1933

1933 herrschte beim SC Eisenstadt natürlich auch ein reger Spielbetrieb. Auch wenn leider nicht alle Meisterschaftsspiele Erwähnung fanden, fand ich ca. 30 Spiele des „alten“ SCE in der „BF“.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Zu Beginn der Frühjahrsmeisterschaft traf der SCE im burgenländischen Cup auswärts auf Hornstein, wo sie die Sonnenbergler mit 5:1 besiegten.

Das war allerdings erst das Hinspiel und als sich die beiden Mannschaften am folgenden Wochenende „auf der Halt“ in Eisenstadt trafen, gab es für die SCE-Kicker kein Halten. Bereits in der ersten Minute traf Lang zum 1:0, eine Viertelstunde später stellte Machon I auf 2:0, ehe Lang in der 28. Minute auf 3:0 stellte. In der 36. Minute schoß Lang dann noch das 4:0. Nach dem Seitenwechsel waren kaum sechzig Sekunden vergangen, als Lang schon auf 5:0 stellte. Kaudellla traf dann in der 53. Minute zum 6:0, vier Minuten später erhöhte Lang auf 7:0, Kaudella legte in der 60. Minute das achte Tor nach, ehe Machon I gleich nach dem Abstoß sofort das 9:0 erzielte. Nun war Machon II an der Reihe: er machte in der 70. Minute das 10:0, zehn Minuten später das 11:0 und in der 85. Minute das 13:0. Fehlt da nicht noch ein Tor? Ja, denn zwischenzeitlich trug sich sogar Bognar I mit 12:0 in die Schützenliste ein. Den Schlußpunkt zum 14:0 besorgte dann wieder Lang mit seinem sechsten Treffer.

Ein Woche nach diesem Schützenfest fand schon das nächste Cup-Spiel statt. Gegner war diesmal Sauerbrunn, doch das Spiel dauerte nicht sehr lange: Der SCE führte bereits früh durch ein Tor von Skarits mit 1:0 als der Wiener Neustädter Schiedsrichter Filgas den SCE-Kapitän Szabo vom Spiel ausschloß. Daraufhin verließen auch gleich seine Mannschaftskollegen das Spielfeld!
Schiedsrichter Filgas brach das Spiel ab und konnte sich auf die Heimreise begeben…
Die beiden Mannschaften einigten sich daraufhin – nachdem auch ein neuer Unparteiischer bestimmt wurde – ein Freundschaftsspiel abzuhalten. Die Zuschauer bekamen ein sehr bescheidenes Spiel zu sehen, woran auch der heftig herumpfeifende Wind schuld war.
Trotz der mangelnden Motivation bei beiden Mannschaften, fielen immerhin fünf Tore – drei für den SCE, zwei für die Sauerbrunner.

Das Cupspiel wurde am folgenden Sonntag in Eisenstadt erneut angepfiffen, das abermals von einem starken Sturm begleitet wurde. Während der Wind über die „Halt“ wehte, versagte der SCE-Sturm vor dem Tore der Gäste. Nach einer torlosen ersten Hälfte konnte der SCE seine Überlegenheit dann wenigstens auch in Zählbares umwandeln. Skarits traf per Kopf zum 1:0 und Kandella erzielte aus einem Penalty das 2:0, und dabei blieb es auch.

Es folgten Freundschaftsspiele wie beispielsweise ein 2:4 in Neufeld und zu Ostern zwei Partien gegen den Wiener Klub „Liga“. Spiel Eins ging 1:2 verloren und Spiel Zwei gewann der SCE mit 2:1.

Wann und wie die eigentliche Meisterschaft über die Bühne gegangen ist, bleibt bei den dünn gesäten Ergebnissen etwas unklar.
Es gab da ein Auswärtsspiel in Hornstein, wo man nicht genau sagen kann, ob es denn ein Freundschaftsspiel oder doch eine Partie der Meisterschaft war. Aber egal, der SCE gewann jedenfalls mit 3:0.

Ganz sicher ein Spiel der Meisterschaft des Bezirkes Eisenstadt war der 5:2-Sieg in Stöttera Ende Mai 1933.

Zu Pfingsten 1933 kam ein Klub* aus Bruck an der Mur nach Eisenstadt, um sich mit dem Klub der burgenländischen Hauptstadt zu messen.  *Ob der AAC, der BC, der ATUS, schon der SC oder gar irgendein anderer war, bleibt unklar.
In der BF wurden die Brucker als steirischer Meister bezeichnet, was ich nicht bestätigen kann. 1932/33 wurde der GAK Meister der 1. Klasse Steiermark, in der Saison zuvor war es ebenfalls der GAK und wiederum eine Saison danach der SK Sturm Graz.

