Tirol war keine Reise wert!

Auswärtsfahrten ins „heilige(?)“ Land Tirol endeten mit einer laaangen Heimreise, bei der es zu fast hundert Prozent nur laaange Gesichter zu sehen gab.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Dabei endete das erste Aufeinandertreffen des SC Eisenstadt mit einem Tiroler Klub in schier unbeschreiblichem Jubel, gewann der SCE doch sein erstes Nationalliga-Heimspiel gegen den FC Wacker Innsbruck mit 1:0 – aber das war eben im Lindenstadion.

Faksimile BF-Onlinearchiv:

Erstes Tor in der Nationalliga - gegen Innsbruck.

Erstes Tor in der Nationalliga – gegen Innsbruck.

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Sieg gegen Innsbruck

Das war 1967, und vom ÖFB-Cup einmal abgesehen, gelang dem SCE der erste Sieg auf Tiroler Boden erst in der Saison 1981/82 (!). Nach zwölf Meisterschaftsniederlagen am Stück konnte das dreizehnte Spiel gewonnen werden – dazu aber erst später.

Hauptrivale war natürlich die tiroler Nummer Eins – der FC Wacker Innsbruck, gegen den man vierzehnmal am alten Tivoli antrat (beim letzten Aufeinandertreffen hieß der Verein dann schon FC Tirol). Dreizehn dieser vierzehn Spiele endeten mit einem Sieg der Innsbrucker und nur einmal – in der Saison 1984/85 – endete das Duell mit einem Unentschieden.

Dabei hatte der SCE genügend Chancen, um erstmals gegen den Großen aus Tirol zu gewinnen:

Schützenfest versäumt: 10 Chancen – kein Tor (BF)
Aufgrund der schlechten Ergebnisse beider Mannschaften in der Vorwoche [Anm.: SCE v Klagenfurt 0:1; Innsbruck v FavAC 0:0] kamen trotz herrlichem Fußballwetter nur 1.200 Zuschauer. Daß die Burgenländer ein unangenehmer Auswärtsgegner sind, hat sich schon vor Beginn herumgesprochen. Diese Tatsache hat sich dann im Laufe des Spiels immer mehr bestätigt.
Vom Anpfiff weg dominierten die Latzke-Schützlinge das Spielgeschehen. Die Abwehr stand bombensicher, und vom Mittelfeld ging großer Druck aus. Daß die Überlegenheit nicht in zählbare Erfolge umgemünzt werden konnte, dazu fehlte die Konsequenz im Abschluß.
Bis zu seinem verletzungsbedingten Ausscheiden in der 22. Minute vergab Füzi drei Sitzer, weitere Chancen wurden von Bruckhoff, Rupprecht und Schneider ausgelassen, und in der 62. Minute bombte Plaza an die Querlatte. Die Chancen waren größtenteils wunderschön herausgespielt, es fehlte nur das nötige Glück, um die Wacker-Elf im Tivoli-Stadion zu deklassieren. Das spärlich erschienene Publikum sparte auch nicht mit Applaus für die vielen gelungenen Aktionen der Eisenstädter.
Es wäre unangebracht, in diesem Bericht den einen oder anderen Akteur der Eisenstädter besonders hervorzuheben. Jeder einzelne gab sein Bestes, der gesamten Mannschaft gebührt ein Pauschallob. Besonders erfreulich die gute Leistung von Wolfgang Jauck als Außendecker, der Manfred Linzmaier total entschärfte. Auch Erwin Schneider, dem Latzke die „letzte Chance“ gab, zeigte sich von seiner besten Seite. Über die Leistung der Innsbrucker hüllt man am besten den Mantel des Schweigens.
Das Resümee von SCE-Trainer Felix Latzke [Anm.: der ja viele Jahre später, als der SCE schon ziemlich zerzaust dastand, unser Trainer wurde. Highlight: der Heimsieg über den SKN St. Pölten, der im Lindenstadion den Herbstmeistertitel feiern wollte, dann aber nur als Vize heim fuhr!] nach dem Schlußpfiff: „Vor dem Spiel wäre ich mit einem Punkt zufrieden gewesen, jetzt muss ich sagen, daß wir den Sieg leichtfertig verschenkt haben. Aus den vielen Chancen wurde kein Tor gemacht, die mangelnde Chancenverwertung ist auch der Grund, warum wir 24 Punkte auf dem Konto haben. (…)“

