschiedete sich im Sommer 1978 als Meister in die 1. Division und der ASK stieg als Vorletzter ab. Dennoch gab es auch in der folgenden Saison eine Auswärtsfahrt nach Salzburg, denn der ASK Anif schaffte den Aufstieg.
Nun würde es aber endlich einen Sieg im Salzburger Land geben! Nein, gab es nicht. Das Spiel am Anifer Sportplatz endete torlos. Anif stieg ab und in der Meistersaison 1979/80 blieb der SCE ohne Salzburger Gegner.

Nach dem Wiederaufstieg ging das erste Auswärtsspiel bei der Salzburger Austria mit 1:4 verloren und die zweite Begegnung in Salzburg gab es in der letzten Runde. Beide Teams waren am Tabellenende und der SCE brauchte unbedingt einen Sieg (es wäre der erste Auswärtssieg dieser Saison gewesen), um in der Liga zu bleiben. Nach dem Schlusspfiff stand es aber 2:0 für die Salzburger und die Eisenstädter fühlten sich vom Schiedsrichter betrogen. Bei der katastrophalen Auswärtsbilanz der Saison 1980/81 brauchte man sich aber nicht zu sehr über den im Lehener Stadion fixierten Abstieg aufregen – auch wenn der Elfmeter für Salzburg sehr, sehr – ich erwähne es noch mal: sehr fragwürdig war.

Siegeshoffnungen konnte man in Salzburg jahrelang aus dem Fenster werfen, die die Salzach dann hinweg spülte.

Siegeshoffnungen konnte man in Salzburg jahrelang aus dem Fenster werfen, die die Salzach dann hinweg spülte.

So wie die Festung Hohensalzburg, waren bisher auch die Salzburger Fußballstadien für den burgenländischen „Eindringling“ uneinnehmbar! Und ob man sich bei den Eisenstädtern Zeit dafür nahm, die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen, ist nicht überliefert (und auch nicht nachgefragt worden).

HohensalzburgIn der 2. Division traf der SCE auf zwei Salzburger Klubs: ASK Salzburg und SAK 1914. Während es gegen den ASK ein 1:1 gab, konnte gegen den SAK 1914 der Fluch von Salzburg überwunden werden.

Wir schreiben den 18. September 1981: Der SCE gastiert beim SAK 1914, der aber nicht auf seinem Nonntaler Fußballplatz spielte, sondern im Lehener Stadion gegen die Gäste aus dem Burgenland antrat. Erwin Schneider brachte die von Herrn Malatinsky trainierte Mannschaft in der 37. Minute in Führung. Nach der Pause erhöhte Karszai auf 2:0 (59.) und nach dem Anschlusstreffer der Salzburger in der 69. Minute stellte Schneider zehn Minuten später den 2-Tore-Vorsprung wieder her. Den 4:1-Enstand stellte zwei Minuten vor dem Abpfiff Aigner aus einem Elfmeter her.

Nach 14 Niederlagen (16 wenn man das Cupspiel sowie ein Freundschaftsspiel 1971 dazuzählt) sowie zwei Remis gelang dem SCE der erste Sieg auf Salzburger Boden!

Wieder in der 1. Division angelangt, setzte es gegen den alten Rivalen Austria Salzburg in den nächsten zwei Saisonen wieder nur Niederlagen: 2:6 bzw. 0:3.

Vor jener 0:3-Niederlage gab es natürlich den üblichen Ablauf einer Auswärtsfahrt: Der SCE wurde vom nächsten Gegner per Einschreiben über den Termin des fälligen Meisterschaftsspieles informiert. Daraufhin wurde seitens des SCE die dafür nötige Planung vorgenommen. Man bestellte einen 46er-Bus und legte die Abfahrt für Freitag, den 4. November 1983 um 15 Uhr vor dem Stadion fest.
Als Quartier wurde das Hotel Santner in Eugendorf gewählt, das davor und danach ebenfalls öfters vom SCE bei Salzburg-Spielen ausgewählt wurde. Für das Abendessen wurde Leberknödelsuppe, Wiener Schnitzel mit Pommes und Salat bestellt und zum Abschluß gab es noch eine Mehlspeise.
Zum Frühstück – nach der 0:3-Schlappe – gab es Ham & Eggs und zu Mittag war Bouillon mit Ei, Schweineschnitzel natur, Reis und gemischter Salat vorgesehen.
Damit man dann auf der Heimreise nicht verhungert, wurden 40 Lunchpakete bereitgestellt, welche folgenden Inhalt hatten: 3 Wurstbrote mit Gurkerl, Schnitten, Obst und zwei Getränke.

Oftmaliges Quartier des SCE in Eugendorf/Salzburg - SCE-Archiv

Oftmaliges Quartier des SCE in Eugendorf/Salzburg – SCE-Archiv

1984/85 konnte aber auch endlich die Salzburger Austria im Stadion Lehen bezwungen werden – und das gleich mit 3:0 (Austria Salzburg stieg am Ende der Saison ab)!