Am Pfingstsonntag fand das erste Spiel statt. Beide Mannschaften zauberten ein packendes und mitreißendes Spiel auf das Feld auf der Eisenstädter Hutweide und durch zwei Tore Langs und einem von Machon I besiegte der SCE die steirischen Gäste mit 3:1.

Einen Tag später hatten die Brucker schon früh die Möglichkeit in Führung zu gehen, doch der Elfmeter wurde kläglich vergeben. Dennoch gelang ihnen kurz darauf das 1:0. Der SCE ließ sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen und steckte selbst einen zweiten Rückstand auf. Das Team aus Eisenstadt gewann auch das zweite Spiel gegen Bruck an der Mur – diesmal mit 4:2.

Nach Pfingsten fand das Meisterschaftsduell mit den Siegendorfern statt, bei dem der SCE den Schwung aus den beiden Spielen gegen Bruck mitnahm und die Siegendorfer mit 6:1 vom Platz schoß.

Die Zeiten damals waren aber nicht die einfachsten, wie folgender Bericht aus der BF zeigt, denn in Zurndorf machten sich einige Gefolgsleute eine „Hetz“, deren „Idole“ Jahre später für Millionen Tote sorgen sollten:

Faksimile: BF-Onlinearchiv

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In der Meisterschaft lag der SCE an dritter Stelle, nur einen Punkt hinter dem Führungsduo Pöttsching und Neufeld, wobei diese ein Spiel weniger ausgetragen hatten und eben jeweils noch Gegner des SCE waren:

Wer wird wohl Meister werden?

Faksimile: BF-Onlinearchiv

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Die versprochenen Tabellen der anderen Bezirke sucht man in der nächsten Ausgabe allerdings vergeblich. Dafür nahm das Spitzenspiel SC Eisenstadt vs. ASV Pöttsching gleich fast eine ganze Seite in Anspruch. Die Gäste kamen dabei zu einem glücklichen 3:2-Sieg… und selbst die BF gab dem niederösterreichischen Schiedsrichter etwas Schuld an der Niederlage des SCE.

Gleich nach dem Anpfiff kannte das Spiel nur eine Richtung, nämlich jene auf das Tor der Pöttschinger. Nachdem sie zunächst die Angriffe der Eisenstädter abwehren konnten, war Szabo einen Outball Lang direkt vor die Füße, Pöttsching-Goalie Augustini verließ sein Tor und stürmte dem Ball entgegen, doch Lang hob diesen blitzschnell zu Skarits, der ihn ins Netz köpfelte.
Der Ausgleich ließ aber nicht lange auf sich warten, nach 14. Minuten stand es 1:1 und in der 25. Minute fiel sogar das 2:1 für die Gäste.
Nach der Pause wurde der SCE immer stärker, doch der Schiedsrichter immer schlechter. Er soll mehrere Handspiele der Pöttschinger Verteidiger übersehen haben, und einem Tor von Skarits verwehrte er die Anerkennung.
Ein ganz klares Handspiel konnte er dann aber nicht totschweigen – es gab Elfmeter für den SCE, den Lang zum 2:2 verwertete.

Zehn Minuten vor dem Ende entstand aus einem Getümmel vor dem Eisenstädter Tor das 3:2 für Pöttsching, die damit Platz Eins behaupteten.
Zum Saisonausklang stand am 2. Juli 1933 das Spiel gegen Neufeld auf dem Programm, und das Vorspiel bestritt die SCE-Reserve gegen den „jüngsten Verein des Burgenlandes“, nämlich dem kürzlich gegründeten Klub aus Klingenbach – so die BF in der Vorankündigung.

Gekommen sind die Klingenbäcker aber nicht, weshalb die Reserve gegen eine kombinierte Mannschaft aus Hirm spielte und 4:1 gewann.

Das Hauptspiel bestritten für den SCE: Szalay; Braun, Bognar II; Fraß, Machon II, Szabo; Skarits, Bognar I, Frühwirth, Lang, Janko.
Am Ende jubelten aber die Neufelder über einen 3:2-Sieg sowie über den Bezirksmeistertitel.

