Längst Vergessenes – Teil I

Tief im Südburgenland liegt auf einer Anhöhe eine Gemeinde, mit dessen Fußballklub der SC Eisenstadt heiße Duelle ausfocht – vor langer Zeit natürlich.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Seine erste Reise nach Großpetersdorf seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges unternahm der SCE im Zuge der Qualifikationsrunde zur Landesliga im Sommer 1950. Gleich beim ersten Duell mit den südburenländischen „Widdern“ setzte es eine herbe 0:3-Niederlage, am Ende durfte sich der SCE aber dennoch über den Aufstieg in die oberste Leistungsstufe unseres Bundeslandes freuen. Denn neben den drei Auswärts-Niederlagen reichten drei Heimsiege „auf der Halt“, um den Meistertitel in der 1. Klasse Mitte zu krönen – dabei wurde Großpetersdorf daheim mit 4:0 besiegt.

In der Landesliga wehte dann schon ein anderer Wind, und wehrte sich lange gegen den drohenden Abstieg, dem er aber nicht entgehen konnte. Einer eklatanten Auswärtsschwächte (acht Niederlagen – bei elf Partien) stand eine kaum bessere Heimbilanz (sieben Niederlagen) gegenüber. Ein Heimsieg gelang immerhin gegen Mitaufsteiger SV Großpetersdorf (2:1), auf dessen Anlage man sich aber 1:3 geschlagen geben musste.

Diese Niederlage setzte es in der zweiten Meisterschaftsrunde Anfang September 1950. Die BF berichtete kurz: „Die Hauptstädter, die bereits in den Qualifikationskämpfen in Großpetersdorf geschlagen wurden, mußten dort am Sonntag neuerlich eine Niederlage einstecken. Die Eisenstädter gaben, trotzdem sie nicht komplett antraten, lange Zeit einen ebenbürtigen Gegner ab. Die Schußuntüchtigkeit ihrer Angriffsreihe ließ keine Erfolge zu, obwohl sie nicht minder als die Hausherren dazu Gelegenheit gehabt hätten.“

Im Frühjahr 1951 schauten sich dann gut 200 Zuschauer das Spiel gegen die Großpetersdorfer „auf der Halt“ an. (BF) „Die Landeshauptstädter überraschten am vergangenen Sonntag mit einer ausgezeichneten Leistung und konnten die Mannen um Somlei verdient besiegen. Schon in der ersten Halbzeit dominierten die Platzbesitzer eindeutig, und nur der Schußunfähigkeit ihrer Stürmerreihe ist es zuzuschreiben, daß das Score nicht höher ausfiel. Aus den unzähligen Angriffen der Landeshauptstädter kann Luckenberger die Platzbesitzer in Führung bringen. Eine unnötige Spielerei des Eisenstädter Schlußmannes bringt den Gästen aus Großpetersdorf den Ausgleich. In der zweiten Halbzeit spielt nur mehr Eisenstadt, doch können ihre Stürmer die unzähligen Torchancen nicht verwerten. Erst ein Elfmeter von Fleck bringt den verdienten Führungstreffer, der für Eisenstadt zwei wichtige Punkte bedeutet. Eine Kritik über beide Mannschaften und auch über den Schiedsrichter ist am Platz. Wenn auch die beiden Vereine mit Steinen auf mich werfen, sportlich war das Verhalten einiger Akteure bestimmt nicht. Besonders die Großpetersdorfer versuchten sich einige Male als Freistilkämpfer. Besonders der rechte Verteidiger gehörte schon in der ersten Halbzeit ausgeschlossen. Auf der anderen Seite war das Zurückzahlten der Fouls von Szövegjado nicht am Platz. Der Schuldtragende an diesen Unsportlichkeiten ist in erster Linie der Schiedsrichter. Durch sein unmögliches Gepfeife erleichterte er den Rowdis [sic.] ihr Benehmen. Mit so einer Leistung, wie Herr Hausl am vergangenen Sonntag das Spiel geleitet hat, ist dem burgenländischen Fußballsport nicht gedient.“

Nach dem Abstieg des SCE gab es aber dennoch ein Eisenstädter Duell mit den Großpetersdorfern, denn die „Elektriker“ des SC NEWAG schafften 1951 den Durchmarsch in die höchste Liga.