Den Punkt am Tivoli holten: Martinschitz; Strobl; Steiger (70., Peischl), Kloiber, Jauck; Bruckhoff, Schöll, Bicovsky, Plaza; Füzi (22., Rupprecht), Schneider.

Nach 23 gespielten Runden lag der SC Eduscho Eisenstadt auf dem sechsten Rang, Tabellenführer FK Austria Wien hatte zu diesem Zeitpunkt 16 Punkte mehr.

Faksimile BF-Onlinearchiv:SSW Innsbruck v SC Eduscho Eisenstadt 0:0

SSW Innsbruck v SC Eduscho Eisenstadt 0:0

Dies war also der einzige Punktgewinn gegen den schier übermächtigen FC Wacker Innsbruck (oder wie er sich auch in den jeweiligen Spielzeiten nannte).

Die ersten Siege in Tirol gab es schon ein paar Jahre früher, allerdings im ÖFB-Cup gegen „kleinere“ Vereine:
1971/72 besiegte der SCE den SC Steinadler Kundl mit 3:0 und 1972/73 konnte die Hürde Innsbrucker AC mit 1:0 genommen werden.

In der Meisterschaft dauerte es – wie erwähnt – schon etwas länger. In den ersten Nationalliga-Jahren fuhr man zudem ja auch noch zur WSG Wattens, doch selbst im Alpenstadion gab es nichts zu holen. 1968/69 verlor man 0:1 und 1969/70 gar 2:4.

1979/80 traf der SCE wieder auf zwei Tiroler Vereine. Beim FC Wacker Innsbruck setzte es eine 0:5-Klatsche und gegen die SPG Raika Innsbruck verlor man auswärts mit 0:1. Am Ende dieser Zweitligasaison war das dem SCE aber mehr als wurscht, denn als Meister der 2. Division schaffte man nach etlichen Jahren endlich wieder den Aufstieg ins Oberhaus…  wo man aber nicht lange blieb, und als man zum zweiten Mal in der Geschichte gegen die SPG Raika Innsbruck antrat, konnte endlich der erste Meisterschaftssieg in Tirol gefeiert werden!

Die SPG Innsbruck setzte sich aus den Vereinen Innsbrucker SK, SV Innsbruck und ESV Austria Innsbruck – unter der Sponsorenschaft von Raiffeisen – zusammen.
Zwei Wochen vor dem Spiel bekam der SC brix-ALU Eisenstadt natürlich das obligatorische Schreiben mit der Information, dass das Spiel am Samstag, 7. November 1981 um 14:30 Uhr im Tivoli-Stadion stattfinden wird.

Der SCE bestellte einen 34er-Bus, und die Abfahrt wurde für Freitag 12:00 Uhr festgelegt. Zum Mittagessen würde es Suppe, Schweinsbraten mit Reis und Salat geben.
Für die Durchreise durch die Bundesrepublik Deutschland mussten für Malatinsky, Pusztai, Kü und Karsai Durchreisevisa bei der Botschaft der BRD besorgt werden.

Quartier wurde im Gasthof „Goldener Löwe“ in der Silberstadt Schwaz bezogen, wo auch zu Abend gegessen wurde. Dabei wurde Leberknödelsuppe, Wiener Schnitzel mit Pommes, Salat und Mehlspeisen geschmaust.
Am nächsten Tag wurde um 10:15 Uhr Mittag gegessen, dabei gab es Bouillon mit Ei, und Naturschnitzel mit Reis und Salat.
Von den mitgenommenen S 15.000,- gingen dafür S 8.304,- drauf.