Nach dem Ende der Meisterschaft bestritt der SCE jene zwei Spiele gegen Sotex Ödenburg, die ich schon im Bericht „In aller Freundschaft“ erwähnte, ehe sie zu einem Pokalturnier in Siegendorf eingeladen wurden.

Es war der 30. Juli 1933 als sich die Klubs aus Siegendorf, Eisenstadt, Antau und Stöttera um einen vom Verband gestifteten Pokal duellieren sollten, doch der schon am Vormittag einsetzende „Landregen“ verhinderte die Austragung. Da Antau und Stöttera erst gar nicht nach Siegendorf gereist waren, entschieden sich die anwesenden Klubs Siegendorf und Eisenstadt eine freundschaftliche Partie auszutragen, die der SCE mit 4:2 für sich entschied. Die Tore erzielten Lang (3) und den vierten Treffer steuerte der Siegendorfer Eisele per Eigentor bei.

Bevor das Turnier ein paar Wochen später durchgeführt wurde, testete der SCE gegen den Wiener Verein „Dempsey“ und gewann durch ein Tor von Lang mit 1:0.

Damals fragte man sich natürlich auch, wie denn die Welt in hundert Jahren aussehen würde. Eine dieser Vorstellungen betraf die Fortbewegung im Jahr 2033 – na, ja – 19 Jahre haben wir ja noch bis dahin:

Faksimile: BF-Onlinearchiv

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Zum Pokalturnier nahm der SCE folgendes Team mit nach Siegendorf: Straub; Braunshier, Bognar II, Rath, Machon II, Szabo, Machon I, Skarits, Bognar I, Frühwirth, Lang, Janko.

Zum Auftakt des Blitzturnieres (30 Minuten Spielzeit) traf der SCE auf Stöttera, tat sich schwer, verlor Machon I durch Ausschluß, gewann aber dank eines Treffers von Lang mit 1:0.

Dann gewann Antau gegen Siegendorf mit 1:0, und im nun fast schon vorentscheidenden Spiel traf der SCE nun auf die Antauer. Die Eisenstädter überrumpelten die vom vorangegangenen Spiel noch etwas müden Antauer und ein Eigentor sorgte in der dritten Minute für den SCE-Führungstreffer. Drei Minuten später stand es dann schon 2:0 (Bognar II) und Janko traf noch vor der Pause zum 3:0. In der zweiten Halbzeit schonten die Eisenstädter ihre Kräfte, schoßen aber noch einen vierten Treffer – Machon II verwandelte einen Freistoß zum 4:0-Endstand.

Da sich Siegendorf und Stöttera anschließend 1:1 trennten, war dem SCE der Turniersieg so gut wie sicher (für den Fall, dass das Torverhältnis vor dem Ergebnis im direkten Duell gereiht worden wäre).

Gegen die im letzten Spiel stark aufspielenden Siegendorfer reichte ein kraftvoller Schuß von Lang, um den Nachbarn mit 1:0 zu besiegen und damit den Turniersieg zu fixieren.

Zum Abschluß des Turnieres trennten sich Antau und Stöttera torlos, und anschließend wurde dem SCE der vom VAFÖ gesponserte Sieger-Pokal überreicht.

Als die Auslosung für die Herbstmeisterschaft bekannt gegeben wurde, sicherte sich der Klub aus Kittsee den burgenländischen Landesmeistertitel 1933. In der Endrunde mit den Bezirksmeistern Hirm und Pöttsching (die spielten statt Neufeld) sicherte sich der nördlichste Klub des Landes den Titel.

Faksimile: BF-Onlinearchiv

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Der Beginn der neuen Meisterschaft konnte vom SCE gar nicht besser gestaltet werden, denn gegen Antau gab es einen überlegenen 7:0-Sieg, doch schon im nächsten Spiel rutschte der SCE gehörig aus.
In Antau wurde der neue Sportplatz, wo viele Jahre später der SCE seine letzten Spiele bestreiten sollte, eröffnet. Beide Mannschaften kämpften wie verbissen, wobei die Hausherren am Ende die Nase vorne hatten – Antau gewann mit 3:2.

Beim nächsten Meisterschaftsspiel traf der SCE auf einen alten Rivalen, gegen den es aber schon lange keine Spiele mehr gegeben hatte – Neudörfl. Nach einem heißen Kampf auf den Neudörfler-Sportplatz trennten sich die Klubs mit 2:2.