Während nun der alte SC Eisenstadt den Wiederaufstieg anstrebte, mischten die Senkrechtstarter des neuen SC NEWAG aus Eisenstadt die Landesliga auf – siehe dazu auch meinen Bericht „Belebende Stromstöße“.
In der vierten Runde gastierte Großpetersdorf in Eisenstadt: (BF) „Nun hat es doch endlich geklappt. Wir wollen es nicht verschreien, aber es hat den Anschein, als ob der Kurzschluß in der Fünferleitung der Elektriker behoben sein dürfte. Die Transferierung Gombas‘ in die MItte, hat sich voll bewährt, da er, wie in alten Tagen, den Goalgetter der Mannschaft war. Er schoß vier herrliche Tore. In der Deckung war Schaden groß in Fahrt, und der gesamte Sturm mit Ausnahme Horvaths hatte einen Formanstieg zu verzeichnen. Die Gäste befanden sich in mäßiger Verfassung, und so war es kein Wunder, daß sie in Grund und Boden gespielt wurden. Erfreulich war die sportliche Art, mit der sie die Niederlage hinnahmen.“

Der SC NEWAG gewann daheim mit 9:1 und beim Auswärtsspiel im nächsten Jahr gelang eine Eisenstädter Prämiere: der erste Auswärtssieg in Großpetersdorf – und das gleich mit 5:1!
(BF) „Vor ungefähr 300 Zuschauern errang Newag einen in diesem Ausmaß verdienten Seig. Die Elektriker stellten eine technisch vorzügliche Elf, die in den Endphasen des Spieles auch noch die gute Kondition in die Waagschale werfen konnten. Es gab in der Mannschaft diesmal keinen Versager, wodurch auch die gute Gesamtleistung zustande kam. Kaiser im Tor spielte diesmal fehlerfrei, und auch seinen Vordermännern, Wohlmuth und Schneider unterliefen keine nennenswerten Schnitzer. Die Halfreihe legte ihr gewohnt gutes Spiel hin, obwohl auf den kranken Palme verzichtet werden mußte. Daß der Sturm seine Sache verstand, beweisen die fünf Tore auf dem gefürchteten Großpetersdorfer Platz. […]
Das Großpetersdorfer Publikum leistete sich allerdings nach dem Spiel Dinge, die vor den Gerichtssaal kommen müssen. Neuberger, der ein Kriegsinvalide ist, wurde niedergetrampelt, und es gelang nicht einmal der Gendarmerie, die Tobenden abzuhalten. […]“

1952/53 spielten dann beide Eisenstädter „Großklubs“ in der Landesliga, das aber nicht gerade besonders gut. Während der SCE eine absolute Katastrophensaison ablieferte, mühten sich der SC NEWAG in den unteren Regionen ab, wo sich auch der SV Großpetersdorf befand.

Daheim auf der Hutweide konnten beide Eisenstädter Vertreter ihre Partien gewinnen: Der SCE gewann mit 5:0 und der SC NEWAG mit 2:0, doch auswärts erwiesen sich die Widder als unzähmbar. Die Elektriker unterlagen mit 2:3 und der SCE ging mit 0:5 unter.

Im Sommer 1953 – wie hinlänglich bekannt sein sollte – wurde die Ehe zwischen dem SC Eisenstadt und dem SC NEWAG vollzogen, und als die Großpetersdorfer wieder in die Landeshauptstadt kamen, wurde das Spiel im neuen Stadion im Schloßpark ausgetragen.
Zuvor kämpfte der „neue“ NEWAG SC Eisenstadt gegen den Auswärtsfluch von Großpetersdorf. Der SCE ging früh in Führung, die von den Hausherren schon bald ausgeglichen wurde, dann gelang den Gästen abermals die Führung, welche aber die Großpetersdorfer bis zur Pause in eine 4:2-Führung zu ihren Gunsten drehen konnten. In der zweiten Halbzeit kam der SCE noch auf 3:4 heran, doch dann zogen die Südburgenländer auf 6:3 davon. Am Ende reiste der SCE mit einer 4:6-Niederlage zurück nach Norden.

Beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten im Lindenstadion steckte den beiden Teams im März 1954 noch die lange Winterpause in den Knochen. Es dauerte einige Zeit, bis Fahrt ins Spiel kam. In der ersten Halbzeit sorgten Negrini und Bommersbach für eine 2:1-Führung. Nach dem Seitenwechsel ging es Schlag auf Schlag: Negrini, Nemeth und Schwarz stellten rasch auf 5:1. In weiterer Folge lautete der Spielstand nach Toren von Schwarz und Gombas, der zwei Treffer erzielte, 8:1. Steurer steuerte dann noch den zweiten Treffer der Großpetersdorfer bei.

In der Saison 1954/55 gewann der SCE sein Heimspiel sogar mit 9:1, verlor aber erneut auswärts in Großpetersdorf – diesmal mit 0:1.
Am Ende dieser Spielzeit stieg der SV Großpetersdorf ab und kam erst nach zwei Jahren wieder zurück.

Die Meisterschaft 1957/58 beendete der Aufsteiger aus Großpetersdorf sogar als Vizemeister hinter dem ASV Neufeld. Dritter wurde der SC Eisenstadt. In dieser Saison gingen zudem beide Duelle mit den „Widdern“ verloren: Im Lindenstadion unterlag der SCE mit 2:3 und in Großpetersdorf setzte es eine 1:6-Niederlage.

Doch schon in der nächsten Saison drehte sich das Blatt, und die vier Punkte gegen die Südburgenländer nahm der SCE gerne mit auf den Weg zu seinem ersten Landesmeistertitel!

