Vor einem halben Jahrhundert (Juni 1967)

Fünfzig Jahre ist es nun her, seit der Sportclub Eisenstadt mit dem Aufstieg in die Nationalliga burgenländische Fußballgeschichte geschrieben hat.

Um an diesen Meilenstein des rot-goldenen Fußballs zu erinnern, lud Josef Csacsinovits (kurz Csini) vom 6. bis 25. Juni 2017 ins Gemeindeamt der Seegemeinde Oggau ein, wo viele Schätze aus seiner privaten Sammlung zur Schau gestellt wurden.

Cinis Vater, Josef „Pepi“ Csacsinovits Senior, gehörte beim alten SC Eisenstadt zu den treffsichersten Spielern der Vor- und Nachkriegszeit. Als seine aktive Zeit zu Ende ging, wurde er im ehrwürdigen Lindenstadion Zeugwart – sein Sohn Josef Junior Jahre später sogar Platzwart.

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Werfen wir nun einen Blick auf den Juni vor fünfzig Jahren. Was ist damals geschehen?

Wenn der Fußballinteressierte Ende Mai 1967 die Zeitung aufschlug und nach der Tabelle der Regionalliga Ost suchte, fand er „die Eisenstadt“ zwei Runden vor dem Ende der Meisterschaft auf Platz Eins. Aber nur ein einziges Pünktchen dahinter lauerte „die Schwechat“, was damals noch der 1. Schwechater SC war. Auf Platz Drei (bei einem Rückstand von drei Punkten) rangierten die Mattersburger, und die hatten auch noch ein Spiel weniger ausgetragen.

Und gegen genau diese Mattersburger hatte der SCE als nächstes zu spielen. Doch so einfach lies sich diese Meisterschaft nicht zu Ende spielen, denn im Juni 1967 fand auch noch die Endrunde der Amateur-Europameisterschaft statt. Beim Amateur-Nationalteam waren gleich mehrere Eisenstädter Leistungsträger engagiert. Würde sich bei den Auswahlspielen einer oder gar mehrere SCE-Spieler verletzen, hätte das auch faltale Auswirkungen auf den Ausgang der Ostliga-Meisterschaft haben können.

Eine der Persönlichkeiten, die im Amateur-Nationalteam spielten, war SCE-Keeper Johann Schorn. Gerade erst hatte er dem SCE vor gut 2.5oo Zuschauern in Baden ein 0:0 gerettet. Bei diesem Spiel mussten schon Kusolits und Soleder mit Injektionen für das Spiel fit gemacht werden.

Eisenstadts Kicker waren aber auch in der BFV-Auswahl tätig und vor dem Duell mit Mattersburg führte die Reise das Team Burgenland nach Tirol, wo Schorn (eine Halbzeit), Kusolits, Suttner und Co. auf dem Innsbrucker Tivoli vor 2.000 Zuschauern mit 0:1 verloren.

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BF-Onlinearchiv: die mit SCElern gespickte BFV-Auswahl.

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BF-Onlinearchiv: Das Spitzenspiel wirft seinen Schatten voraus.

Am Samstag, den 3. Juni 1967, begann um 16:30 Uhr das mit Spannung erwartete Spiel zwischen dem SC Eisenstadt und Mattersburg. Bei herrlichem Wetter kamen gut 4.500 Zuschauer in den Eisenstädter Schloßpark, darunter auch Landeshauptmann Theodor Kery.

Der Spielverlauf laut BF: Mattersburg hat Abstoß und beherrscht in der vorerst ungemein nervösen Atmosphäre die Szene. Bereits in der zweiten Minute steht Thomas allein vor Schorn, vergibt aber kläglich. Im Gegenstoß überläuft Leskovich alles, kann aber im Strafraum den Ball nicht unter Kontrolle bringen und rollt das Leder neben den Pfosten ins Out. Mattersburg bleibt mehr im Angriff, doch steht Eisenstadts Abwehr gut gestaffelt. In der siebten Minuten stoßen Schüller und Pfeifer zusammen. Pfeifer ist angeschlagen und kann nicht mehr recht mit.
10. Minute: Schüller bekommt einen Steilpaß, rangelt sich gegen nemeth durch und rollt an dem herauslaufenden Wolf das Leder ins Netz. 1:0. Unbeschreiblicher Jubel bei Eisenstadt.
Man merkt sofort, daß die Hausherren nun viel ruhiger und überlegter agieren. Mattersburg ist weiter leicht überlegen, doch sind die Aktionen unüberlegt und überhastet. In der 28. Minute hat dann vorerst Wotruba eine Riesenchance, die jedoch Schorn gerade ncoh bereinigen kann. Der Ball kommt zu dem vollkommen freistehenden Maurovich, der aber vollkommen unkontrolliert hoch übers Tor schießt.
Das 2:0 ist dann ein typisches Leskovich-Tor. Er überspielt Wolf und drückt dann seelenruhig ein, 2:0 (38.).
In der 42. Minute reklamieren die Mattersburger gar einen Elfer, als Sotek Suttner mit einem kernigen Schuß am Oberarm trifft. Die schönste Aktion des Spieles folgt in der 43. Minute. Schüller flankt hoch vors Tor, und Komanovits kanoniert los. Der Ball trifft die Querlatte und springt zur Linie herab. Der Schiedsrichter gibt kein Tor.
Nach der Pause gibt sich Mattersburg noch nicht geschlagen. Maurovich wird in die Abwehr an Stelle von Peifer beordert. Dann hat Wolf große Mühe, um einen Flachschuß von Schüller, ein Tor zu verhindern (57.).
In der 62. Minute bricht Schatzer durch, und sein Schuß gibt Schorn Gelegenheit, sein großes Können unter Beweis zu stellen. Nun wird Soleder munter. Wolf kann nur unter größtem Einsatz ein Tor verhindern. In der 71. Minute allerdings ist Mattersburgs Abwehr machtlos. Soleder nimmt eine Flanke Leskovichs auf, „überschupft“ A. Koch und rollt neben Wolf den Ball ins Netz.
Mattersburg ist sichtlich deprimiert und spielt ab diesem Zeitpunkt nicht mehr mit voller Kraft. Die Eisenstädter haben nun einige gute Chancen, die allerdings vergeben werden. In der 83. Minute rollt Leskovich einen Freistoß zu dem aufmerksamen Komanovits, der sofort zum 4:0 einsendet. Damit ist das Spiel entschieden.