Kaum 400 Zuschauer wollten diese Begegnung sehen, die sehr gut für die Gäste aus dem Burgenland begann. In der zweiten Minute brachte Karszai einen scharfen Schuß von rechts in die Mitte und Innsbrucks Kapitän Pöll lenkte den Ball ins eigene Tor.  Nun bließ der SCE zum Generalangriff, um rasch eine Entscheidung in diesem Spiel herbeizuführen.
In der 23. Minute war es dann soweit: Eine ungarische Co-Produktion brachte das 2:0. Nach einem Abspielfehler der Gastgeber brachte Karszai den Ball an sich, bediente seinen Landsmann Pusztai, der per Schrägschuß dem SPG-Goalie Böckle keine Chance ließ.
In der 43. Minute trafen sich Böckle und Pusztai wieder und prallten gegeneinander. Pusztai musste verletzt vom Feld getragen werden.
Nach der Pause verwaltete der SCE den Vorsprung, siegten 2:0 und übernahmen nun die Tabellenführung in der 2. Division.

Zwar wurde der SCE in dieser Saison nicht Meister, doch Dank der Aufstockung der 1. Division kehrte man auch als Vizemeister zurück in die höchste Liga des Landes.
Der Aufstieg war ja Vorgabe, da man finanziell – wie auch die restlichen Zweitdivisionäre – ordentlich zu kämpfen hatte.

Doch weg von den ewigen Geldsorgen, die fast jeder Klub hatte und hat, und hin zu den Auswärtsspielen in Tirol. In der 1. Division warteten nun wieder Spiele gegen Wacker, doch außer dem einen Remis gab es nichts zu holen.
Als man sich dann wieder in der 2. Division befand, duellierte sich der SCE mit dem FC Kufstein, doch im Grunddurchgang musste man sich auch in Kufstein mit 0:2 geschlagen geben.
Im Unteren-Play-Off absolvierte der SCE 1988 seine letzte Auswärtsfahrt nach Tirol und verabschiedete sich auf ewig mit einem Sieg!

An jenem 23. April 1988 wurde im Kufsteiner Grenzlandstadion zudem ein fast einjähriger Auswärtsfluch beendet. Zwei Tore Bleyers sorgten für einen 2:1-Sieg, der noch leise Hoffnungen auf den Klassenerhalt am Leben erhielt.
Zudem wurde in diesen Tagen der Zwangsausgleich durchgebracht. Bei einem Vermögen von S 80.000,- soll der SCE Verbindlichkeiten in Höhe von S 8.099.955,19 gehabt haben!

PS: Vom „Goldenen Löwen“ in Schwaz erhielt der SCE eine Postkarte mit dem Hinweis, dass ein Spieler oder Betreuer den Schlüssel von Zimmer Nummer 2 nicht abgegeben hat. Da der Preis dieser an eine Zentralanlage angeschlossenen Schlüssel sehr hoch ist, wurde ersucht, ausfindig zu machen, wer im Zimmer 2 war und ob diese Person den Schlüssel noch hat.
Auf der Karte wurde der Name des vergesslichen Spielers erwähnt sowie vermerkt, dass der Schlüssel am 25. November 1981 zurück nach Tirol geschickt wurde.

Und die Tirol-Bilanz sieht so aus: Es gab 24 Auswärtsspiele (inkl. Cup), von denen der SCE vier gewann, einmal remisierte und 19 Niederlagen einstecken musste.

Faksimile – BF-Onlinearchiv:Wacker Innsbruck v SCE 4:1 (1968)

Wacker Innsbruck v SCE 4:1 (1968)

Faksimile – BF-Onlinearchiv:FC Tirol v SCE 2:1 (1986)

FC Tirol v SCE 2:1 (1986)

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

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