Magyar Királyi Honvédség

Die königlich ungarische Landwehr hat zwar nichts mit dem Sportclub Eisenstadt zu tun, aber mit unserem Flecken Land hier mitten in Europa schon, und bei Nachforschungen in meiner Familiengeschichte fand ich heraus, dass einer meiner Urgroßväter am 31. Juli 1914 seinen Marschbefehl bekam, um sein Leben für die Obrigkeit zu riskieren, damit am Balkan endlich Ruhe ist, wo einst Bosnien völkerrechtswidrig dem Habsburgerreich einverleibt wurde.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Recherchen zufolge hatte man sich, wenn man aus Mörbisch kam – dort wohnte nämlich mein Urgroßvater -, in Ödenburg/Sopron zur Musterung zu melden. Dort wurde beispielsweise die k. u. Landwehr – die Magyar Királyi Honvédség, das Infanterieregiment Nummer 18 sowie das ohne den Zusatz „Honvéd“ versehene Infanterieregiment Nummer 76 aufgestellt, wovon die vielen Toten, die am Mörbischer Kriegerdenkmal verzeichnet sind, zeugen, denn neben vielen Namen steht H.I.R. 18 beziehungsweise I.R. 76.

Der Name meines Urgroßvaters findet sich jedenfalls nicht unter denen, die im Feld geblieben sind. Nein, er entging dieser Hölle und musste nicht für Gott, König und Vaterland sterben!

Der Name Honvéd findet sich natürlich auch im Fußball, denn in der ungarischen Hauptstadt gibt es einen Verein, der Budapest-Honvéd FC heißt und aus dem Kispest AC hervorging. Und gegen eben jenen Honvéd FC aus Budapest hat auch der SC Eisenstadt einst (zumindest) zwei Spiele bestritten!

honvedEnde der 60er-Jahre des letzten Jahrhundert war’s, als der Nationalliga-Klub aus dem Burgenland Freundschaftsspiele gegen den ungarischen Erstligisten austrug.

1968 wurde Honvéd Vierter hinter Ferencváros, Újpest Dósza und Vasas Budapest und kam zu Ostern nach Eisenstadt, wo im Lindenstadion eine Doppelveranstaltung abgehalten wurde.

Faksimile: BF-Onlinearchiv

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Im ersten Spiel traf ESV Admira-Energie auf Csepel Budapest und danach bekam es der SCE mit der Budapester Honvéd zu tun.

Die BF berichtete: Honved, Csepel servierten Paprika!
Die Fußballfreunde, die am Ostermontag ins Lindenstadion pilgerten, dürfte ihr Kommen nicht bereut haben: Mit den beiden ungarischen Spitzenvereinen Honvéd- und Csepel Budapest sah man zwei absolute Klassemannschaften am Werk. Zünftiger Paprika, gewürzt mit technischen Kabinettstückchen, herzhafte Schüsse und insgesamt elf Tore – was will das Fußballherz mehr?
Wie erwartet, mußten sich Admira-Energie und der SC Eisenstadt geschlagen geben. Erfreulich jedoch, die großartige Leistung der Burgenländer, die gegen die ehemalige Puskas-Elf Honvéd nur eine ehrenvolle 3:4-Niederlage hinnehmen mußten.

Ehrenvolles Resultat Eisenstadts: Nach der dürftigen Darbietung der Admira mußte man für den SC Eisenstadt Schlimmes befürchten. Doch es kam anders: Die Schleger-Schützlinge steigerten sich zu einer ausgezeichneten Leistung und erreichten gegen die wirklich Klassefußball vorführende Honvéd-Mannschaft ein ehrenvolles Resultat.
Besonders in den ersten 30 Minuten kamen die Zuschauer aus dem Staunen nicht heraus. Eisenstadt drängte die Ungarn zeitweise sogar arg in die Defensive. Man sah prächtige Kombinationen und der Honvéd-Tormann mußte seine ganze Kunst aufbieten, um Verlusttreffer zu vermeiden.
Erst nach den beiden Toren (36. und 38.) fiel Eisenstadt zurück. Das dritte Tor der Ungarn war übrigens ein herrlicher Volleyschuß von der Strafraumgrenze in die rechte untere Ecke. Imponierend die traumwandlerische Sicherheit im Sturm der Magyaren. Da kam jeder Paß an, jeder Spieler beherrschte das Leder mit einer Perfektion, die seinesgleichen sucht.
Gegen eine solche Mannschaft zu verlieren ist keine Schande. Nach dem vierten Treffer schalteten die Ungarn verständlicherweise zurück, der altbekannte Schlendrian riß ein; nicht zuletzt steckte dem Team das zwei Tage vorher ausgetragenen Spiel in Knochen. So konnte Eisenstadt noch in einem kraftvollen Finish das Resultat verschönern.
Ausgezeichnet bei den Burgenländern trotz der vier Tore Schorn, dann Pogac, Schmidbauer, Granabetter als Motor des Teams, Sauter sowie der derzeit beste Stürmer Hanbauer. Die Ungarn hatte im Angriff große Könner. Besonders Kocsis, der gestaltsmäßig an den großen Puskas erinnert, beeindruckte das Publikum. Auch Komora, brandgefährlich als Schütze, Navratil, Toth und Sipos gefielen.