Die Meisterschaft war aber noch nicht entschieden, denn die Schwechater gewannen in Siegendorf mit 3:1. Aufgrund des besseren Torverhältnisses fehlte den Eisenstädtern nur noch ein einziger Punkt zum Titelgewinn.

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Die letzte Runde lies aber noch lange auf sich warten, denn zuerst wurde einmal die Bundesländermeisterschaft mit dem Heimspiel gegen Niederösterreich beendet. Der SCE stellte beim abschließenden 3:3 mit Schorn, Kusolits, Suttner, Komanovits und Schüller gleich fünf Akteure. Mit dabei war natürlich auch der Siegendorfer Alfred Eisele!
Das Burgenland holte sich in diesem Bewerb den hervorragenden dritten Rang.

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Danach reisten Schorn, Suttner, Granabetter und Komanovits mit dem Amateur-Nationalteam nach Mallorca, wo die Endrunde der Europameisterschaft ausgetragen wurde.

Das Halbfinale gegen die Türkei ging torlos in die Verlängerung. In der 92. Minute bekam Österreich nach einem Foul an Burgholzer (Grieskirchen) einen Freistoß zugesprochen. Eisenstadts Suttner legte sich den Ball zurecht und hob ihn gefühlvoll über die Abwehrmauer unhaltbar ins Tor. Österreich stand im Endspiel!

Im Finale warteten die Schotten, welche Österreich mit einem starken Schorn zwischen den Pfosten vor gut 8.000 Zuschauern in Palma di Mallorca mit 2:1 besiegte und Europameister wurden!

Über dieses Turnier habe ich seinerzeit schon auf ostliga.at berichtet, was auch in „ostwärts“ verewigt ist. Einen recht ausführlichen Lebenslauf von SCE-Legende Johann Schorn hat unlängst der Kulturverein seiner Heimatgemeinde Schützen am Gebirge zusammengestellt. Dabei durften Csini und ich tatkräftig mitwirken. Ein Muss für jeden Fan des legendären SCE-Keepers (Schützener Jahrbuch 2016).

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Nach diesem tollen internationalen Erfolg galt wieder alle Konzentration dem letzten Meisterschaftsspiel in Wien bei der FS Elektra. An die 500 Burgenländer pilgerten mit dem SCE in die Bundeshauptstadt und verbreiteten eine herrliche Stimmung.
Die Wiener waren aber nicht bereit, Geschenke zu verteilen. Der SCE musste in diesem Spiel hart kämpfen. Bereits in der Anfangsphase zeichnete sich Europameister Johann Schorn aus und verhinderte einen Rückstand. Die Fans zitterten und ihre Anspannung löste sich erst in der 37. Minute. Solleder ging durch und flankte zur Mitte. Granabetter wurde immer länger und länger, und köpfelte den Ball in die linke Ecke des Tores. 1:0 für den SCE!
Die Wiener griffen nun gefährlich an und kamen dem Ausgleich sehr nahe, die Abwehr rund um Keeper Schorn konnte aber Schlimmeres verhindern.
Gleich nach der Pause blieb den mitgereisten Fans fast das Herz stehen. Schorn verfehlte den Ball, doch zum Glück waren auch die Elektra-Spieler so sehr darüber überrascht und konnten diese Chance nicht nutzen.
In der 69. Minute hallte aber wieder großer Jubel über das Spielfeld. Solleder gab den Ball an Komanovits weiter, dieser verlängerte zu Leskovich, der noch einen Gegner aussteigen lies, ehe er trocken zum 2:0 einschoß. Die Wiener reklamierten Abseits und bedrängten das Schiedsrichtergespann.
Die endgültige Entscheidung fiel in der 82. Minute. Leskovich überspielte zwei Mann der Elektra und platzierte den Ball bombensicher im linken, oberen Kreuzeck. Die Spieler waren schon am Ende ihrer Kräfte, verwalteten das 3:0 aber sicher und wurden damit Meister der Regionalliga Ost Saison 1966/67.

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Der Sportclub Eisenstadt hat es vor einem halben Jahrhundert geschafft, trotz eines engen Programmes mit letzter Kraft als erstes burgenländisches Team Meister der Ostliga zu werden und – damit verbunden – in die höchste Spielklasse Österreichs aufzusteigen. Ein unvergessener Juni 1967!
Eisenstadt und das ganze Burgenland freuten sich auf die Duelle mit Rapid, der Austria, dem Sport-Club, der Vienna, Innsbruck, Sturm Graz und beispielsweise der Admira.

© Gerhard Tinhof / sce1907.wordpress.com

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