400 Zuschauer fanden sich im Oktober 1958 im Lindenstadion ein und bekamen einen 5:1-Sieg zu sehen.
(BF) „Die Eisenstädter gewannen souverän, wenn sie auch nicht ganz so überzeugend ihre Gegner leerlaufen ließen als in den vorhergegangenen Spielen. In der ersten Halbzeit hatten sie schon ganz schöne Chancen, doch wurden diese nicht verwertet. Es dauerte bis zu 35. Minute, bis etwas geschah. Tschank rasierte den Ball, und Schuch war zur Stelle. Großpetersdorf führt 1:0. In der 40. Minute schoß Varga den Ausgleich, wobei die Großpetersdorfer ein Abseits gesehen haben wollen. Zwei Minuten später war es abermals Varga, der einschoß, uns so ging es in die Pause.
Nach Seitenwechsel kam Varga in der 60. Minute zum dritten Tor. Zwei Minuten später war Völgyes erfolgreich, und den Reigen beschloß Gombas sieben Minuten vor Schluß.“

Das Auswärtsspiel in Großpetersdorf war nicht besonders gut, dennoch gewann der SCE durch ein Tor von Ernst mit 1:0 und stieg am Saisonende in die neu geschaffene Regionalliga Ost auf.
Faksimile: BF Onlinearchiv

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Nach zwei Saisonen Ostliga-Fußball war der SC Eisenstadt wieder zurück in der burgenländischen Landesliga, die er wieder in eindruckvoller Manier gewann. Auf dem Weg zurück in die Ostliga duellierte er sich 1961/62 auch zum letzten Mal mit den Widdern aus Großpetersdorf.

Das erste Spiel im Herbst 1961 wurde aber noch verschoben, da in Eisenstadt die Feierlichkeiten der 40-Jahr-Feier des Burgenlandes abgehalten wurden. Diese Gelegenheit nutzten ein paar SCE-Spieler zum heiraten.Faksimile: BF Onlinearchiv

Faksimile: BF Onlinearchiv

Was sonst noch in Eisenstadt geschah:

Faksimile: BF-Onlinearchiv

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Das Spiel wurde am Ende der Herbstmeisterschaft nachgetragen, aber nicht in Eisenstadt sondern auswärts in Großpetersdorf.
Zuvor gewann der SCE am 23. Dezember daheim gegen den SC Parndorf mit 7:0 und im Südburgenland gewann der Herbstmeister souverän, wenn auch knapp, mit 2:1.

Am 15. April 1962 fand dann das allerletzte Spiel zwischen dem SC Eisenstadt und dem SV Großpetersdorf statt.
400 Zuschauer fanden sich im Eisenstädter Stadion ein, und jene, die dem Tabellenführer die Daumen drückten, waren nach den 90 Minuten zufrieden – zumindest mit dem Ergebnis: (BF) „Eisenstadt entledigte sich der Verpflichtung, ohne sich voll auszugeben. Es gab sogar einige ganz schwache Punkte in der Elf. So zeigten diesmal Reinprecht und Varga fast nichts. Krutz schwamm zeitweilig ebenfalls, und von Dunkl sah man zwei Tore und sonst nichts. Sehr brav spielten hingegen die beiden Außendecker. Schüller war keineswegs in Hochform, doch war es besser als Krutz. Im Sturm war Heisler II zweifellos der beste Spieler. Auch Tienwald gefiel.
Bei Großpetersdorf waren die beiden Aufbauhalf einfach nicht da, und darunter litt das gesamte Mannschaftsspiel. Das Innentrio mit den drei Horvath erspiele zwei zwingende Chancen während des ganzen Spieles und vergab sie. Das scheint doch zuwenig zu sein. Die Verteidigung kämpfte verbissen und mit wechselndem Erfolg. Auf jeden Fall hat man Großpetersdorf schon viel stärker in der Landeshauptstadt gesehen als diesmal.“

Die Tore beim 7:0-Erfolg erzielten Heisler II (3), Dunkl (2), Tienwald und Varga.

Die Bilanz gegen die „Widder“:
Der „alte“ SC Eisenstadt gewann von sechs Spielen seine drei Heimpartien und verlor alle drei Auswärtsspiele. Tore: 12:12.

Die Elektriker vom SC NEWAG Eisenstadt gewann von vier Duellen drei und ging nur einmal als Verlierer vom Platz, natürlich auswärts. Tore: 18:5.

Der „neue“ SC Eisenstadt, der Anfangs auch noch NEWAG im Klubnamen trug, traf zehnmal auf die Großpetersdorfer, gewann sechs Spiele und da es auch hier kein Remis gab, gingen vier Partien verloren. Tore 39:22.

Von insgesamt zehn Heimspielen „auf der Halt“ bzw. im Lindenstadion wurden neun gewonnen und von zehn Auswärtsspielen gingen ganze sieben verloren.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

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