Das Spiel fand vor gut 4.500 Zuschauern statt, bei dem der SCE folgende Mannschaft aufbot: Schorn; Pogac, Schmidbauer; Komanovits (Hitzel), Granabetter, Suttner; Solleder, Eisele, Sauter, Varga (Leskovich), Hanbauer.
Honvéd Budapest spielte mit Bieski (Erdösi); Kelemen, Ruszinski, Marosi; Spios, Vagi; Kocsis, Tusinger (Szendrei), Navratil, Komora, K. Toth.

Faksimile: BF-Onlinearchiv SCE vs. Honvéd

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SCE vs. Honvéd
Die Torfolge: Hanbauer brachte den SCE in der 14. Minute in Führung, die Navratil vier Minuten später ausglich. Sipos (36.) und Komora (38.) brachten die Ungarn dann vor der Pause mit 3:1 in Front und nach dem Seitenwechsel erhöhte Komora in der 55. Minute auf 4:1. Leskovich verkürzte in der 78. Minute auf 2:4 und Sauter traf in der 87. Minute zum 3:4.

Faksimile: BF-Onlinearchiv SCE vs. Honvéd

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SCE vs. Honvéd

Das Vorspiel verlor Admira-Energie gegen Csepel Budapest mit 1:3, wobei unser späterer Trainer Felix Latzke den Treffer der Admiraner erzielte.

Nach der Veranstaltung sprachen (BF):
Dr. Schleger: Die Mannschaft hat sehr brav gespielt und ein achtbares Ergebnis herausgeholt. Die Ungarn spielten einen mit technischen Feinheiten gewürzten Fußball.
Schindler (Honvéd Budapest): Eisenstadt hat mich überrascht. Eine gut kämpfende Mannschaft. Wir waren noch müde vom Spiel gegen Ujpest-Dosza vom Samstag.
Sauter (Rapid-Gastspieler beim SCE): Für mich war es etwas schwer, Kontakt zu finden. Ich würde mich aber sehr freuen, in der Eisenstädter Mannschaft zu spielen.
Pelikan (Admira-Trainer): Die Ungarn waren besser. Wahl und Paproth waren nicht zu ersetzen.
Platty (Csepel Budapest): Schönes Spiel! Gerechtes Resultat.

Eine Saison später belegte die Budapester Honvéd sogar Platz Zwei unter den Topklubs Ungarns – vier Punkte hinter Meister Újpest Dósza und fünf Punkte vor dem entthronten Meister Ferencváros. An einem der Europapokal-Bewerbe nahmen sie aber nicht teil, das passierte dann in den Siebziger-Jahren. Zuvor war Honvéd in der Saison 1965/66 im Pokalsieger-Bewerb tätig (als der SCE in der Ostliga kickte) und scheiterte nach Aufstiegen über Reipas Lahti aus Finnland und Dukla Prag am Liverpool Football Club im Viertelfinale.
Dafür gab es 1969 halt wieder ein Freundschaftsspiel gegen den SC Eisenstadt.
1970/71 waren sie dann wieder im Pokalsieger-Bewerb dabei und schafften den Aufstieg gegen den Aberdeen Football Club erst nach Verlängerung und schied dann gegen Manchester City aus. Die Saison darauf spielten sie im UEFA-Cup zuerst gegen den Partick Thistle Football Club und verabschiedeten sich dann gegen den PFC Beroe Stara Zagora aus Bulgarien.