Es war am 9. März 1985 und die BF berichtete:
Eisenstadt beendete eine jahrelange Niederlagenserie in der Mozartstadt!
Der Bann ist gebrochen. Nach zehn Niederlagen in Salzburg feierte der SC Eduscho Eisenstadt den ersten Sieg. Und zwar in souveräner Manier nach einer guten kämpferischen Leistung. Allerdings gegen eine Mannschaft, die sich scheinbar schon mit dem Abstieg abgefunden hat und in dieser Verfassung auch keine Bereicherung für die 1. Division ist.
Trainer Felix Latzke war vor dem Anpfiff optimistisch: „Wenn meine Mannschaft die Taktik befolgt, dann muss es ein Sieg werden. Es sei denn, die Salzburger sind so stark, dass wir keine Chance haben. Und das glaube ich nicht.“ Latzke sollte recht behalten. Die Eisenstädter mit einem offensiven Mittelfeld erkannten nach einem fast halbstündigen vorsichtigen Abtasten die Harmlosigkeit der Winklbauer-Truppe und spielten den Sieg sicher nach Hause.
Die Hausherren konnten sich auf das aggressive Spiel der Eisenstädter überhaupt nicht einstellen, produzierten Fehler am Fließband und kamen zu keiner effektiven Torchance. Schon eine halbe Stunde vor Schluß verließen die ersten Fans mit der Zusicherung, nie wieder zu kommen, enttäuscht und mit einer Wut im Bauch das Stadion.
Besonders nach dem Seitenwechsel degradierte Eisenstadt seinen Angstgegner zum Jausengegner. Fast alle Zweikämpfe wurden gewonnen, viel Druck gemacht und auch zahlreiche Chancen herausgearbeitet. Tormann Martinschitz, seit kurzem Ingenieur, verbrachte einen ruhigen Nachmittag. Er wurde einmal ernsthaft geprüft. Die Überlegenheit der Latzke-Schützlinge wurde noch durch einen Lattenköpfler Füzis nach Schneider-Flanke (72.) und einen Stangenschuß Bruckhoffs (90.) unterstrichen.
So fielen die Tore: Die Salzburger Abwehr ist zu weit aufgerückt. Peischl erläuft sich einen weiten Paß Bruckhoffs und schießt von der Strafraumgrenze, vorbei am herauseilenden Stincic, zum 1:0 in die Maschen. Nach einem Getümmel im Salzburger Strafraum kommt Füzi am Elfer an den Ball und schießt flach in die Ecke. Den Schlusspunkt setzt Bicovsky mit einem Freistoß nach Foul an Schneider. Aus linker Position schießt Premysl Bicovsky mit viel Effet aus 20 Metern in die Kreuzecke. Tormann Berger bekommt zwar noch den Ball, kann ihn aber nicht bändigen.

Der erste Auswärtssieg gegen Austria Salzburg. - Faksimile: BF-Onlinearchiv

Der erste Auswärtssieg gegen Austria Salzburg. – Faksimile: BF-Onlinearchiv

Der erste Auswärtssieg gegen Austria Salzburg. - Faksimile: BF-Onlinearchiv

Der erste Auswärtssieg gegen Austria Salzburg. – Faksimile: BF-Onlinearchiv

Im neuen Ligasystem der Zwölferliga traf der SCE im Grunddurchgang der 1. Division auf den SAK 1914. Dabei trennte man sich in Salzburg mit 1:1 und im Auswärtsspiel des Mittleren-Play-Off feierte der SCE seinen dritten Sieg in Salzburg (2:1).

Das war allerdings der letzte Sieg, den der SC Eisenstadt in Salzburg bejubeln konnte. Im Mittleren-Play-Off des Jahres 1987 unterlag man der Austria mit 1:3. Im Grunddurchgang der 2. Division Saison 1987/88 fuhr man gleich dreimal nach Salzburg: Bei der Austria gab es ein 1:4, beim SAK 1914 musste man sich mit 0:2 geschlagen geben und selbst gegen den USV Salzburg war man machtlos (0:2).
Im Unteren-Play-Off spielte man dann zuletzt in Salzburg. Zum Abschied aus der Bundesliga gab es gegen den USV Salzburg eine 1:3-Niederlage und gegen den SAK 1914 verlor der SCE 1:2.

Der Sportplatz des SAK 1914.

Der Sportplatz des SAK 1914.

Für den SC Eisenstadt war Salzburg also kein guter Boden. Das eine Freundschaftsspiel sowie das Cup-Spiel eingerechnet wurden 31 Auswärtsspiele absolviert. Es gab drei SCE-Siege, vier Partien endeten unentschieden und 24 Niederlagen mussten verkraftet werden.

Die Salzburger Vereine, gegen die der SCE im Meisterschaftsbetrieb antrat (samt Bilanz Siege/Remis/Niederlagen – Auswärtsbilanz in []):
SV Austria Salzburg (6-2-24) / [1-0-15]
SAK 1914 (7-2-5) / [2-1-4]
ASK Salzburg (2-1-1) / [0-1-1]
SK Bischofshofen (1-1-0) / [0-1-0]
ASK Anif (1-1-0) / [0-1-0]
USV Salzburg (1-1-2) / [0-0-2]

Das letzte Aufeinandertreffen mit der Salzburger Austria gab es im Sommer 1999 im Rahmen des verregneten Sommerfest-Blitzturnieres im Eisenstädter Lindenstadion, das die Gäste mit 1:0 gewinnen konnten.

Ach ja, das Spielfeld der einstigen Festung „Stadion Lehen“ ist heute eine Grünfläche zwischen Gebäuden der Stadtbibliothek Salzburgs.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

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