Neues Jahr, neues Glück (Frühjahr 1989)

Hier, wie versprochen (falls überhaupt jemand darauf gewartet hat), Teil Zwei über die Saison 1988/98. (Teil Eins = „Die Stunde Null“)

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Nach der Teilnahme an der BFV-Hallenmeisterschaft, wo man sich erst im Finale der SV Oberwart geschlagen geben musste, dem SCE Ball sowie den obligatorischen Testspielen, begann endlich die Frühjahrsmeisterschaft der Regionalliga Ost.

Der Start ins neue Jahr verlief aber nicht wunschgemäß, denn obwohl der SCE daheim gegen Donaufeld eine gute Vorstellung ablieferte, wollte kein Tor gelingen, und zwei Minuten vor dem Schlußpfiff leistete sich SCE-Keeper Unger einen „Patzer“, den Donaufelds Marcello zum 1:0-Siegtreffer nutzen konnte.

Das nächste Spiel war wie das Wetter an jenem Tag: trüb und langweilig! Es lockte auch nur gut 150 Zuschauer hinterm Ofen hervor. Einer war dennoch in Vösendorf dabei, der zu Hitzewallungen – und geistiger Umnachtung – neigte, denn der attackierte nach dem U23-Spiel SCE-Spieler Rudi Vargek sowie SCE-Sektionsleiter Franz Schuster. Der Täter konnte flüchten…

Faksimile: BF-Onlinearchiv

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Das Hauptspiel endete gegen Fritz Drazans Truppe torlos.

Zu Ostern 1989 kam der Badener AC ins Lindenstadion, und nachdem die SCE-Fans in den ersten zwei Spielen 180 torlose Minuten aushalten mussten, mussten sie diesmal nur sieben Minuten warten, denn Horst Steiger brach die Torsperre: Badens Tormann Markovic nahm vor dem Ausschuß den Ball zweimal in die Hand, woraufhin der Schiedsrichter auf indirekten Freistoß entschied.
Mit Gefühl netzte dann Steiger zur 1:0-Führung ein.
BF: „Klar dass sich da Badens burgenländischer Trainer Rudi Hanbauer über seinen Goalie ärgerte: „Völlig unnötig, diese Regel kennen’s schon in der Schülermannschaft.“
Für den SCE kam die Erlösung in diesem Spiel spät, denn erst drei Minuten vor dem Ende traf Petrovic zum 2:0, was endgültig Ruhe im Spiel einkehren ließ und dem SCE zwei Punkte bescherte.

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Am nächsten Sonntag gastierte der SCE zum Frühschoppen am Kunstrasenplatz des SK Slovan-HAC. SCE-Trainer Alfred Eisele musste zwar mitansehen, wie Slovan vor gut 600 Zuschauern schon in der achten Minute in Führung ging, doch in der 15. Minute glich Bleyer aus und sechs Minuten später führte der SCE sogar, denn Karolys erstes Saisontor brachte die Führung.
In der 39. Minute schoß Karoly dann das 3:1, dem aber die Anerkennung durch Schiedsrichter Wondra verwehrt blieb. Dieser hatte ein Abseits gesehen, erkannt oder einfach nur erdacht…
Unter den Augen von ÖFB-Teamchef Hickersberger tat sich der SCE dann aber auf dem Kunstrasen schwer, kassierte noch vor der Pause den Ausgleichstreffer durch Penava, der in der zweiten Halbzeit dann sogar noch drei weitere Tore erzielen konnte. Antonin Panenka, Kurt Jusits & Co. besiegten den SCE mit 5:2.

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Knapp 400 Zuschauer lockte dann das Duell der beiden bestplatziertesten rot-goldenen Teams ins Lindenstadion. Das Derby zwischen dem Sportclub Eisenstadt und der Spielvereinigung Oberwart endete torlos. Die Gedanken waren aber auch nicht nur auf Fußball gerichtet, denn eine „Deadline“ rückte immer näher…

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Wind und Regen begleiteten die 90 Spielminuten in Bruck, wo sich SCE-Spieler Matthias Bleyer mit ständigen „Au-Schreiern“ den Unmut aller Beteiligten zu. Sobald er von seinem Bewacher – und späteren SCEler – Ernst Berger berührt wurde, viel der Goalgetter mit Ladehemmung sofort mit einem lauten „Au“ um.
In den letzten dreißig Minuten dieser Trauerpartie machte der SCE dann alles klar, zunächst traf Leeb (59.) zum 1:0 und in der 87. Minute erzielte Steiger das 2:0.

Nach 21 Runden lag Fredi Eiseles Mannschaft auf Platz Vier, nur zwei Punkte hinter dem Führungs-Trio Zwettl, Donaufeld und Vösendorf.

An die 1.200 Zuschauer verfolgten das Landesliga-Derby zwischen dem FC Andau und dem SV Gols, als der SC Eisenstadt in Wien vor 150 Besuchern im „Zehnten“ das Tabellenschlußlicht Gaswerk/Straßenbahn 3:1 besiegen konnte. Nach dem 0:1-Pausenrückstand besannen sich die Eisele-Schützlinge und Horst Steiger glich in der 55. Minute aus, traf in der 63. Minute zum 2:1 und Bleyer machte eine Viertelstunde vor dem Ende alles klar.

