Längst Vergessenes – Teil II

Gleich hinter der Landesgrenze im Nordwesten des Burgenlandes liegt die „Metropole“ Wiener Neustadt, in der es gleich mehrere Fußballvereine gibt beziehungsweise gab. Die absolute Nummer Eins war natürlich der 1. Wiener Neustädter SC, der vor ein paar Jahren von einem Neuankömmling geschluckt wurde und sich somit mit der über hundert Jahre alten Geschichte des WNSC schmückt. Duelle zwischen dem SCE und dem WNSC waren ein echtes Ost-Derby und von solchen Spielen möchte ich hier berichten.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

Zunächst trafen Eisenstadt und Wiener Neustadt nur bei Freundschaftsspielen aufeinander. Bis sich Klubs aus den beiden Städten in der selben Liga gegenüber stehen sollten, dauerte es noch.
Den Anfang machte aber keineswegs der SC Eisenstadt sondern der SC NEWAG. 1951 duellierten sich die Elektriker aus Eisenstadt mit dem „Schwesterverein“ SC NEWAG Wiener Neustadt und gewannen „auf der Halt“ mit 7:3.
Drei Jahre später, ein paar Monate vor der Fusion mit dem SCE, hatten die Elektriker den 1. Wiener Neustädter SC zu Gast und gingen glatt mit 1:9 unter. Mehr über den SC NEWAG im Bericht „Belebende Strömstöße“.

Gut ein Jahrzehnt später standen sich der SCE und der WNSC erstmals im Meisterschaftsbetrieb gegenüber. Die Niederösterreicher waren nämlich aus der Nationalliga in die Regionalliga abgestiegen, in die der SCE nach seinem Abstieg gleich wieder aufgestiegen war. Die Neustädter waren in der Saison 1962/63 aber zumindest eine Nummer zu groß und schafften – wenn auch denkbar knapp – den sofortigen Wiederaufstieg. Der SCE belegte Rang Neun. In Wiener Neustadt verlor der SCE mit 1:6, holte dafür im Lindenstadion ein 1:1.

Sieben Jahre dauerte es, bis es die nächsten Meisterschaftsspiele gab. Derweilen traf man sich bei Freundschaftsspielen, die Mitte der Siebzigerjahre mit dem Felix-Pichler-Pokal ihren Höhepunkt fanden, der von den Zuschauern aber mehr als gering geschätzt wurde.

1970/71 war dann der SCE der Absteiger aus der Nationalliga, der gleich wieder Meister der Regionalliga Ost wurde und dabei das Heimspiel gegen den WNSC mit 1:0 gewann und in Wiener Neustadt 0:0 remisierte.

Die ersten Duelle gegeneinander in der allerhöchsten Liga Österreichs fanden 1972/73 statt, doch war es nicht der WNSC, der „oben“ spielte, sondern der ESV Admira Wiener Neustadt. Im Lindenstadion gewann der SCE mit 3:0 und verlor das Auswärtsspiel mit 0:1. Die Eisenbahner der Wiener Neustädter Admira stiegen am Ende der Saison wieder ab.

Die nächsten fünf Jahre – 1975 bis 1980 – spielte der SCE dann in der 2. Division, wo nun auch der 1. Wiener Neustädter SC seine sportliche Heimat hatte.
Von den zehn Duellen gewann der SCE fünf und verlor drei. Zwei Spiele endeten unentschieden. 1979/80, als der SCE am Ende Meister der 2. Division wurde, trafen die beiden alten Kontrahenten auch erstmals im ÖFB-Cup aufeinander. Vor 3.500 Zuschauern spielte der SCE groß auf und gewann mit 3:0!

Zehn Jahre später schaute die Welt wieder ganz anders aus. Der finanziell schwer gebeutelte SCE fand sich nach dem Bundesliga-Abstieg in der Regionalliga wieder, wo es noch zwölf heiße Duelle mit dem WNSC geben sollte.

Die letzten Spiele gab es in der Saison 1997/98, als der SCE knapp den Meistertitel verpasste und der WNSC als Letzter absteigen musste.

Im Herbst gewann der SCE in Wiener Neustadt mit 2:1:
(BF) Innerhalb von sechs Minuten fielen alle Treffer
Eisenstadt-Trainer Ivo Gölz hat anscheinend die Lehren aus dieser Saison gezogen und das Eisenstädter Konzept etwas geändert. So kam Kreiker als Spielgestalter im zentralen Mittelfeld zum Einsatz und bot nach Aussagen von Insidern seine beste Leistung im Dress der Landeshauptstädter. Der Albaner Dosti hingegen wurde in der ersten Hälfte seinem Ruf als „Vernebler“ gerecht. Bereits in der ersten Minute lief er mutterseelenallein auf den Goalie zu und traf das Tor nicht, ebenso wie wenig später nach einem Stangelpaß beziehungsweise mit einem Kopfball nicht. In der Pause war Trainer Ivo Gölz stinksauer auf ihn, doch er rechtfertigte das Vertrauen des Trainers in der zweiten Hälfte mit zwei entscheidenden Treffern. Nach einem Konter spielte Kreiker Dosti ideal frei und dieser hatte keine Mühe Eisenstadt in Führung zu bringen. Fünf Minuten später kam ein Freistoß von Kreiker zu Leonhardsberger, der Dosti ideal bediente – 0:2. Den Heimischen gelang zwar postwendend der Anschlußtreffer, doch Eisenstadt ließ sich nicht mehr aus der Reserve locken.

Im April 1998 kam dann das letzte Aufeinandertreffen. Vor großzügig geschätzten 120 Zuschauern tat sich der SCE im Lindenstadion schwer, um das Schlußlich zu bezwingen. Erst nach einer Stunde wurde der Sieg eingeleitet. Hannes Pleva traf zum 1:0. Zehn Minuten später machte Harald Moser mit dem 2:0 alles klar und als Draufgabe traf Edi Dosti kurz vor dem Abpfiff noch zum 3:0.

Faksimile: BF-Onlinearchiv SCE vs. WNSC (1998)

Faksimile: BF-Onlinearchiv
SCE vs. WNSC (1998)


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