Eine Woche später kamen die Neudörfler nur mit zehn Mann nach Eisenstadt, von denen ein paar normalerweise auch nicht der Kampfmannschaft angehörten. Die Zuschauer waren darüber enttäuscht, doch gegen den 7:2-Sieg des SCE hatte natürlich niemand etwas einzuwenden..

Dann war es aber auch schon wieder vorbei mit den Ergebnissen der Meisterschaft. Sport fand kaum noch Erwähnung. Erst im November wird wieder über Spiele des SC Eisenstadt berichtet, denn der war über den Semmering nach Bruck an der Mur gereist, um die Rückspiele der zu Pfingsten in Eisenstadt ausgetragenen Hinspiele zu bestreiten.

Die Reise würde übrigens ohne Lang und einem der Machon-Brüder bestritten, denn die spielten in Neufeld für das Burgenland gegen Niederösterreich – und siegten mit 2:0.

Auf dem Sportplatz der Stadt Bruck an der Mur herrschten schlechte Bodenverhältnisse, denn es stürmte und regnete unaufhörlich. Der SCE ging nach einer bescheidenen Leistung mit 0:3 unter.
Am nächsten Tag war ihr Kampfgeist aber schon wieder aufgeladen, lagen zur Pause aber auch schon mit 0:3 im Rückstand. Am Ende ging das Spiel „nur“ mit 2:3 verloren.

Über den Ausflug in die Obersteiermark wurde in der BF auch ein Reisebericht abgedruckt:
Am Samstag frühmorgens Star zur Fahrt. Alle Spieler sind vollzählig erschienen und Schlachtenbummler sind auch genug da. Also fahren wir los. Erste Station ist der Semmering, wo sich unsere Spieler bei einer Schneeballschlacht reichlich austoben können. Dann geht es wieder weiter. Mittags treffen wir in Bruck a. d. M. ein. Vor allem die Bewirtung. Nun, die war gut, bis auf das, was die Bewirtung durch den Schiedsrichter anbelangt. Unsere Spieler waren ausgezeichnet einlogiert und wurden auch freundlichst aufgenommen. Zu unserem Pech und auch zum Pech der Veranstalter, regnete es gleich am ersten Tage während des ganzen Wettkampfes und auch nachher tobten die Elemente bis spät nach Mitternacht. Unter diesen Umständen war für meine jungen Fußballer ein reguläres Spiel unmöglich. Die routinierteren Brucker hielten sich da bedeutend besser und so mußten wir, wohl oder übel, die Segel streichen. Dafür holten wir dies, soweit es eben ging, (denn weiter als bis zu zwei Treffern ging es nicht, das erlaubte ja der Schiedsrichter nicht), am nächsten Tage ein. Vor nur einer geringen Zuschauermenge – es war ja für Zuschauer viel zu kalt – konnten wir unsere Klasse dennoch wiederholt unter Beweis stellen. Die erste Halbzeit leistete sich unsere Verteidigung schwerste Schnitzer und davon führten gleich drei zu den erhaltenen Toren. Nach Seitenwechsel legten sich die Eisenstädter besser ins Zeug, schossen zwei Tore, wurden vom Schiedsrichter wiederholt gestoppt und glaubten, damit ihre Arbeit getan zu haben. Jedenfalls ergab das zweite Spiel ein ehrenvolles Ergebnis. Trotzdem brachten unsere Leute noch genügend Humor auf, um auf der Heimfahrt singend die zwei Niederlagen zu übertönen.
Etwas, was Sie auch vielleicht interessieren wird: Meine Mannschaft macht jetzt einen kleinen Formrückgang mit. Ich hoffe aber, bis zum Frühjahr mit ihr wieder ins Reine zu kommen. Es mangelt uns eben nur an einem Mittelstürmer und an einem Rechtsaußen.

Damit endete das Fußball-Jahr 1933 für den SC Eisenstadt, und die politischen Zustände sorgten schon bald dafür, dass der VAFÖ, dem der SCE angehörte, aufgelöst wurde, die BF ebenfalls nicht mehr gedruckt werden durfte und sich Europa der nächsten Katastrophe näherte.

Über 60 Jahre später: FC Oberberg/SCE vs. Bruck/Mur XI   4:3 - mit Berühmtheiten wie Franz Fister, Willi Bauer, Franz Rumpler und Walter Tinhof.

Über 60 Jahre später: FC Oberberg/SCE vs. Bruck/Mur XI 4:3 – mit Berühmtheiten wie Franz Fister, Willi Bauer, Franz Rumpler und Walter Tinhof.

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