Einen weit wichtigeren Sieg feierte der SCE aber ein paar Tage zuvor: Faksimile: BF-Onlinearchiv

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Beim Heimspiel gegen den Vorletzten FAC verschlief der SCE die erste Halbzeit, konnte dann aber gerade noch einen Punkt retten, denn Rudi Vargek konnte in der 83. Minute zum 1:1 ausgleichen. Tabellarisch war aber noch nicht viel passiert, der Rückstand auf Platz Eins betrug nach wie vor zwei Punkte, aber Zwettl hatte ein weitaus besseres Torverhältnis.

Waren die SCE-Klubverantwortlichen nach dem 1:1 gegen den FAC noch verärgert, kann man sich vorstellen, wie die Stimmungslage nach dem nächsten Spiel aussah, denn das ging in Wiener Neudorf gleich mit 0:6 verloren!

Damit war der Traum vom sofortigen Wiederaufstieg auch gleich ad acta gelegt. Schon nach elf Minuten stand es 2:0 für Wiener Neudorf und die vielleicht 30 mitgereisten SCE-Schlachtenbummler ertrugen es mit Humor. Einer sagte (laut BF-Bericht): „Man muß ganz einfach pervers sein, wenn man SCE-Fan ist.“ Ein anderer sagte: „Hock’nstaad sein, Durchfall hob’n oder sonstwos, is holb so schlimm, als a echter SCE’ler zu sein.“

150 Zuschauer waren dann beim 1:1 gegen Schwechat im Lindenstadion anwesend. Robert Adler konnte dabei den frühen Führungstreffer der Gäste ausgleichen. Mehr wollte aber nicht gelingen.

Bei Titelaspirant Zwettl trat SCE-Trainer Eisele mit dem letzten Rest an, und musste dabei den nächsten Ausfall verkraften, denn Bleyer wurde so schwer verletzt, dass er ins Spital gebracht werden musste. Zwettl, das zuvor in Oberwart 0:5 unterging, hatte hart zu kämpfen, um wenigstens als 1:0-Sieger vom Platz zu gehen, sie benötigten dazu einen Elfmeter.
Trainer Eisele meinte zum Spiel und den vielen Verletzten: „Uns ist auch das Schicksal nicht gut gesinnt.“

Die Ladehemmung, von der der SCE im Frühjahr 89 befallen war, hielt auch beim Heimspiel gegen den 1. Wiener Neustädter SC an. Wenigsten stand auch hinten die „Null“, wodurch es zumindest einen Punkt gab, denn eines wollte der SCE in dieser Saison zumindest erreichen, und zwar „beste“ burgenländische Mannschaft zu werden. Die Oberwarter, die das Süd-Derby gegen Pinkafeld 0:2 verloren hatten, lagen drei Runden vor dem Saisonende einen Platz hinter dem SCE, allerdings mit drei Punkten Rückstand.

Faksmilie: BF-Onlinearchiv

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Gegen die vom Abstieg bedrohten Pinkafelder gab es auswärts dann ein 1:1 vor knapp 450 Zuschauern, ehe das letzte Heimspiel dieser Saison ausgetragen wurde. Gast im Lindenstadion war der in „knallamerikanischer Spielkleidung“ auflaufende ASK Baumgarten.

SCE-Trainer Alfred Eisele hielt es bei diesem Derby kaum auf der Betreuerbank aus, während sein Gegenüber – der ehemalige SCE-Trainer Hermann Krenn – erst gar nicht mit ins Lindenstadion gekommen war, er weilte bei einem Trainersymposium in Deutschland.
Die vielleicht 300 Zuschauer, die anwesend waren, was im Frühjahr schon einem Zuschauerrekord gleich kam, sahen eine matte Partie, die am Ende der SCE mit 1:0 gewann – Horst Steiger netzte in der 73. Minute ein.
Faksmilie: BF-Onlinearchiv

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Zum Abschluß der Saison 1988/89 gastierte der SCE in Wien-Favoriten beim FavAC, wo Keeper Unger, der im Länderkampf mit der Steiermark einen Nasenbeinbruch erlitt, Dwornikowitsch, Petrovic, Adler und Omischl fehlten. SCE-Trainer Eisele stellte dem FavAC somit das letzte Aufgebot entgegen, das den Wienern die Zähne zeigte.
Der SCE, der nach einem Tor Steigers in der 67. Minute mit 1:0 führte, war dem vierzehnten Saisonsieg sehr nahe, als den Wienern doch noch der Ausgleich (88. Minute) gelang.

„Ein versöhnlicher Ausklang?“, fragte die BF und Trainer Eisele antwortete: „Was will man vom letzten Spiel mit dem letzten Rest mehr?“

Mit 35 Punkten wurde der SCE Sechster, vier Punkte hinter Meister Vösendorf und einen Platz sowie fünf Punkte vor der SV Oberwart.

Der erwartete sofortige Wiederaufstieg in die Bundesliga war nahe, wurde aber mit den enttäuschend verlaufenen Frühjahrsspielen klar verpasst. Dafür wurde aber die drohende Auflösung verhindert – vorerst!

Und Horst Steiger* hat mit seinen Toren und Leistungen für den SCE so stark auf sich aufmerksam gemacht, dass ihn Hans Krankl zum SK Rapid holte:

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*Horst Steiger verstarb viel zu früh nach einem Verkehrsunfall im Oktober 1995.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

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