Doch nun zurück zum zweiten Spiel des SCE gegen die Budapester Honvéd:
Diesmal ging es für die Burgenländer hinter den „Eisernen Vorhang“ in die ungarische Hauptstadt, wo am 9. Februar 1969 um 11 Uhr angepfiffen wurde.

Die BF schrieb: Eisenstadt überrascht in Budapest
Eine 0:1-Niederlage bezog der SC Eisenstadt am vergangenen Samstag im Freundschaftsspiel gegen Honvéd in Budapest. Obwohl eine Niederlage, so ist das Ergebnis als ein kleiner Erfolg zu werten, da Honvéd zu den stärksten ungarischen Mannschaften zählt. Außerdem ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit, in der ungarischen Metropole zu gewinnen. Das mußten schon Rapid und Austria bei ihren Spielen erkennen.
Deshalb muß man mit Eisenstadt sehr zufrieden sein. Die Mannschaft fuhr direkt aus dem Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf nach Budapest, hatte durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse eine lange Anreisezeit, trat außerdem ohne Granabetter an – und bot dennoch eine vorzügliche Leistung.

Das bescheinigen auch die ungarischen Zeitungen, die von einer guten, kämpferisch sehr starken österreichischen Mannschaft schreiben. Die Generalprobe der Eisenstädter für das Spiel gegen die Austria ist gut ausgefallen.
Faksimile: BF-Onlinearchiv

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(BF): Honvéd mußte sich anstrengen / SCE mit prächtigem Teamwork
Von vornherein hatte man dem SC Eisenstadt in Budapest überhaupt keine Chancen eingeräumt. Es zeigte sich aber wieder, daß im Fußball wirklich alles möglich ist. Die Magyaren, sehr siegessicher, mußten schließlich ganz aus sich herausgehen, um eine ausgezeichnet kämpfende Eisenstädter Mannschaft doch noch in die Knie zwingen zu können.
Vor der Pause verlief die Partie fast ausgeglichen. Eisenstadt mischte kräftig mit und leistete den optisch leicht überlegenen Ungarn hartnäckigen Widerstand. Honvéd, das zuerst Stürmerstar Tichy in der Kabine gelassen hatte, stellte seinen Star zur Pause deshalb auch in die Mannschaft. Und mit Tichy lief dann das Spiel der Ungarn besser. Allerdings half ihnen auch nach der Pause ein starker Rückenwind.
Das einzige Tor vor 3.800 Zuschauern fiel in der 66. Minute durch Komora, der das Leder vom Fünfer in die Maschen setzte, nachdem Schreitl einen scharfen Schuß nur wegschlagen hatte können. Schreitl, der übrigens nach der Pause für Schorn im Tor stand, bot seine beste Leistung im Eisenstädter Dreß. Unter anderem wehrte er in der 56. Minute einen Foulelfmeter von Kozma ab. Dieser Elfer war übrigens eine harte Strafe. Koch hatte einen Ungarn das Leger weggespitzelt, der Ungar fiel im Strafraum zu boden, und der mäßig amtierende Referee entschied auf Strafstoß.
Wenig später wurde Gallos, der mehrere Gegner düpiert hatte, ebenfalls im Strafraum gelegt, der Schiedsrichter verlegte den Tatort aber an die Strafraumgrenze, und so bag es nur einen Freistoß, obwohl ein Elfer berechtigt gewesen wäre.

Eisenstadt bot eine ausgezeichnete Mannschaftsleistung. Besonders die Abwehr konnte überzeugen und machte es den ungarischen Stürmern sehr schwer. Die ungarische Presse lobte auch die Eisenstädter sehr. (Zensuren von „Gutes Team“ bis „Österreichischer Spitzenklub“!)

Dr. Schleger: „Ich bin mit der Leistung der Mannschaft sehr zufrieden. Das Team hat ausgezeichnet gespielt und gegen eine meisterliche Honvéd ein gutes Resultat erreicht.“
Präsident Horvath: „Ich war von der ausgezeichneten Leistung unserer Mannschaft wirklich überrascht. So müßte es auch gegen die Austria laufen!“

Das besagte (Cup) Spiel gegen die Austria wäre dann fast im Schnee erstickt, ging dann aber doch im Lindenstadion vor 1.200 Unentwegten über die Bühne – und endete mit einer 2:3-Niederlage.

20140608_165259Als Andenken an den Honvéd FC aus Budapest erhielt der
SportclubEisenstadt eine Keramikfigur.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

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